Was in Kurt Cobains Kopf vorging

Kurt Cobain schrieb nicht nur Songs, sondern auch unzählige persönliche Texte. Ab heute gibt die szenische Lesung «I Hate Myself And I Want To Die» am Theater Konstanz einen Einblick in die Gedanken des jung verstorbenen Musikers. Dabei treten auch seine weniger bekannten Seiten zutage.

Roger Berhalter
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KONSTANZ. Er war Superstar, Millionär und das Sprachrohr einer ganzen Generation. Gleichzeitig war er heroinsüchtig, depressiv und selbstzerstörerisch. Kurt Cobain, Sänger von Nirvana, war eine schillernde Figur. «Es ist interessant, so jemandem zuzuhören», sagt Stefan Eberle vom Theater Konstanz. Aus all den Texten Cobains hätte er einen «Fünf-Stunden-Monolog» machen können, sagt der 34jährige Regisseur. «Cobain hat gesprudelt vor Ideen und viel geschrieben, auf Schmierzetteln, in Tagebüchern. Alles in Ich-Perspektive, ein sehr theatraler Stoff.» Deshalb lag es für Eberle nahe, den Textfluss in Theaterform zu giessen. Heute feiert das Stück «I Hate Myself And I Want To Die» am Theater Konstanz Premiere.

«Ich will hier weg»

Die zwei Schauspielerinnen Friederike Pöschel und Julia Alice Ludwig werden auf der Bühne in Proberaum-Atmosphäre Texte der Grunge-Ikone vorlesen und auch Songs singen. Doch soll es gerade nicht um die bekannten Zeilen aus «Smells Like Teen Spirit» oder «Come As You Are» gehen. Die zwei Schauspielerinnen werden vielmehr autobiographische Prosatexte von Cobain vortragen. Texte, die von seiner Zerrissenheit und seinem Selbsthass erzählen. «Da spricht einer, der trotz Millionen auf dem Konto sagt: Ich will hier weg, ich find das Leben Scheisse», sagt Eberle.

Hoffnung liegt in der Luft

Doch ein deprimierender Theaterabend soll es nicht werden. «Klar, man wird sich nicht auf die Schenkel klopfen vor Lachen», sagt der Regisseur. Doch liege bei Cobain ständig auch Hoffnung in der Luft und der Glaube daran, «dass es doch noch gut werden könnte». «I Hate Myself And I Want To Die» verspricht einen Einblick in die Gedankenwelt des Künstlers Cobain. «Was ging im Kopf dieses Menschen vor, der eine ganze Generation veränderte?», sagt Eberle, der auch selber stark von Cobain beeinflusst wurde.

Es soll ein Theaterabend voller Ironie, Sarkasmus und Wut werden, und auch weniger bekannte Seiten des Musikers werden zutage treten. Zum Beispiel war Kurt Cobain laut Eberle auch Feminist: «Er sagte einmal: <Ich wünschte, dass die Frauen die Welt regierten.> Er war klar auf der Seite der Frauen.»

Premiere heute Fr, 6.2., 20 Uhr, Theater Konstanz, Werkstatt; weitere Vorstellungen folgen. www.theaterkonstanz.de

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