Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Video

Das Luzerner Theater auf dem Schiff: Warum nicht Geister umarmen?

Mit einer Schiffrundfahrt in Dämmerung und Dunkelheit wurde die erste Sprechtheatersaison unter der neuen Schauspielleitung eröffnet. Eine Ausfahrt aus eingefahrenen «Seegewohnheiten».
Julia Stephan
Das verlassene Seehotel St. Niklausen wird in «Traumland» zur Kulisse für Geisterwesen aus der Unterwelt. (Bilder: Ingo Höhn / LT, 8. September 2018)

Das verlassene Seehotel St. Niklausen wird in «Traumland» zur Kulisse für Geisterwesen aus der Unterwelt. (Bilder: Ingo Höhn / LT, 8. September 2018)

Ausgerechnete einen Schwan, dieses Symboltier der Liebe, hat die Panorama-Jacht Saphir am Samstagabend beim Ablegen vom KKL fast über den Haufen gefahren. Die Notlage des Tiers – ein Nebenschauplatz. Kaum einer der 100 Passagiere dürfte mitbekommen haben, wie es flügelschlagend dem Kurs des Schiffes auszuweichen versuchte. Der Vorfall trug dazu bei, dass der Rezensentin bei der Hafenausfahrt das Licht am KKL noch kälter erschien, sich die Museggtürme wie bedrohliche Schatten am Himmel abzeichneten. Den Rest an Gemütlichkeit erledigte dann die Basler Komponistin Xenia Wiener im Innenraum mit Walgesängen und Sonargeräuschen.

Schifffahrt ins Reich der Toten

Der «sterbende Schwan» war kein makabrer Regieeinfall des künftig öfters in Luzern anzutreffenden ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó. Obwohl dieser für sein düsteres Filmdrama «White God» schon Hunde aus Tierheimen abrichten liess. Dennoch zielte diese Zufallskollision direkt ins Herz der ersten Schauspielinszenierung «Traumland» des Luzerner Theaters unter der neuen Leiterin Sandra Küpper.

Auf einer achtzigminütigen Schiffsrundfahrt auf dem Vierwaldstättersee durch Dämmerung und Dunkelheit führt sie von den Lebendigen zu den Toten und lässt zwei Menschen schicksalhaft miteinander kollidieren: Da ist Tina (Kata Wéber), anfangs zwanzig, ungekämmt, ungeschminkt, unentspannt. Nach einer Zugentgleisung – das lokale Publikum wird sich sofort an das Unglück unter der Langensandbrücke vor eineinhalb Jahren erinnern – trifft sie am Luzerner Bahnhof auf Roger: 30 Jahre älter, Fotograf, «primitives Gesicht». Er macht Fotos von der Welt, um unsterblich zu werden. Sie lebt in ihrer Traumwelt, weil das Leben eher zum Sterben ist.

Ein Hörspiel mit Special Effects

Mundruczó nutzt die Atmosphäre aus Dunkelheit und inszenierten Lichtspielen am Ufer und erzählt die Liebesgeschichte der Dramatikerin Kata Wéber über eine Stimme (Tilo Werner), die den Zuschauern über Kopfhörer zugeschaltet ist. Der Plot wirkt dank minutiöser Schilderungen wie ein Drehbuch.

Der Abend ist ein einziges langes Hörspiel mit visuellen Special Effects. Mit den Augen ertastet man am dunklen Ufer die Stationen der Liebenden, die gemeinsam Schweizer Banken fotografieren – Sitzbänke, wohlgemerkt. Ein bisschen Ironie muss in dieser mit komplexen Gedanken des Medienphilosophen Vilém Flusser angereicherten Liebes- und Todessehnsucht schon sein: Roger und Tino wollen keine Bankgeheimnisse lösen, sie dokumentieren die Toten, die einst auf diesen Bänken sassen.

Die Geister repräsentieren die Unterwelt.

Die Geister repräsentieren die Unterwelt.

Spätestens, als die MS Saphir das stillgelegte Seehotel St. Niklausen erreicht, kippt die Stimmung dann in ein schauriges, morbides Märchen. Roger stirbt. Die Unterwelt erscheint. Es sind weisse Kapuzen-Geister, im Vergleich zum reichen Mythenangebot des Vierwaldstättersees sind sie erschreckend banal. Dennoch ist «Traumland» ein anrührender Aufruf zum Träumen. Wo steckt die Wirklichkeit? Im Leben oder in der Kunst? Am Ende durfte das Publikum Geister umarmen. Es tat es noch etwas zögerlich.

«Traumland». Bis 19.9. Jeweils 20.30 Uhr am Steg 5 beim KKL. Infos: www.luzernertheater.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.