Was das Theater soll

Die Geschichte spielt in München, also geht sie uns eigentlich gar nichts an. Doch gibt sie eine Antwort auf die Frage, wozu Theater gut ist – und wozu nicht. Das wiederum macht diese Geschichte wichtig auch für St. Gallen, Konstanz, Winterthur oder Schaan.

Rolf App
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Bild: Rolf App

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Die Geschichte spielt in München, also geht sie uns eigentlich gar nichts an. Doch gibt sie eine Antwort auf die Frage, wozu Theater gut ist – und wozu nicht. Das wiederum macht diese Geschichte wichtig auch für St. Gallen, Konstanz, Winterthur oder Schaan.

An den Münchner Kammerspielen musste vor kurzem eine Inszenierung des Stücks «Plattform/Unterwerfung» nach den Romanen von Michel Houellebecq abgesagt werden, weil, wie es hiess, der junge französische Regisseur in den Proben gescheitert und dann wortlos abgetaucht sei. Er hinterliess einen Brief, den die «Süddeutsche Zeitung» jetzt öffentlich macht. Man habe von ihm verlangt, unter allen Umständen zu produzieren, schreibt Julien Gosselin da. «Man hat mit mir über Politik gesprochen, über Sinn. Man hat mir gesagt, dass es darum gehe, eine Botschaft rüberzubringen.» Er aber strebe nicht nach Botschaften, sondern nach Ästhetiken, nach Welten und Menschen. «Etwas, was ausserhalb eines Sinns liegt. Ausserhalb einer Politik. Ausserhalb einer Botschaft. Etwas, was Schönheit ist.»

Schönheit: Was jene Abonnenten, die jetzt in grösserer Zahl kündigen, in diesem «Pipifax-Theater mit dem Anspruch, erklärend, belehrend und gerne auch migrationshintergründig sozial, global und politisch korrekt zu sein» («Süddeutsche»), vermissen, das ist, dass sie ergriffen werden. Berührt von den Menschen, die auf der Bühne stehen – und von denen in München einige gerade gekündigt haben.