Was der Buchpreis den Autoren nützt

Mit den 30 000 Franken Preissumme ist die Geschichte noch nicht zu Ende geschrieben: Die Siegerin Monique Schwitter darf für ihren Roman «Eins im Andern» auf einen kräftigen zweiten Verkaufsschub hoffen.

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Mit den 30 000 Franken Preissumme ist die Geschichte noch nicht zu Ende geschrieben: Die Siegerin Monique Schwitter darf für ihren Roman «Eins im Andern» auf einen kräftigen zweiten Verkaufsschub hoffen. Das letztjährige Gewinnerbuch «Koala» von Lukas Bärfuss sprang nach der Preisverkündung auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste. In der Folge schaffte es «Koala» gar auf Rang 6 der bestverkauften Belletristik-Titel des Jahres. Erreicht der Preis also das Ziel, mit dem er vor acht Jahren ins Leben gerufen wurde? Schafft er es, nicht nur den Autor zu fördern, sondern den Umsatz der Branche anzukurbeln? Diese gibt sich überzeugt.

Einziger Preis, den Handel merkt

Der Siegertitel gelange fast immer auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerlisten und bleibe auch länger in den vordersten Rängen, sagt Dani Landolf vom Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband, der den Preis zusammen mit dem Verein Literatur Basel ausrichtet. Allein die Nominierung auf der Shortlist befördere manchmal einen Titel unter die Top Ten. Der Fischer Verlag, der Ruth Schweikerts nominierten Roman «Wie wir älter werden» publiziert hat, bestätigt einen «leichten Aufwärtstrend» bei den Bestellungen nach der Nominierung. Matthias Burki vom Schweizer Verlag «Der gesunde Menschenversand» mit bisher zwei nominierten Titeln betont, der Schweizer Buchpreis sei der einzige Schweizer Preis, den man im Handel merke. «Ein paar Hundert» würden die Mehrverkäufe allein durch die Nominierung ausmachen. Beim diesjährigen Schweizer Buchpreis war die Wirkung allerdings gering: Von den nominierten Büchern hat es nach Bekanntgabe der Shortlist keines in die Top 20 geschafft.

Vorbild Deutscher Buchpreis

Vorbild für den Schweizer Buchpreis ist der Deutsche Buchpreis, der jeweils am Vorabend der Frankfurter Buchmesse vergeben wird. Wie dieser ist der Schweizer Preis mit dem Branchenverband verzahnt und auf den Verkaufsschub ausgerichtet. Aufmerksamkeit verschafft die zweistufige Preisverleihung mit der Shortlist und der oscarmässig inszenierten Bekanntgabe des Siegers, die medial ausgeschlachtet werden kann. Sie erleichtert die Kommunikation, auch in Deutschland und Österreich. So gehen die Nominierten über die Landesgrenze hinaus auf Lesetour, in diesem Jahr erstmals gar mit einem Auftritt auf dem Blauen Sofa der Frankfurter Buchmesse.

Bekanntheit entscheidet

Da sich die Branche mit der Bekanntgabe von absoluten Zahlen bedeckt hält, lassen sich allerdings nur verkaufsfördernde Tendenzen festmachen. Das Renommée eines Autors sei unter anderem von Belang, sagte der Buchhändler Jens Stocker bei der diesjährigen Verleihung am Sonntag: Bekannte Namen verkauften sich leichter. Und preisgekrönten Debütanten rate er, «so schnell wie möglich ein zweites Buch hinterher zu schieben». Auch die Zugänglichkeit der nominierten Romane spielt eine Rolle: Ist das Gewinnerbuch zu wenig mehrheitsfähig, kommt es gar nicht erst auf Platz 1 und kann sich auch nicht lange in den vorderen Rängen halten. So könnte es 2009 bei Ilma Rakusa gewesen sein. Oder 2013 bei Jens Steiner. (sda)