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Wegleitungen zu einem Genie

Weniger ein richtiger Theaterabend als eine philosophische Unterweisung ist die aktuelle Inszenierung von Pierre Massaux im neuen Theater 111. Sie will mit viel Idealismus dem Publikum Beethovens Welt näherbringen.
Martin Preisser
Mario Pacchioli als Beethoven, neben ihm Fabienne Welte, die kurz in die Rolle der unsterblichen Geliebten des Komponisten schlüpft. (Bild: Ralph Ribi)

Mario Pacchioli als Beethoven, neben ihm Fabienne Welte, die kurz in die Rolle der unsterblichen Geliebten des Komponisten schlüpft. (Bild: Ralph Ribi)

Ganz schlicht und griechisch klassisch gehalten kommt dieser Abend daher. Mit wenigen Gesten, mit fast zu vielen Momente der Reflexion und des Meditativen. Es ist anspruchsvoll, sich der Welt der Beethoven'schen Kunst und seiner Ideale, aber auch seiner Kämpfe zu nähern – weil es durch diese Stoffwahl wenig Handlung gibt, keine normalen flüssigen Theaterszenen. Regisseur Pierre Massaux hat sich bemüht, einen konzentrierten und intensiven Abend um Beethoven zu inszenieren, mit ziemlich Nachdruck auf der spirituell-geistigen Ebene.

Der beste Kunstgriff des Abends ist sicher die Einbindung der Gedankenwelt Beethovens in die Geschichte von Prometheus, die das Stück eröffnet und die am Ende wiederaufgenommen wird. Prometheus musste den Zorn von Zeus ertragen, weil er den Menschen die Todesangst genommen hat. Beethovens Musik kann den frei machen vom Elend, der sie hört. Beethovens Ertaubung wird mit Prometheus' Strafe in Verbindung gebracht.

Isolation und Ertaubung

Pierre Massaux hat auch mit vier Männern mit Migrationshintergrund gearbeitet. Ehrlich waren sie bemüht, sich auch auf philosophisch anspruchsvolle Sätze des Theaterabends einzulassen. Erzählt wird nach der Prometheus-Geschichte Beethovens Physiognomie, der Abend gipfelt dann in der Rezitation des «Heiligenstädter Testaments», ein Moment tiefster Verzweiflung des Komponisten über seine Isolation und Ertaubung. Den Beethoven dieser neuen Produktion des Théatre du Sacré gibt der Bündner Schauspieler Mario Pacchioli. Klar und präsent, aber immer in recht gleichbleibender Kontur spielt er den Komponisten. Eine schöne Szene ist die Rezitation eines Beethoven-Textes an die «Unsterbliche Geliebte» durch Fabienne Welte.

Der Abend hat sich nicht aufs Anekdotische verlassen, sondern konfrontiert den Zuschauer – vielleicht ein klein wenig dozierend – mit einer konsequenten Ebene des Idealismus: Beethovens Denken und seine Musik, durch die wir ihn heute vielleicht als Freund erleben, der den Glauben an Ideale, an Kraft, die hinter dem rein Vordergründigem liegt, stärken könnte.

An die eigenen Grenzen gehen

Der rund fünfviertelstündige Abend hält Musik bereit, der viel Raum gegeben wird und die eine Stimmung fast der Andacht aufkommen lassen soll. Partien aus der 3. Sinfonie «Eroica», dem 4. Klavierkonzert oder der Klaviersonate op. 111 (die dem neuen Theater den Namen geliehen hat) geben die Möglichkeit, das sprachlich Gehörte mit den musikalischen Eindrücken abzugleichen. Der berühmte Pianist und Komponist Daniel Barenboim sagt: «Beethoven bleibt immer aktuell. Seine Musik handelt von der Ganzheit und der innersten Natur des Menschen, von der Notwendigkeit, an die eigenen Grenzen zu gehen.»

Durch einen ruhig und etwas linear inszenierten Mix aus Textpassagen und Musik schafft es Pierre Massaux mit seiner Truppe, Interesse am Komponisten zu wecken, das über das rein Biographische hinausgeht. Es ist kein spektakulärer Theaterabend, sondern einer, der vielleicht dazu einlädt, Musik wieder anders zu hören, nicht nur als Klangrausch, sondern als Botschaft, die auf tiefere Dimensionen der Daseinsfragen weisen.

Vorstellungen: Morgen Fr sowie 14., 17., 18., 19., 20. und 21.9., je 20.15 Uhr; 15. und 22.9., je 11 Uhr (Theater 111, Grossackerstr. 3); Karten: 071 220 17 45 oder info@solidaritaetsnetz.ch

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