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Ausstellung im akku Emmen: Das visuelle Potential von Musikzubehör

Luigi Archetti verbindet bildende Kunst und Musik zu poetisch vielstimmigen Werken. Im akku Emmen eröffnet er das Ausstellungsjahr 2019 unter anderem mit einer neuen Rauminstallation, die von Albrecht Dürer inspiriert ist.
Deborah Keller
«Stereo» (Luigi Archetti, 2018) mit Holzkugeln und Gitarrenkabel. (Bild: PD)

«Stereo» (Luigi Archetti, 2018) mit Holzkugeln und Gitarrenkabel. (Bild: PD)

Die Kunstplattform akku geht 2019 in ihr zehntes Betriebsjahr und macht sich zu diesem Anlass sozusagen ein Geschenk: Die erste Ausstellung der Saison wird vom Zürcher Künstler Luigi Archetti realisiert. Der 63-jährige gebürtige Italiener hat sich nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch als experimenteller Musiker einen Namen gemacht. Seit den 1990er-Jahren ist er zudem bekannt dafür, dass sich in seinem Tun beide Ansätze gegenseitig befruchten.

In Archettis Zeichnungen, Malereien und Installationen wird musikalisches Equipment oft zum Gestaltungselement und grafische Bildfindungen ergeben visuelle Klänge. Manchmal wird die alltägliche Umgebung «tonangebend», etwa wenn E-Gitarren über den Boden gezogen oder repetitiv gegen Objekte gestossen und so in Schwingung versetzt werden.

Bereits 2015 hatte Archetti in Luzern einen grösseren Auftritt. Damals orchestrierte er für die Kunsthalle die Geräuschkulisse antarktischer Gletschermassen mit dem Brummen von Schiffsmotoren, Walgesängen und weiteren Klängen zu einer Sinfonie, in der natürliche und menschgemachte Evolutionen ungewohnt harmonierten.

Ein Dürer-Stich wird zur Installation

Im akku zeigt sich der Künstler nun mit einer Reihe von neuen Werken, darunter einer zentralen Rauminstallation, die von keinem anderen als vom Renaissance-Meister Albrecht Dürer inspiriert ist. Man begegnet also beim Treppenaufgang zur Ausstellung zunächst einem Dürer-Stich von 1525. Er veranschaulicht, wie man mit einem aufwendig anmutenden Arrangement aus einem Holzrahmen, einer Schnur, einem Lot und einer klappbaren Leinwand ein perspektivisch komplexes Objekt wie eine Laute zeichnerisch abbilden kann.

Natürlich interessiert sich Archetti für diese Koppelung von Bildhaftigkeit und Klangkörper. Und erstaunlich unmittelbar hat er die Elemente der historischen Vorlage für seine räumliche Inszenierung übernommen, wobei es ein Charakteristikum seiner Kunst ist, dass sie Erzählerisches neben Abstraktem nicht scheut: Auch bei Archetti gibt es Seile, ein Lot, einen Rahmen und ein Instrument. Allerdings spielt bei ihm die E-Gitarre die Hauptrolle und führen die von ihr wegstrebenden Kabel nicht zu einem Abbild ihrer selbst, sondern zu einer möglichen Darstellung musikalischer Schwingungen: Drei unterschiedliche, schwarz-weisse Rasterungen erzeugen auf drei U-förmig positionierten Wandelementen irritierende visuelle Effekte, wie man sie aus der Op-Art der 1960er kennt. Man kann sich vorstellen, dass der wummernde Sound, den die insgesamt drei E-Gitarren der Installation permanent von sich geben, so aussieht.

Dieser dröhnende Klangteppich, das «Ständchen» zum akku-Jubiläum, verändert sich im «Resonanzkörper» des Ausstellungsraums, je nachdem, wo man sich auf dem Rundgang gerade befindet, bleibt aber immer nah am Störgeräusch, innerhalb dessen das Ohr nur schwer Orientierung findet. Nicht Wohlklang, sondern die klangliche Grundmaterie wird erforscht.

Trommeln fungieren als Druckplatten

Das Auge wird indes in den meist schwarz-weiss gehaltenen Werken immer wieder von Linien geführt und von Punkten und Kreisen aufgefangen: Für eine neue Serie von Papierarbeiten etwa nutzte Archetti Felle von Snare-Drums (zentrale Trommel eines Schlagzeug-Sets) quasi als Druckplatten. Deren runde Abbilder breiten sich fast tänzerisch über die grossformatigen Blätter aus und formieren sich zu einer vermeintlichen, mysteriösen Notation.

Die Felle einer Pauke werden zu Comicaugen. (Bild: PD)

Die Felle einer Pauke werden zu Comicaugen. (Bild: PD)

An anderer Stelle werden die Felle einer Pauke zu drolligen Comicaugen, die ihr Gegenüber anschauen oder in ein Mikrofon singen und die – wie Archettis eigener verschmitzter Blick – vom Humor des Künstlers zeugen.

Zentral ist eine intime Kabinett­situation eingerichtet, in der Archetti seine besonders einnehmende Zeichnungsserie «Partituren (Songs)» zeigt. Satzfetzen aus Pop- und Rocksongs sind auf A4-Blätter gedruckt und von geometrischen Zeichnungen überlagert. Das Ganze wirkt nur streng, bis eine der Wortfolgen eine bekannte Melodie im Kopf anstimmt. Oder bis man sich die filigranen, an Dürers Stich erinnernden Tuschelinien aus der Nähe anschaut und eine Ahnung gewinnt von den künstlerischen Entscheiden, die beim konzentriert meditativen Zeichnen getroffen wurden. Es ist ein vielstimmiges Ausstellungserlebnis, das das Auge, Ohr und den Geist gleichermassen anspricht.

«Luigi Archetti: Songs», akku Emmenbrücke, bis 24. März. Infos: www.akku-emmen.ch: «Drones and Drinks»: Sound Performance von Luigi Archetti und Bo Wiget, Mittwoch, 13. Februar.

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