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Ausstellung in Sachseln: Wege mit grossem Einfluss auf unsere Landschaft

Das Museum Bruder Klaus untersucht mit dem Verein Kulturlandschaft – Landschaft und Kultur in Obwalden, die Beziehung zwischen Wegen und Landschaft. Dabei treffen Kunst und Geschichte spannungsvoll aufeinander.
Romano Cuonz
Pierre-Philippe Hofmann mit einigen seiner 72 Monitoren, die einen Blick auf die Schweiz ermöglichen. Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 14. April 2019)

Pierre-Philippe Hofmann mit einigen seiner 72 Monitoren, die einen Blick auf die Schweiz ermöglichen. Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 14. April 2019)

«Wege prägen unsere Landschaft, und darüber, wo sie entlanggehen, wird debattiert und ausgehandelt – immer wieder», hält Carmen Kiser als Leiterin des Sachsler Museums Bruder Klaus fest. In ihrer neuen Sonderausstellung beleuchtet sie gleich vier faszinierende Perspektiven zum Thema «Wege».

Initiantin und Co-Kuratorin ist Marie-Cathérine Lienert, die Projektleiterin des Vereins Kulturlandschaft – Landschaft und Kultur Obwalden. Mit der facettenreichen Ausstellung verfolge man, so betont sie, ein klares Ziel: «Wir möchten möglichst viele Leute für die Bedeutung sensibilisieren, die einer intakten Landschaft zukommt.»

Alle Wege führen zur Älggialp

Von mehreren Grenzorten unseres Landes aus nähert sich der Künstler Pierre-Philippe Hofmann (ein Belgier mit Schweizer Wurzeln) über eigene Wege dem Mittelpunkt der Schweiz. Dieser befindet sich auf der Sachsler Älggialp. Im Verlauf von vier Jahren hat Hofmann unser Land zehnmal durchwandert: auf möglichst gerader Linie. Was ihm dabei begegnete – Walliser Kühe, Bündner Häuser, Industriebauten, Steinböcke genauso wie Kirchen, Wiesen oder Berge – hielt er, Kilometer für Kilometer, in einminütigen Kurzfilmen fest. «Dabei zeichnete er ein ‹Portrait of a Landscape›», schildert Carmen Kiser. Gewohntes würde gleichwertig wie Besonderes gezeigt. Klischees ebenso bestätigt wie hinterfragt.

Hofmann brachte insgesamt 2700 Kurzfilme mit. Sie alle spielt er nun ganz zufällig und doch berechnet auf 72 aufgereihten Monitoren ab. Wie sehr dieses Projekt faszinieren kann, dokumentiert eine ältere Besucherin: Sie war von den Filmen so hingerissen, dass sie – wie sie selber bekannte – gleich mehrere Stunden vor den Bildschirmen verbrachte.

«Oh miis liebs Obwaldnerländli»

Der gegenwärtig meistbefahrene Weg durch Obwalden ist die heutige A8. In den 1980er-Jahren sollte sie – damals als N8 – mit Viadukten in weitgehend offener Linienführung gebaut werden. Damit aber wäre die liebliche Landschaft, wie ein Dichter warnend schrieb, geradezu «durchgestrichen» worden! Unter dem Titel «Obacht-N8» blicken wir zurück auf seinerzeitige hitzige Debatten und Kämpfe. Lokale Künstler aller Sparten hatten landesweit für Aufsehen gesorgt. Dies, indem sie Kunst und Literatur kreierten. «O miis liebs Obwaldnerländli» lautete der Titel des Projekts. Die Originale wurden versteigert und mit dem Geld der breite Widerstand gegen das überrissene, landschaftszerstörende Bauprojekt unterstützt. Mit Erfolg übrigens: die A8 kam später in den Berg.

Die Sonderausstellung zeigt Pläne von damals, Flugblätter und Erinnerungen. Dazu mehrere wieder aufgespürte Werke des damaligen Kunstprojekts. Etwa «Diktat der Hyperindustrialisierung» von Franz Bucher, die Energieheiligen von Beda Durrer oder Adrian Hosslis «St. Asphalt». Ein Initiant von 1981 war der bekannte Bildhauer Kurt Sigrist. «Schlittenzeichen», eines seiner markanten Objekte, ist im Garten in voller Grösse zu sehen. Zwei Modelle befinden sich im Ausstellungsraum. Sigrist erklärt: «Mit Schlitten, auf denen ein Wald oder auch Berge waren, wollte ich aufzeigen, dass uns die Landschaft entgleiten könnte.» Übrigens: ein Schwerpunkt ist auch Sigrists bekannte Installation «Black Box». Sie hat im Museum Bruder Klaus ihren vorübergehenden Standort gefunden.

Der Künstler untersucht seit über dreissig Jahren ein Phänomen, das im ganzen Alpenraum bekannt und doch noch praktisch unerforscht ist. Nämlich: wie schnurgerade Linien Kirchen, Kapellen und markante Bergspitzen – gleich imaginären, spirituellen Wegen– miteinander verbinden. Sie spannen sich wie ein riesiges Netz über Obwalden hinaus bis weit ins Mittelland. Sigrists Installation visualisiert die seltsamen Kultlinien.

Wege als Rutschbahnen für Holz

Weit zurück blicken wir unten in den Kellerräumen. «Ein Grossteil der Bergwege im waldreichen Kanton wurde angelegt, um Holz zu ernten», erzählt Museumsleiterin Carmen Kiser. In der Tat: viele Strassen, die heute in Erholungsgebiete führen, dienten früher dazu, gefällte Bäume auf schmalen Schlittenwegen wie über Rutschbahnen ins Tal zu «reisten». Mit Bildern und leicht verständlichen Texten erzählt die Ausstellung farbig und anschaulich von abenteuerlichen Holzwegen. Was hier ganz einmalig ist: Mit symbolischen Wegweisern schlägt man einen Bogen zur Ausstellung von Christian Sigrist im kleinen Holzhaus neben dem Hauptgebäude. Sigrist hat den ländlichen Alltag – und in ihm auch das Holzen und Reisten – detailgetreu nachgebildet. Vier verschiedene Ausstellungsthemen und von einem zum andern – wie ein roter Faden – führende Wege: betrachtet unter zahlreichen Aspekten.

Sonderausstellung «Wege: Traversen. Einschnitte. Hinführungen.» Im Museum Bruder Klaus an der Dorfstrasse 4 in Sachseln, Dauer: bis 1. November 2019. Infos zum Rahmenprogramm und zu den Öffnungszeiten unter: www.museumbruderklaus.ch

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