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Pipilotti Rist macht mit Projekt auf das Korallensterben aufmerksam

Die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist arbeitet für eine Projekt mit dem WWF zusammen und organisierte eine interaktive Performance in einem Berner Hallenbad.
Laura Widmer
Die Künstlerin Pipilotti Rist inmitten von Badenden. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Die Künstlerin Pipilotti Rist inmitten von Badenden. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Das Hallenbad ist düster, Vorhänge vor den Fenstern schirmen das Tageslicht ab. Es ist heiss, und Videoprojektoren werfen bunte Muster auf das Wasser, begleitet von instrumentaler, hypnotischer Musik. «Da passiert dann schon noch mehr», sagt Pipilotti Rist beim ersten Blick aufs Wasser.

Noch ist das Becken leer. Doch bald tauchen Besucher in den Rollen von Algen und Korallen in die Farbenwelt ein und werden zum Kunstwerk. Die Schweizer Künstlerin hat zur Performance «Save the Corals» im Hallenbad Hirschengraben in Bern eingeladen, um auf das ­Korallensterben aufmerksam zu machen.

Erwärmte Meere schaden Algen

Korallenriffe bedecken zwar nur 0,1 Prozent der Weltmeere, beherbergen gemäss WWF aber einen Viertel aller Meerfische. Darunter befinden sich auch Arten, die für unsere Ernährung eine wichtige Rolle spielen. Korallen leben in enger Symbiose mit Algen zusammen, die auch für die Farben der Korallen verantwortlich sind. Die Algen sind wärmeempfindlich. Steigt die Temperatur des Wassers zu stark an, produzieren sie Giftstoffe. Das führt dazu, dass sie von den Korallen abgestossen werden, die dann absterben. Ebenso schädlich wie die Klimaerwärmung sind Überfischung und Wasserverschmutzung. Rund 800 Millionen Menschen leben vom Fischfang. Schreitet die Zerstörung der Korallen weiter voran, ist ihre Lebensgrundlage beeinträchtigt.

Bei einem Tauchgang vor über 25 Jahren verliebte sich Pipilotti Rist in die Unterwasserwelt: «Was ich sah, hat meine Kunst stark beeinflusst.» Die Korallen hätten als Begründung für die knalligen Farben in ihren Arbeiten gedient. Farbe zeige Verletzlichkeit: «Was farbig ist, kann man töten.» Ein anderes Bild erwartete sie vor drei Jahren, als sie erneut im Meer tauchte: «Die Farben waren verschwunden, alles leblos.» Rist ist überzeugt: Gäbe es einen Waldbrand dieses Ausmasses, wäre schon lange etwas getan worden. Weil es unter Wasser passiere, sei nur den wenigsten die Dringlichkeit des Problems bewusst. Mit ihrer Sorge gelangte sie an den WWF. Das Projekt im Hallenbad wurde in Zusammenarbeit entwickelt und soll zeigen: Das Meer ist nur dank seiner Bewohner lebendig.

Die Kunstperformance fand in einem öffentlichen Hallenbad in Bern statt. (Bilder: Anthony Anex/Keystone)
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Pipilotti Rist im Hallenbad in Bern

Dass Pipilotti Rist mit dem WWF zusammenarbeitet, ist für die Organisation ein Glücksfall. Vielen Menschen sei das Ausmass des Korallensterbens nicht bewusst, sagt Thomas Vellacott, CEO des WWF. «Die Gletscherschmelze ist den Menschen eher ein Begriff.» Der WWF organisiert immer wieder Events für mehrere hundert Personen, meistens Gönner oder Sympathisanten der Umweltorganisation. «Diese Menschen sind meistens schon für das Thema sensibilisiert. Wenn jemand wie Pipilotti Rist dabei ist, lockt das andere Menschen an», sagt Vellacott. Das ist auch bei der Kunstperformance zu sehen. Einige Familien haben den Weg ins Hallenbad gefunden und planschen im beleuchteten Becken.

Schmuckstücke aus Schwemmgut

Auch Pipilotti Rist wagt den Sprung ins Wasser und möchte den Anlass filmisch festhalten. Die Künstlerin mit grün gefärbtem Pony, blau getönter Brille und gelbem Badeanzug hält sich ans Motto: Möglichst farbige Bekleidung hatte sie sich in der Einladung gewünscht. Ein junger Vater hat sich für den Anlass sogar eine pink-lila Badehose zugelegt. Die Zeit im Schwimmbecken ist auf eine halbe Stunde beschränkt, viele der rund 500 Besucher beobachten jedoch nach ihrer Teilnahme das Treiben vom Beckenrand. Die Kleinsten vergnügen sich im Kinderbecken im Nebenraum, wo Informationstafeln aufgestellt sind.

Zum Schluss wird den Teilnehmenden eine Medaille ausgehändigt. An einem Stück Schnur hängen Flaschendeckel, Treibholz, Verpackungsnetze und geschliffene Plastikstücke. Individuelle Schmuckstücke, die Pipilotti Rist aus Schwemmgut von Stränden anfertigen liess. Erinnerung an eine besondere Performance und daran, dass jeder mit seinem Lebenswandel zur Rettung der Meere beitragen kann.

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