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Grosses Schauspielerkino:
Warum sterben, wofür leben?

Diese Literaturverfilmung kann tatsächlich mit der Vorlage mithalten: Für «The Children Act» hat ­ Ian McEwan seinen Roman verdichtet. Das Übrige übernehmen die glänzenden Schauspieler.
Regina Grüter
Adam sucht nach seiner Genesung Nähe und Orientierungshilfe bei Richterin Maye, die ihm das Leben gerettet hat. (Bild: Ascot Elite)

Adam sucht nach seiner Genesung Nähe und Orientierungshilfe bei Richterin Maye, die ihm das Leben gerettet hat. (Bild: Ascot Elite)

Fiona Maye (Emma Thompson) brütet auf der Chaiselongue sitzend über Akten, die auf dem ­Boden verstreut sind. Sie bereitet sich auf die Verhandlungen des nächsten Tages vor; feilt an ihrer Urteilsverkündung im Fall siamesischer Zwillinge, von denen der eine, Mark, nur überleben kann, wenn man sie vonein­ander trennt. Für den anderen, ­Matthew, würde das den sicheren Tod bedeuten. Das Medieninteresse ist gross. Die Eltern sind gegen eine Trennung ihrer Söhne, beide würden sterben.

Während die Familienrichterin am Londoner High Court in ihre Arbeit vertieft dasitzt, kommt ihr Mann Jack (Stanley Tucci) ins Wohnzimmer, um sich einen weiteren Single Malt einzuschenken. Und um ihr zu eröffnen, dass er im Sinn habe, eine Affäre anzufangen. Seit elf Monaten hätten sie nicht mehr miteinander geschlafen.

Emma Thompson füllt ihre Figur mit feinen Nuancen

Die erste Szene von «The Children Act» ist, auf das Wesentliche reduziert, fast exakt wie in Ian McEwans gleichnamigem Roman. Das Drehbuch zum Film verfasste der englische Autor selber – wie auch für «On Chesil Beach», der Anfang Sommer in unseren Kinos lief. McEwan ist zweifelsohne einer der grössten zeitgenössischen Schriftsteller Englands und einer wie gemacht fürs Kino: Mit wenigen Worten skizziert er seine Figuren, ihre Umgebung und (Liebes-)Beziehungen. Immer auch geht es um Gesellschaftsfragen und Moralvorstellungen.

In «The Children Act» ist es ein kinderloses Akademikerpaar um die sechzig, von denen sich der eine Ehepartner immer mehr in die Arbeit zurückgezogen hat – es fällt ihr schwer, über ihre Bedürfnisse und Gefühle zu sprechen.

Emma Thompson zeigt als Fiona Maye natürliche Autorität, Empathie, Angst, Wut und Verzweiflung. (Bild: Ascot Elite)

Emma Thompson zeigt als Fiona Maye natürliche Autorität, Empathie, Angst, Wut und Verzweiflung. (Bild: Ascot Elite)

Parallel dazu stellt McEwan einen gerichtlichen Eilfall, mit dem Fiona Maye zusätzlich noch an jenem Abend konfrontiert wird, als sie ihre Ehe auseinanderbrechen sieht: Der siebzehnjährige Adam leidet an einer seltenen Form von Leukämie, deren Behandlung Bluttransfusionen nötig macht. Die Eltern und der betroffene Sohn verweigern dies mit Verweis auf ihre Glaubensgrundsätze als Zeugen Jehovas. Ihnen sei es verboten, ihr Blut mit anderem zu vermischen. Die Entscheidung liegt bei Maye; sie richtet über Leben und Tod, was sie zu einem unorthodoxen Vorgehen verleitet: Sie stattet dem jungen Mann einen Besuch ab.

«Göttliche Distanz, teuflische Klugheit, und dabei immer schön.»

So beschreibt der Lordoberrichter Fiona Maye im Buch. Darin, dass für die Rolle der Fiona nur eine in Frage kam, waren sich Regisseur, Altmeister Richard Eyre («Iris», «Notes On A Scandal»), und der Drehbuchautor einig. Emma Thompson füllt ihre Figur mit feinen Nuancen in ihrem Spiel mit natürlicher Autorität, Empathie, mit Angst, Wut und Verzweiflung. Jack und Adam haben sie aus der Bahn geworfen – was sie nach aussen tunlichst zu verbergen sucht.

Film fängt etwas typisch Englisches ein

Bei McEwan entwickelt man immer ein Verständnis für alle seine Charaktere. Stanley Tucci lässt als Jack hinter seiner forschen Art Liebe und Enttäuschung erkennen, und Newcomer Fionn Whitehead («Dunkirk») als Adam eine frische Unschuld und natürliche Wärme.

«The Children Act» ist grosses Schauspielkino, zurückhaltend inszeniert, wobei Ian Mc­Ewan die Essenz der Geschichte in idealer Weise herausgeschält hat. Darüber hinaus bekommt man ein anderes London zu sehen als üblich: die Skyline; die verwinkelte Juristenresidenz Gray’s Inn. Der Film hat tatsächlich etwas typisch Englisches eingefangen.

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