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Die Oper im Festspielhaus Bregenz:
Was für Helden sind das denn?

Jules Massenets Oper «Don Quichotte» erfährt an den Bregenzer Festspielen eine lustvoll heutige Deutung.
Rolf App
Mit Witz und Verve erkundet die Regie die Dimensionen des Mannseins. Bild: Karl Forster/Bregenzer Festspiele

Mit Witz und Verve erkundet die Regie die Dimensionen des Mannseins. Bild: Karl Forster/Bregenzer Festspiele

Mit der bekannten Gillette-Werbung fängt der Abend an. Mit diesen Buben, die jenseits altbekannter Männerklischees aufwachsen sollen. Und geht es weiter mit diesem Herrn, der aus dem Publikum nach vorne geht und ziemlich wirres Zeug redet. So ungefähr: Männer müssten Männer bleiben. Bis ein erster Don Quichotte auftaucht, und sich, zur wunderbaren Musik von Jules Massenet, die erste Szene entfaltet, mit viel Volk, mit Sancho Pansa, mit Don Quichotte, und mit allerlei Herren in pittoresken Kostümen, die auch noch um die Schöne werben, mit Worten und mit dem Degen.

Schön, da treiben die Regisseurin Mariame Clément und die Ausstatterin Julia Hansen ihr lustvolles Spiel mit unseren Männerbildern, die sie in vielen Details und auch in ganzen Szenen karikieren. Dann etwa, wenn Don Quichotte sich im modernen Badezimmer rasiert, und sich der Ventilator zur bedrohlichen Windmühle auswächst, die es mit dem WC-Besen zu bekämpfen gilt. Mit Witz und Verve - und einem ganz anderen Bühnenbild in jedem Akt - erkunden sie die Dimensionen des Mannseins, niemals bierernst, aber im zunehmend begeisterten Publikum doch vielerlei Gedanken anstossend.

Massenets Musik kommt wundervoll zur Geltung

Dass dieser ganz unkonventionelle, aber sehr durchdachte Zugriff so rasch zündet, das hat auch mit den Darstellern zu tun. Mit dem Spitzenduo Gábor Bretz und David Stout als Don Quichotte und Sancho Pansa und ihren im Verlauf des Abend immer eindringlicheren Spitzenstimmen, mit Anna Goryachova als Dulcinée, die in all dem Umworbensein doch eine bedrückende Einsamkeit ausstrahlt, mit Léonie Renaud und Vera Maria Bitter als Pedro und Garcias, mit Paul Schweinester und Patrik Reiter als Rodriguez und Juan.

Und es hat mit den Wiener Symphonikern zu tun, die unter der Leitung von Daniel Cohen Massenets Musik in ihren vielen zart schillernden Farben ganz wundervoll zur Geltung bringen. Sie machen zuletzt deutlich, wie viel dieser oft als Komponist von «Frauenmusik» ein wenig belächelte Franzose in diesem späten, eher selten gespielten Werk zu einem durchaus Gefühls-geleiteten Nachdenken über männliche Identitäten beizutragen hat. «We could be Heroes» steht als Graffitto über einem düsteren Durchgang, in dem Don Quichotte im dritten Akt in blutrotem Batman-artigem Outfit einer coolen Jugendbande gegenüber tritt - und sie mit innigem, nur von einer Orgel begleiteten Gesang zu Tränen rührt. Ja, wir könnten Helden sein. Moderne Helden, keine antiquierten. Nur was für welche?

Nur der alte Don Quichotte stirbt

Dulcinée ist sich da auch nicht so ganz sicher. Sie weiss nur: Die blassen Schleimer, denen sie als Chefin in der Bürolandschaft des vierten Akts begegnet, sind es ganz gewiss nicht. Sie, eine junge, moderne Frau, wünscht sich ein Gegenüber, das sich ihr nicht willfährig zu Füssen wirft. In welche Richtung das gehen könnte, das beschreibt der immer stärker in den Vordergrund tretende Sancho Pansa, wenn er über seinen Herrn singt, der ihn oft genug befremdet mit seinen schrulligen Abenteuern. Der aber ganz einzigartig ist in seiner Hingabe an ein Ziel. So stirbt Don Quichotte zwar in einer bewegenden letzten Szene. Doch stirbt dabei nur sein altes Ego. Ein neues, jüngeres aber wird geboren.

Hinweis

Nochmals 21. und 29.7., Festspielhaus Bregenz

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