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Diese acht Bücher gehören unter den Weihnachtsbaum

Lustig, verblüffend, sexy, brillant, dringlich, knackig - unsere Büchertipps garantieren Vergnügen und Tiefsinn. Ruedi Widmer zeichnet Politsatiren; James Baldwin schreibt über US-Rassismus; Susan Sontag spricht über Krebs und Rock'n'Roll; Ulli Lust zeichnet ihr Liebesleben; Tom Hird berichtet über Geheimnisse der Ozeane; Eric Idle erzählt die Geschichte der Monty Pythons; Enrico Marini zeichnet Batman neu und Natalie Fassmann erklärt alles über Obstgärten.
Hansruedi Kugler

Die Schweiz hat Grippe - in Widmers Karikaturen

Ruedi Widmer verbindet erfrischendes Blödeln und ätzende Politsatire. «Widmers Weltausstellung» ist eine Sammlung der besten Karikaturen der letzten zehn Jahre. Es beginnt mit dem patriotischen Blödel-Cartoon «Die Schweiz hat Grippe»: die Schweizer Alpenwelt vom Schlucksee über Heiseraugst bis zum Hustenhorn. So vergnügt ­gestimmt, will man schon weiter blättern. Aber versteckt sich da im kindlich gezeichneten Comic nicht schon Spott und beissende Kritik? Ja doch: Denn ein Atomkraftwerk Heiseraugst, das womöglich im Fieberwahn radioaktive Wolken hustet, wünscht man sich dann doch nicht. Mit- und Weiterdenken sind erwünscht, scheint Widmer als Motto mit auf die Lektüre zu geben. Flüchtlinge und Erbschaftssteuer, Neoliberalismus und Islam: Widmer führt jene Themen vor, welche bewegt haben und immer noch bewegen. Nichts davon ist überholt.
Hansruedi Kugler

Ruedi Widmer: Widmers Weltausstellung. Karikaturen und Kolumnen. Rotpunktverlag, 160 S., Fr. 34.–

Eine starke Stimme gegen Rassismus

Der schwarze US-Autor James Baldwin (1924–1987) gehörte zu den wichtigsten Intellektuellen der Bürgerrechtsbewegung und war eine ihrer stärksten Stimmen. In seinen Romanen und Essays wandte er sich gegen jeden Rassismus – nicht nur gegen jenen, der die Schwarzen traf – und so auch gegen Diskriminierung und Ungerechtigkeit. Und er ist so aktuell wie je. Baldwins Werk erlebte in den USA in den letzten Jahren eine Renaissance. Und jetzt legt der deutsche dtv-Verlag Neuübersetzungen vor. Bisher erschienen zwei ­Romane: «Von dieser Welt» und «Beale Street Blues». Das sind keine politischen Pamphlete, sondern ist grossartige Literatur. «Beal Street Blues» ist die Geschichte einer vom Rassismus bedrohten Liebe. Baldwin erzählt sie empfindsam und kraftvoll. Er findet Worte für Wut und Zärtlichkeit, für Verzweiflung und Hoffnung – und fesselt damit.
Urs Bader

James Baldwin: Beale Street Blues. dtv, 224 S., Fr. 30.–

Der Liebessaft der Korallen und schnelle Muscheln

Wussten Sie, dass Korallen Sex haben und für dieses Ereignis Walhaie ganze Ozeane durchschwimmen? Diese wunderliche Geschichte und 290 weitere versammelt der britische Meeresbiologe Tom Hird in seiner Ozeanopädie. Für ihn ist klar: Die Meere und ihre Gesundheit sind auf lange Sicht der Schlüssel zu unserem eigenen Überleben. Trotzdem ist sein Buch, das fast ohne Bilder auskommt, keine Anklageschrift, es ist ein Lesebuch mit «dem sie Ihr Wissen erweitern, Freunde beeindrucken und die Meere mit anderen Augen ­sehen können». Für Hird ist kein Meeresbewohner zu klein, um nicht faszinierend zu sein. Seine Ausführungen über Muscheln, «sie werden sie danach eher nicht mehr verspeisen», sind grossartig, über die Quallen würde man gerne noch mehr lesen, wie auch über nukleare Thunfische und Überdüngung und wie alles miteinander zusammenhängt.
Katja Fischer De Santi

Tom Hird: Ozeanopädie. 291 unglaubliche Geschichten vom Meer. Terra Mater, 352 S., Fr. 38.-

Eine explosive Dreiecksbeziehung

Die preisgekrönte Zeichnerin Ulli Lust, 51, schildert ihr Liebesleben als junge Frau im Wien der frühen Neunzigerjahre. Wunderbar gezeichnet, dass einem die Figuren ans Herz wachsen. Anfang 20, noch als ­erfolglose Künstlerin, führt Ulli Lust eine Beziehung zum älteren Schauspieler Georg, mit dem im Bett aber nichts läuft. Mit seinem Einverständnis lässt sie sich auf den Nigerianer Kimata ein. Anfänglich scheint die Dreiecksbeziehung perfekt – doch sie gerät aus den Fugen. Ohne rosa Brille schildert Lust, wie schwierig es ist, wenn Kulturen aufeinander prallen. Die obsessive Ménage-à-trois gipfelt im Mordversuch. Das Buch ist voller expliziter Szenen, zugleich voller Fantasie und Selbstironie. Die in Österreicherin verknüpft ihre Erfahrungen meisterhaft mit grossen Themen: ­sexuelle Selbstbestimmung, Flüchtlingspolitik und der Traum einer anderen Gesellschaft.
Melissa Müller

Ulli Lust: Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein. Suhrkamp, 367 S., Fr. 38.–

Liebeserklärung an den eigenen Obstgarten

Wer einen Obstgarten sein Eigen nennt, oder zumindest davon träumt, dem sei dieses Buch empfohlen. «Mein Obstgarten» ist Inspiration und professioneller Ratgeber zugleich. Inspiration, weil das Buch lieblich mit Zeichnungen und Bildern illus­triert ist. Ratgeber, weil man in diesem Buch viel Wissenswertes findet, was das Herz des Apfel-und Birnenfreundes höher schlagen lässt. Ist der eigene Obstgarten nur klein, tröstet die Autorin: «Ein Garten ist wie eine Handtasche: Man glaubt nicht, was alles reinpasst» und gibt ihre Projekte zum ertragreichen Platzsparen bekannt: Aprikosenspalier, Schlanke Süsskirschen, kleine Obstbäume, die Verrier-Palmette für die Birnen an der Hauswand oder das Obst in Kübeln, wenn die Terrasse der Obstgarten ist. Und natürlich erfährt man auch, wie man seinen Platz vor dem Haus auch für Igel und Vögel zum Erlebnis machen kann.
Bruno Knellwolf

Natalie Fassmann: Mein Obstgarten. Ulmer, 158 S., Fr. 36.–

Susan Sontag erklärt sich im Interview

Auch 14 Jahre nach ihrem Krebstod und fast 40 Jahre nach dem in neuer Aufmachung publizierten Interview mit Jonathan Cott liest man Susan Sontag mit Begeisterung: Eine Ausnahmeerscheinung, eine originelle Intellektuelle, die das Nachdenken über Kultur und Politik mühelos mit dem Persönlichen verband. «Krankheit als Metapher», «Gegen Interpretation» und viele andere ihrer legendären Texte erörtert sie. Sontag liebt gleichermassen Hoch- und Popkultur, verehrt Rock ’n’ Roll genauso wie Dostojewski und Simone de Beauvoir. Ihre Analyse der gefährlichen Macht von Metaphern, die Krankheit zur persönlichen Schuld verdrehen, ist nach wie vor bestechend. Ihr grossräumiges Wissen und ihre pointierten Aussagen zu Feminismus und Literatur, zu Kunst und Faschismus und das Wesen des Denkens im «aber» machen den Band zur äusserst anregenden Lektüre.
Hansruedi Kugler

Susan Sontag: The Doors und Dostojewski. Kampa, 160 S., Fr. 27.–

Der Superheld aus Schweizer Comic-Hand

Insidern ist Enrico Marini längst vertraut. Sein Name steht auf 35 Büchern, seine Werke erreichen insgesamt eine Millionenauflage. Er gehört zu den gefragtesten Zeichnern Europas. In diesem Jahr die Krönung: Ihm wurde die Ehre zuteil, eine Batman-Geschichte zu konzipieren und umzusetzen. «DC Comics gaben mir ihre Spielzeuge, und ich durfte mich mit diesen amüsieren», sagt der 49-jährige Comiczeichner. Marini dachte sich einen «Crime Noir» aus und setzte diesen in aufwendiger Handarbeit um. Daraus resultierte «Der dunkle Prinz», der in der gebundenen Ausgabe besonders schön zur Geltung kommt. Mit diesem Doppelband verschenken Sie nicht eine Horrorstory in cineastisch anmutender Kunst verpackt. Nein, Sie lancieren auch gleich noch das Tischgespräch: «Wusstest Du schon, dass dieser Marini, einer der besten seines Fachs, ein Schweizer ist …?»
Marc Krebs

Enrico Marini: Batman – Der dunkle Prinz. Zwei Alben. DC/Panini/Dargaud, je Fr. 27.–

Ein Monty Python packt in seiner Biografie aus

Na, wenn dieses Buch mal nicht lustig ist! Eric Idle gehört zu den Gründungsmitgliedern von Monty Python, den Beatles der Comedy. Mit ihren TV-Sketches und Filmen haben sie den britischen Humor geprägt. Wer erinnert sich nicht an die «Ritter der Kokosnuss» oder «Das Leben des Brian»? In seiner Autobiografie blickt Idle (75) zurück: Erzählt wie er Waise wurde, in den Nachkriegsjahren in einem Internat aufwuchs bis zum Aufstieg als Comedian, der mit den Popstars seiner Zeit verkehrte. George Harrison gehörte zu seinen Freunden. Als sich keine Firma traute, «Das Leben des Brian» zu finanzieren, sprang der Ex-Beatles ein und rettete den Film, indem er seine Villa für vier Millionen Pfund verpfändete. Das Buch ist voller Anekdoten und Namedropping, Idle ist stolz, selbstironisch und -kritisch. Und unterhaltsam ist es allemal. Diesen Python verschlingt man.
Marc Krebs

Eric Idle: Always Look On The Bright Side Of Life. Deutsche Fassung Hannibal-Verlag, 248 S., Fr. 28.–

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