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«Back to Black» bei steffenschöni: Wasserabweisend und Zeit verdichtend

Das Thurgauer Künstlerduo Heidi Schöni und Karl Steffen überrascht in der Ausstellung «Back to Black» in Eschlikon mit Bitumen als Ausgangmaterial für Skulpturen und Videoarbeiten. Wasserbilder von Heidi Schöni kontrastieren die schwarze Masse.
Martin Preisser
Das Künstlerpaar Heidi Schöni und Karl Steffen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Künstlerpaar Heidi Schöni und Karl Steffen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Schon die hängenden Gärten von Babylon sollen mit wasserabweisendem Bitumen abgedichtet gewesen sein. Pix tumens heisst Bitumen auf Lateinisch, was der Wikipedia-Artikel mit «ausschwitzendem Pech» übersetzt. Für Kunst ist dieser aus aufgearbeitetem Erdöl hergestellte und auch in der Natur selbst vorkommende Stoff ein recht ungewöhnliches Ausgangsmaterial. Aber es eignet sich für Skulpturen und Videoarbeiten. Das beweist der interessante Umgang des im thurgauischen Schmidshof lebenden Künstlerduos steffenschöni mit dieser tiefschwarzen Masse.

Das Ungenaue, das Ungewollte

Heidi Schöni und Karl Steffen, die sich auch mit dem Abformen von Objekten, von Monitoren über Fotoapparate bis hin zu Büchern, eine eigene künstlerische Handschrift erarbeitet haben, formen jetzt Holzscheite mit Ton ab und giessen die neuen Formen mit Bitumen wieder auf. Ihre Bitumen-Torsi präsentieren sie in der Eschlikoner Galerie Widmer & Theodoridis auf Tischen mit Rädern, die an Laborsituationen oder gar an Gerichtsmedizin erinnern.

Die schwarzen Skulpturen zeigen nicht einfach 1:1-Abgüsse, sondern auch die Brechungen des Tons, das Ungenaue, das Ungewollte beim Entstehen der Skulptur selbst. Das schliesst Lehmreste, kleine übrig gebliebene Holzrindenteile oder winzige Moosflächen mit ein.

Stille Fliessgeschwindigkeit untersuchen

Die Bitumen-Scheite rufen Assoziationen an Archaisches hervor; der schwarze Stoff erinnert an Millionen Jahre verdichteter Erdgeschichte, an Fossiles, aber auch an Verkohltes, Verbranntes, aus Naturkatastrophen Zurückgebliebenes.

In vergangenen Arbeiten hat das Duo steffenschöni auch Böden untersucht, Archäologie von Alltagsgeständen betrieben, oft mit einem weiteren Markenzeichen, ihren kleinen Überwachungskameras. Eine solche Kamera ist jetzt auch auf eine Bitumenskulptur gerichtet. Und drei Bildschirme «zeigen», zeitlich natürlich extrem gerafft, die unmerkliche Fliessgeschwindigkeit von Bitumen. Starre, beständige Masse, die Festes, Stabiles, Endgültiges symbolisiert, verweist so auch auf langsame Bewegung und Veränderung. Verdichtete Zeit und vergehende Zeit sind die stillen künstlerischen Aussagen hinter den Bitumen-Experimenten, die nicht zuletzt die Farbe Schwarz in ihrer Intensität und sinnlichen Ästhetik unterstreichen. Die Bitumen-Arbeiten sind geheimnisvolle, deutlich in die Reduktion gehende Arbeiten des Künstlerpaares.

Wasserfallserie "Iguazu" von Heidi Schöni

Reduktion herrscht auch in fünf grossformatigen Malereien von Heidi Schöni, die mit der Wasserfallserie «Iguazu» einnehmend zur Malerei zurückfindet, welche sie immer begleitet hat, jetzt aber wieder stärkeres Gewicht bekommt. Heidi Schöni bildet die berühmten Wasserfälle an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien nicht ab, sondern lässt sich von der tosender Naturgewalt anregen, nicht das Fliessen von Farbe, sondern ihr Fallen zu zeigen.

Heidi Schöni zeigt dieses Fallen von Material, indem sie aus einer im oberen Bildbereich angedeuteten Horizontalen Farbe in die Vertikale stürzen lässt. Und zeigt dabei Wasser als kraftvoll elementare Bewegung, von der Leben abhängt.

Bitumenskulpturen und Malerei: In beiden Bereichen geht es um den Kippzustand von angehaltener und fliessender Bewegung. Mit den Malereien bildet Weiss einen Kontrapunkt zur tiefschwarzen Masse der Bitumen-Ideen.

Bis 17. 12., Galerie Widmer & Theodoridis, Fallackerstr. 6, Eschlikon; Mi, Do, Fr: 14-18, Sa: 11-16 Uhr

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