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Was von der Performance übrig bleibt

Der Kunstraum Kreuzlingen widmet sich der Performance-Kunst und lädt zum Mitmachen ein. Denn es liegt ein ganzes Buch mit Anleitungen bereit. Durch sie wird Einmaliges wiederholbar. Denn oft werden Performances minutiös geplant. Allerdings: Nicht alles in der Ausstellung ist zur Nachahmung empfohlen.
Florian Weiland
Christoph Rütimann und sein Kaktus. (Bild: pd)

Christoph Rütimann und sein Kaktus. (Bild: pd)

KREUZLINGEN. Neun Zeichnungen hängen an der Wand. Feine, weisse Striche auf schwarzem Hintergrund. Mal ganz grazil, dann zu wilden Knäueln verdichtet. Wie sind diese Zeichnungen entstanden? Wer die Performance von Christoph Rütimann am Freitagabend versäumt hat, kann nur spekulieren. Einen Hinweis gibt der Kaktus, der vor den Zeichnungen aufgebaut ist und über dem ein Mikrophon hängt. Der in Müllheim lebende Künstler hat Papier über die Stacheln des Kaktus gestrichen und die Wüstenpflanze zum Klingen gebracht.

Wie bereitet man sich vor?

Es ist erstaunlich, welch unterschiedliche Geräusche auf diese Art erzeugt werden können. Doch die Töne sind verklungen, die Zeichnungen sind geblieben.

Die Performance-Kunst ist ein einmaliges Erlebnis, das man live erleben muss. Doch was bleibt, wenn die Aufführung beendet ist? Und wie bereitet man sich im Vorfeld auf eine Performance vor? Kurzgefasst: Wie (be-)schreibt man eine Performance?

Wie eine Jazzimprovisation

Um genau diese Fragen dreht sich die Ausstellung im Kunstraum Kreuzlingen. Requisiten und Skripte für zukünftige Performances stehen bereit, ebenso sind die Resultate beziehungsweise Relikte bereits umgesetzter Performances zu sehen.

Viele Performances leben aus der Spontaneität. Der Vergleich mit einer Jazzimprovisation liegt nahe und ist Grundlage der Arbeit von Petra Koehle und Nicolas Vermot-Petit-Outhenin. Die Improvisation wurde aufgenommen und die Musik später in eine Partitur verwandelt, womit etwas Einmaliges wiederholbar wird. Andere Performances werden minutiös geplant. Sie folgen Drehbüchern, in denen das kleinste Detail festgelegt ist.

Esther Ferrer hat ein ganzes Buch mit Anleitungen für mögliche Performances veröffentlicht. Die Ausstellungsbesucher sind eingeladen, diese umzusetzen und damit selbst Teil eines Kunstwerks zu werden. Eine Erfahrung, die man unbedingt einmal machen sollte.

Essen inbegriffen

Kuratorin Sibylle Omlin gibt die nötige Anleitung und verwöhnt die Besucher zudem mit einem Essen. Denn auch Kochen ist Kunst. Vor allem aber hofft sie, durch das gemeinsame Essen mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Die Ausstellung ist ein Experiment. Es gibt Hintergründiges wie Gernot Wielands Diagramm, das unter anderem den Zusammenhang von Familie und Kannibalismus veranschaulicht, aber auch eher harmlose Spielereien. Marion Ritzmann etwa lädt dazu ein, bewegliche Objekte durch den Raum zu ziehen, an denen Kreide befestigt ist, so dass eine Bodenzeichnung entsteht. Ungleich spannender sind die Schriftbilder der Künstlerin.

Gesprächsstoff dürften nicht nur die Performances liefern, die für die nächsten Wochenenden von David Bonin und Dorothea Rust geplant sind, sondern auch die ausgestellten Skripte. Davor hat Ljubicic ein makabres Spiel angedacht. Zwei Männer halten sich ein Messer an die Kehle. Eine grossformatige Skizze zeigt, wie die Inszenierung aussehen soll. Am Bildrand ist die Handlungsanweisung notiert. Vielleicht sollte man froh sein, dass nicht jede Performance auch realisiert wird.

• Performance Schreiben, Kunstraum Kreuzlingen; Fr 15–20, Sa/So 13–17 Uhr; bis 1.5. • Performance David Bonvin: Sa, 23.4., 14–15 Uhr • Performance Dorothea Rust: Sa, 30.4., 16.30 Uhr • Essen, schauen, reden mit Sibylle Omlin: Fr, 22./29.4., 19 Uhr; Sa, 23./30.4., 13 Uhr; So, 24.4., 13 Uhr www.kunstraum-kreuzlingen.ch

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