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Wegen «Mein Kampf» ist der gute Ruf von Konstanz in Gefahr

Die Konstanzer «Mein Kampf»-Inszenierung vom Frühling hat ein politisches Nachspiel. Das Medienecho auf die Einlassregel «Mit Hakenkreuzbinde Gratiseintritt» habe der Stadt geschadet, so das Fazit einer Studie. Der Auftrag dazu kam vom Kulturbürgermeister.
Hansruedi Kugler
Abfalleimer für Hakenkreuze im Theater Konstanz. (Bild: Keystone)

Abfalleimer für Hakenkreuze im Theater Konstanz. (Bild: Keystone)

Es ist seit Jahren ein gehässiges Verhältnis zwischen Kulturbürgermeister Andreas Osner und Theaterintendant Christoph Nix. Am Mittwoch berichtete die Konstanzer Zeitung «Südkurier» von einer geheimen Studie, die Osner für 13000 Euro bei einer Hamburger Agentur in Auftrag gegeben hatte – und die zum Schluss kommt: Durch den «Skandal» und das Medienecho sei der Stadt Konstanz ein «nennenswerter Reputationsschaden» entstanden.

Skandal? Zumindest eine heftige Provokation hatte das Theater Konstanz in die Schlagzeilen der deutschsprachigen Presse auch in der Schweiz katapultiert. George Taboris vielfach gespielte Farce «Mein Kampf» um Adolf Hitler als jungen Wirrkopf konnte man sich im Theater Konstanz gratis anschauen, wenn man sich eine Hakenkreuzbinde an den Arm heften liess.

Mutprobe, ­Geschmacklosigkeit oder rabiate Aufforderung zur Reflexion über eigenen latenten Fremdenhass? Die Meinungen waren geteilt.

Kulturbürgermeister distanzierte sich

Der Konstanzer Kulturbürgermeister Andreas Osner jedoch war empört, gab seinem Abscheu in mehreren Interviews vor dem Theater Ausdruck und kehrte dem Theater demonstrativ den Rücken, indem er sich weigerte, die Premiere des Stücks anzu­sehen. Dass er eine Studie in ­Auftrag gab zur Auswirkung ­dieses «Skandals», wurde erst am Dienstag bekannt.

Die Hamburger Agentur hatte 1199 Beiträge in deutschsprachigen Medien gefunden, sie seien von einem ­«Experten für Krisenkommunikation» ausgewertet worden. In 13 Artikeln sei eine «direkte negative Zuweisung für die Stadt Konstanz» erfolgt, in 343 Artikeln habe das Theater in der Kritik gestanden, in 59 Artikeln sei das Theater gelobt worden.

Entscheidend sei, dass der «Tabubruch», die unangemessene Verwendung von Nazi-Emblemen, auf den Tabubrecher zurückfalle, also auf das Theater, so die Studie, die ausdrücklich den Kulturbürgermeister lobt. Dieser habe die Verantwortung der Stadt in seinen «64 Mal zitierten öffentlichen Distanzierungen» wahrgenommen.

Die nicht öffentliche Studie wird kommenden Dienstag im Konstanzer Stadtparlament diskutiert.

Nix kontert, Osner habe Konstanz geschadet

Theaterintendant Christoph Nix lässt die Kritik nicht auf sich sitzen. In einer aktuellen Stellungnahme kritisiert er den Kulturbürgermeister dafür, dass er 13 000 Euro ausgegeben habe, um eine Frage der Ehre eines Gemein­wesens zu klären. Eine solche sei juristisch ohnehin nicht haltbar. Nix schreibt:

«Ohne das Gutachten von Andreas Osner wäre Konstanz um 13 000 Euro reicher.»

Zudem habe es lediglich eine einzige Abokündigung aufgrund der «Mein Kampf»-­Inszenierung ­gegeben. Verärgert über Andreas Osners Vorgehen sind gemäss «Südkurier» auch alle Fraktionen im Stadtparlament.

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