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Warum grosse Shows kaum mehr möglich sind

Seit einem halben Jahr leitet Stefano Semeria die Abteilung Unterhaltung von Schweizer Radio und Fernsehen. Der 52-jährige Deutsche spricht über Michael Elsener und warum er sich vor Netflix nicht fürchtet.
François Schmid-Bechtel

Herr Semeria, wie gefällt Ihnen Michael Elseners «Late Update»?

Sehr gut.

Gewisse Startschwierigkeiten waren doch offensichtlich.

Nun, er hat den Druck ausgehalten. Das muss man als junger Comedian erst mal hinbekommen. Natürlich gibt es Luft nach oben. Aber wir haben nie gesagt, Elsener müsse die Nachfolge von Giacobbo/Müller antreten. Elsener bringt eine Farbe rein, die wir einige Zeit nicht mehr auf dem Sender hatten – und er setzt sie in seiner ganz eigenen Form um. Es war ein solider bis guter Start.

Unmittelbar nach Ihrem Start hiess es: Der Mann nimmt uns Stars wie Roman Kilchs- perger, Monika Fasnacht und Kurt Aeschbacher weg.

Roman Kilchsperger hat mit dem Wechsel zu Teleclub selbst den Schritt gemacht. Wir hätten sowieso eine Nachfolge suchen müssen. Jetzt haben wir den Wechsel ein Jahr früher vollzogen. Bei Aeschbacher haben wir das Ende einzig wegen Sparmassnahmen um ein halbes Jahr vorgezogen.

Die Sendezeit wird nicht weniger. Aber das Geld wird weniger, und gleichzeitig soll das Unternehmen mehr im Bereich Online investieren. Gibt es in zehn Jahren nur noch einen Schweizer Sender pro Sprachregion?

Das will ich nicht prognostizieren. Vielleicht gibt es in zehn Jahren Sender- und Demandplattformen, die koexistieren und sich gegenseitig alimentieren. Es gibt Leute, die behaupten, in zehn Jahren sei das Fernsehen tot. Ich halte dagegen, denn eine älter werdende Gesellschaft ist nicht an die Fernbedienung gekettet. Meine Eltern sind weit über 70, wissen aber, wie Podcast funktioniert. Deshalb ist es für mich nicht so sehr die Frage, wie viele Senderketten es in zehn Jahren noch gibt, sondern wie sich das Nutzungsverhalten verändert.

Wo sparen Sie?

Wir suchen nach Synergieeffekten zwischen dem, was am Fernsehen stattfindet, und dem, was wir online machen könnten. Eine simple Idee: Der Anteil des jüngeren Publikums ist bei «Happy Day» oder «SRF bi de Lüt: Live» sehr hoch. Die Frage ist: Können wir die Inhalte von «Happy Day» nutzen und online ausbauen? Dafür müssen wir nicht eine neue Sendung erfinden. Aber etwas, das mit dem Kern und den Protagonisten von «Happy Day» zusammenhängt.

Stefano Semeria, SRF-Unterhaltungschef. (Bild: SRF)

Stefano Semeria, SRF-Unterhaltungschef. (Bild: SRF)

Gibt es noch andere Wege?

Ja, kann ich mit geringeren Mitteln als denen, die ich im Fernsehen ausgebe, Inhalt so präsentieren, dass ich eine dezidierte Zielgruppe erreiche? Deshalb entwickeln wir ein auf Online ausgerichtetes Konzept mit Susanne Kunz, wo es um junge Eltern, eine nachwachsende Zielgruppe, geht. Ob das auf Facebook, Youtube oder Instagram stattfinden wird, ist offen.

Können Sie konkreter sein?

Es geht darum, dass Eltern unter dem Druck stehen, alles perfekt machen zu müssen, aber regelmässig scheitern. Wir sagen: Das ist okay. Es geht darum, wie man Berufs- und Familienleben unter einen Hut bringen kann.

Früher wurde der SRF-Unterhaltungschef daran gemessen, wie viele Familien am Samstagabend vor dem TV sassen. Hat der Sendeplatz noch diese Bedeutung?

Ja, aber der Freitagabend ist genauso wichtig geworden. Aus Spargründen verzichten wir am Samstagabend grösstenteils auf einmalige Shows. Wir wollen auf Serielles wie «Happy Day» setzen, was produktionell günstiger ist. Ein bisher erfolgreicher Versuch heisst «Wer wohnt wo?» Damit versuchen wir, den Samstagabend weiterhin hochwertig zu besetzen. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: So etwas wie «Die grössten Schweizer Talente» können wir uns nicht mehr leisten.

Was passiert, wenn Player wie Netflix auf die Idee kommen, Inhalte mit regionalem Bezug zu produzieren?

In der Schweiz lohnt sich das nicht, dafür ist der Markt zu klein.

Hat das jüngere Publikum überhaupt noch das Bedürfnis nach Swissness?

Wir hatten mit der Web-Serie «Nr. 47» über 1,9 Millionen Views. Weil sich die Sendung im Kern an 18- bis 24-Jährige richtet und in der Zielgruppe 90 Prozent erreicht, lautet die Antwort klar: Ja. Die einzige Frage, die sich noch stellt: Wann beginnen Netflix und andere Plattformen, Unterhaltungsformate zu produzieren? Es gibt Signale, die darauf hindeuten, dass dies schon bald passiert. Das könnte einen negativen Einfluss auf das Interesse an unseren Inhalten haben.

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