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Weibel/Weiss in der St.Galler Kellerbühne: Zwei Männer sind unterwegs in den Himmel

Ralph Weibel und Christian Weiss zeichnen in der Kellerbühne ein wunderbar humorvolles Panorama des Lebens.
Rolf App
Harfe spielen ist zu langweilig: Ralph Weibel (am Örgeli) und Christian Weiss sind auf der Bühne «Im Fluss». (Bild: PD)

Harfe spielen ist zu langweilig: Ralph Weibel (am Örgeli) und Christian Weiss sind auf der Bühne «Im Fluss». (Bild: PD)

Der Tod kommt immer ungelegen. Hier reisst er ein Loch in die Vereinsrechnung, dort stellt sich die Frage: Was soll ich denn nun werden im nächsten Leben? Ein Hängebauchschwein? Ein Nackthund? Ein Tanzbär? Ralph Weibel ist da mit viel Fantasie am Werk, nachdem er Himmel und Hölle ausgeschlossen hat und auch vom Sprengstoffgürtel abgekommen ist.

Im Himmel Harfe zu spielen, das ist ihm entschieden zu langweilig. Und in der Hölle könnte man Helene Fischer begegnen. Oder, noch schlimmer, Roger Köppel.

Und während er mit drei Herren auf der Parkbank sitzt und einer Joggerin nachschaut, greift Christian Weiss, sein Kompagnon an diesem Abend in der Kellerbühne St.Gallen, zur Gitarre, besingt das Alter («Äntli senil») und beginnt aufzuzählen, welche 24 Dinge man nicht tun sollte, wenn man in den Himmel kommen will.

Freundliche Ironie und viele Überraschungen

Nicht dass es in diesem Programm nur ums Altwerden ginge. Nein, es geht auch um Schüblig und Kartoffelsalat, um die Metzgete, ums willenlose Einkaufen im Schlepptau einer tüchtigen Partnerin, um schüchterne Männer auf der Suche nach einer Frau, um eine Familie, die wächst und wächst und wächst, und um die Poststelle im Calfeisental.

Mit munteren Kopfsprüngen tauchen Weibel und Weiss ein in den Fluss des Lebens, strecken mal hier, mal dort den Kopf aus dem Wasser. Weshalb ihr Programm auch den richtigen Titel trägt: «Im Fluss». Weibels ­Texte, die er mit bärenhafter Gelassenheit vorträgt, sind erfüllt von freundlicher Ironie und voller Überraschungen, während Weiss in seinen Liedern gern auch zartere Saiten anschlägt.

Da und dort mischen die beiden einen Schuss Politik hinein, oder auch Erotik. Etwa wenn Weiss sich in der Zugabe Gedanken darüber macht, dass sich so ­wenig auf «Penis» reimt.

Möchtegernhelden, ewig scheiternd

Denn man darf doch nicht übersehen, dass hier zwei Männer auf der Bühne stehen, Möchtegernhelden also, und deshalb verurteilt zum ewigen Scheitern. Menschen, die in ihrer Fantasie wesentlich grösser aussehen als in der Wirklichkeit. Die aber ­gelernt haben, diese Fallhöhe lustvoll zu ertragen.

Denn das Leben ist, wie es ist. Es macht immerzu Hoffnung und schleift uns zugleich ab. Es enttäuscht und erfreut, manchmal sogar im selben Moment. Und das Publikum, das zwischendurch auch eine Hymne auf St.Gallen mitsingen darf, fühlt sich erkannt. Man hört es seinem Lachen an. Mehr noch: Es fühlt sich ermutigt.

Denn was es hier mitmacht, das ist genau jene Konfrontationstherapie, mit der Christian Weiss in den Abend eingestiegen ist. Er, der Schüchterne, hat seine Hemmungen überwunden. Und wir, was müssen wir überwinden im Fluss des Lebens?

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