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Warten auf den Wink des Schicksals

Musik und Wort spielen in Rilkes lyrischem Drama «Die weisse Fürstin» mit Nathalie Hubler und Christine Baumann im Keller der Rose reizvoll ineinander: Als seien Gestalten eines alten Gemäldes zum Leben erwacht.
Bettina Kugler
Nathalie Hubler mit der Puppe des Dieners Amadeo in einer Szene aus «Die weisse Fürstin». (Bild: Coralie Wenger)

Nathalie Hubler mit der Puppe des Dieners Amadeo in einer Szene aus «Die weisse Fürstin». (Bild: Coralie Wenger)

Zwei Fräulein stehen am Meere, vertreiben sich die Zeit bis zum Sonnenuntergang. Nicht Heinrich Heine hat sie mit ironischem Lächeln im Mundwinkel dorthin gestellt: Von letzten Dingen ist die Rede, und nirgends lapidarer Trost mit dem nächsten Morgenrot. «In uns ist täglich Sterben und Geburt», erinnert uns der Dichter, beschwört von fern die Pest und mahnt: «Tod ist, wenn einer lebt und es nicht weiss.» Das Hintergrundbild von Claudia Valer zeigt ein italienisches Idyll am Strand, Arnold Böcklins «Villa am Meer» nachempfunden.

Von der Insel der Seligen zur Toteninsel scheint es nicht weit.

In den Sand geschrieben

Die Szene am Meer stammt von Rainer Maria Rilke; sein lyrisches Drama «Die weisse Fürstin» ist reine Wortmusik; bildkräftig leuchtend, doch so vergänglich und entrückt wie ein Gedicht, das in den Sand geschrieben wird.

Ein Spiel zwischen Leben und Tod im Schwebezustand der Ereignislosigkeit; es passt gut in den Keller der Rose, in dessen Gewölbe die Schatten tanzen und die Geige obertonreich den Raum aussingt.

Die beiden Frauen, hier die weisse Fürstin, die auf die Ankunft ihres Geliebten wartet; dort ihre ungestüme jüngere Schwester Monna Lara, die ihr das Geheimnis entlockt, greifen im Spiel Nathalie Hublers zusammen wie in einem Vexierbild.

Als musikalisches Solo für vier Stimmen hat die Schauspielerin Rilkes lyrisches Tableau gemeinsam mit Regisseurin Kathrin Bosshard konzipiert. Hinzu kommt Musik von Bach und Eugène Ysaye, die weiterspricht, ins Wort fällt, die Bilder subtil ausleuchtet: Die Geigerin Christine Baumann geht damit durch die Szene wie ein wissender Engel, sie schmiegt sich Rilkes Ton an und lädt ihn zusätzlich auf. Sie steht nicht daneben, sondern nimmt die Fürstin fest in den Blick. Und lässt die aufgeladene Spannung am Ende eine überraschenden Wendung nehmen.

Das Tändelnde, sich nach dem Leben und seinem Freudenglanz Reckende bringt die Musik ebenso zum Klingen wie Schmerz und Schrecken, das Wissen darum, in jedem Augenblick vom Tod umfangen zu sein.

«Das Leben droht»

Ein Lebensthema Rilkes: «Der Tod ist gross, wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns»; das Schlussstück aus dem «Buch der Bilder» könnte auch als Epilog die «Weisse Fürstin» abrunden.

Im dichten Ineinander der Stimmen hat allerdings die Violine das letzte Wort – und Bachs «Chaconne».

Nathalie Hubler schlüpft in sämtliche Rollen, spielt mit Masken und Stimmlage, lässt den Diener Amadeo als Handpuppe erscheinen – da ist das Spiel noch heiter, alle Zeichen stehen auf Erfüllung einer langen Hoffnung.

Doch im Gespräch der Schwestern klingt bereits schwermütig eine Ahnung davon an, «dass das Leben droht». Der Bote schliesslich zerstört das schwesterliche Idyll unwiederbringlich; sein Bericht vom Wüten der schwarzen Pest, vom Leiden der Menschen schneidet scharf in den frommen Wunsch der Fürstin, ein letztes Mal das Leben zu feiern – und dann den Notleidenden zu Hilfe zu eilen.

Als seien zarte Gestalten eines alten Bilds zum Leben erwacht, als habe ein Lesetext sich ihrer bemächtigt, um sich zu verkörpern, bewegter Klang zu werden: So inszeniert Kathrin Bosshard Rilkes grosses Gedicht, das auf der Bühne keinen festen Platz erobert hat. Behutsam bringen die drei Frauen ihn ins Spiel, mit absichtsvoller Künstlichkeit und stilisierten Gesten. Man könnte auch die Augen schliessen und ihn als Sprachmusik geniessen. Doch keiner setzt sich an den Strand, um die Sonne untergehen zu hören.

Keller der Rose, St. Gallen, heute Fr sowie 16./18./19., je 20 Uhr; So 17., 17 Uhr und 24., 11 Uhr Lesung «Der Cornet», Sa 16.10., 21.15 (im Anschluss an «Weisse Fürstin») sowie 17., 11 Uhr und 22./23.10., je 20 Uhr

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