Wegen Coronakrise: Der Thurgauer Kabarettist Thomas Götz verlagert «Ergötzliches» vom Theater ins Fernsehen

Kein Liveauftritt möglich? Macht nichts, Kabarettist Thomas Götz und Filmer Daniel Felix verlegen die Show vom Thurgauer Theaterhaus Weinfelden ins TV.

Julia Nehmiz
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Überzeugt auch Streaming-Gegner: Thomas Götz als Arnold Schnyder, Napoleon und Sabine Schnyder in «Ergötzliches trotzt Krise» auf Tele D.

Überzeugt auch Streaming-Gegner: Thomas Götz als Arnold Schnyder, Napoleon und Sabine Schnyder in «Ergötzliches trotzt Krise» auf Tele D.

Bild: Benjamin Manser

Sich einfach nur abfilmen und ins Internet stellen? Nein, das machen Thomas Götz und Filmer Daniel Felix nicht. Es gibt einen Grund, warum «Ergötzliches» im Thurgau seit Jahren Kultstatus geniesst.

Kabarettist Thomas Götz hält mit seinen Abenden seit 2012 dem Thurgau den Spiegel vor. Seine Figuren sind Kult, Nationalrat Arnold Schnyder, dessen Schwester Sabine Schnyder, (sie wurde neu in den Thurgauer Grossen Rat gewählt), und sowieso Napoleon. Dazu befragt Götz live für gewöhnlich ausgewählte Gäste. In Coronazeiten ist das alles etwas anders.

Wer sich bislang scheute, Theaterstreams im Netz anzuschauen, kann es jetzt guten Gewissens doch machen. Denn, nein, es ist kein abgefilmter Theaterabend. Götz und Felix nutzen die technischen Möglichkeiten, die sie schon bei den Live-Auftritten verwendeten, jetzt erst recht voll aus. Man fragt sich, warum sie nicht öfters Sendungen produzieren.

Hausabwart, Nationalrat, Grossrätin, Napoleon: Götz spielt alle

Es geht behäbig los. Thomas Götz sitzt im leeren Zuschauerraum im Theaterhaus Weinfelden. Wie eine TV-Ansagerin, die den folgenden Spielfilm erklärt, erläutert Götz, warum «Ergötzliches» diesmal auf dem kleinen Regionalsender Tele Diessenhofen ausgestrahlt wird. Doch die Show nimmt schnell an Fahrt auf und reiht Absurdität an Absurdität.

Es treten auf: Hausabwart Metzger, Nationalrat Schnyder, Grossrätin Schnyder, Napoleon, Journalist Mächler, Ökonom Strotz, der Präsident der Einbürgerungskommission, Einbürgerungskandidat Viśnič und natürlich Thomas Götz himself. Alle gespielt von, logisch: Thomas Götz.

Der Hausabwart stellt erstmal allen Zuschauerinnen und Zuschauern, weil sicher viele der TV-Zuschauer noch nie dort waren, das Theaterhaus vor. Mit Corona-Frisur (zu lange nicht beim Coiffeur gewesen) und herrlich brötig führt Herr Metzger durchs Theaterhaus, Fischer-Bettwaren-Werbung lässt grüssen.

Hausabwart Metzger erklärt, wie man sich im Theaterhaus Thurgau in Coronazeiten korrekt verhält.

Hausabwart Metzger erklärt, wie man sich im Theaterhaus Thurgau in Coronazeiten korrekt verhält.

Bild: Screenshot

Die Zuschauer treten ein, Nationalrat Schnyder, seine Schwester, Napoleon und so weiter – so sitzen schliesslich zehn Thomas Götze dem Thomas Götz gegenüber. Der erklärt das Bühnenbild des Stücks «Das Herz eines Boxers», das noch vom Theater Bilitz aufgebaut im Saal auf die nächste Vorstellung wartet, einfach zum Sicherheitskäfig, in dem er coronabedingt Platz nehmen müsse.

Schnyder, Napoleon und Götz in der Quarantäne-WG

Wie der Moderator einer Saturday-Night-Live-Show führt Götz durchs launige Programm. Nicht jeder Gag ist ein Knaller, doch sein Publikum klatscht begeistert und tritt auch mal selber auf. Absolute Höhepunkte sind die Filme aus der Quarantäne-WG: Götz, Schnyder, Schnyder und Napoleon streiten über WC-Papier und putzen Fenster.

Das Publikum im ausverkauften Theaterhaus auf Sicherheitsabstand: Zehn Thomas Götze sitzen dem echten Thomas Götz gegenüber.

Das Publikum im ausverkauften Theaterhaus auf Sicherheitsabstand: Zehn Thomas Götze sitzen dem echten Thomas Götz gegenüber.

Bild: Screenshot

Der Unterschied zu einer herkömmlichen «Ergötzliches»-Produktion? Es sei eine ganz andere Art zu arbeiten, sagte Thomas Götz vorab. «Die Abläufe sind viel intensiver und aufwendiger, wenn alles im Vorhinein fix im Kasten sein muss und kein Raum für Improvisationen bleibt.» Als Zuschauer vermisst man nichts. Wir ergötzen uns an Götz, Götz, Götz und Götz in Grossaufnahme. Thomas Götz kann nicht nur Bühne, sondern auch Bildschirm.

PS: Da «Ergötzliches» normalerweise aus den Ticketverkäufen finanziert wird, wie wir im Einbürgerungssketch erfahren, bittet Thomas Götz am Ende der Show um einen Obolus. Kollekte (keine Fresspakete) statt Eintritt, und er blendet kurz die Daten ein, die wir hier gerne auch veröffentlichen. Thomas Götz Eigenproduktion: CH83 0078 4012 8819 8200 1

«Ergötzliches trotzt Krise» auf tele-d.ch oder ergoetzliches.ch