Weihnachtskonzert in der Tonhalle: Mister Shelley sagt «Merry Christmas»

Das Sinfonieorchester St.Gallen hat am Wochenende mit Händels berühmter Festmusik ein vorzeitiges Silvester-Feuerwerk gezündet. Unter der Leitung von Howard Shelley nahm es verschmitzt mit auf eine Schlittenfahrt durchs Weihnachtsliederland.

Bettina Kugler
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Festtagsgast in der Tonhalle St.Gallen: Der britische Pianist und Dirigent Howard Shelley.

Festtagsgast in der Tonhalle St.Gallen: Der britische Pianist und Dirigent Howard Shelley.

Bild: PD

Für Überraschungen ist der britische Pianist und Dirigent Howard Shelley immer zu haben. Man kennt ihn unterdessen gut in der St. Galler Tonhalle: als fabelhaften, feinsinnig-geistreichen und eloquenten Mozart-Interpreten und Gastdirigenten. Das Orchester schätzt ihn und hat gerade eine CD unter seiner Leitung herausgebracht: Eine von insgesamt über 150 Aufnahmen des fleissigen Briten.

Kühl routiniert jedoch wirkt Shelley keineswegs. Er musiziert aus dem Moment und hat etwas zu sagen; gerne wendet er sich auch direkt ans Publikum. Und das wirkt nicht belehrend, vom Pult herab gesprochen, sondern humorvoll und spontan. Aufschlussreich ist es sowieso, zumal für Zuhörer, die sich im Foyer lieber unterhalten, statt die Nase ins Programmheft zu stecken.

Spielwitz, royaler Pomp und eine Mozart-Sternstunde

Diesmal kam er als vorzeitiger Festtagsgast und dirigierte das vor ein paar Jahren in der Tonhalle eingeführte Weihnachtskonzert. Wobei das Programm auf den ersten Blick kaum süssen Glockenklang versprach, sondern eher britischen Humor und Biss. Hier die Jugendfrische, der rhythmische Spielwitz der «Simple Symphony» von Shelleys Landsmann Benjamin Britten, dort royalen Pomp, spektakuläre Outdoor-Musik, ebenfalls aus England: Händels Feuerwerksmusik, in der etwas sanfteren und lieblicheren Indoor-Version «mit Fiedeln».

Dazu Mozarts Klavierkonzert Nr. 25 in C-Dur, das letzte von zwölf Konzerten, die Mozart in der intensiven Wiener Schaffensphase zwischen 1784 und 1786 komponierte. Einmal mehr wurde es zu einer Mozart-Sternstunde mit Howard Shelley am Flügel, von dem aus er das Orchester auf Augenhöhe im Blick hatte und mit ihm stets in Kontakt blieb - noch in den virtuosen Kaskaden des letzten Satzes, in flüssigem Allegretto.

Fünf Minuten Weihnachtsglück im Doppelpack

Schlagkräftig liess Shelley nach der Pause Händels Feuerwerksmusik zünden; mit wirkungsvollen Kontrasten im Klangcharakter, mit Verve und französischer Eleganz in den Tanzsätzen. Ist die Suite zur Feier des Aachener Friedens doch nicht nur (aber auch) martialisches Geknatter, sondern gerade in ihrer Vielfalt und Gegensätzlichkeit, den Raum- und Echowirkungen effektvoll - und eine prächtige Einstimmung auf die Festtage, hellwach musiziert, farbenprächtig funkelnd.

Richtig weihnachtlich wurde es dann noch in der Zugabe. Engel, «Stille Nacht», Kirchenglocken, Schlittengebimmel: alles drin im Weihnachtsmedley von Leroy Anderson, das Shelley als Überraschungspräsent zusätzlich mit den Musikern einstudiert hatte. Weil die Freude darüber so ungestüm ausfiel, so «boisterous» wie im ersten Britten-Satz, gab es sie im Doppelpack: Once again, zum Mitsummen.

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