Vorkämpferin der Moderne

Gegen sie war selbst die sowjetische Kulturministerin machtlos. Denn Maja Plissezkaja stand für «das» russische Ballett. Jetzt ist sie tot.

Axel Eichholz
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Maja Plissezkaja (Bild: epa)

Maja Plissezkaja (Bild: epa)

Atomraketen und das Bolschoi-Ballett sind die Markenzeichen der Sowjetunion gewesen. Wenn man «russisches Ballett» sagte, dachte man an Maja Plissezkaja. Die künftige Primaballerina stammte aus der russisch-jüdischen Künstlerfamilie Messerer. Ihre Eltern fielen dem Stalin-Terror zum Opfer. Onkel und Tante, die Vater- und Mutterstelle an ihr vertraten, erkannten in dem hässlichen Entlein mit zu langen, aber ausdrucksvollen Armen die künftige Tänzerin.

Bekannte Rollen, neue Inhalte

Als Bolschoi-Insider schickten sie Maja in die beste Ballettschule des Landes. Schon 1943 sicherte ihr «Sterbender Schwan» ihr den Zugang zur Bolschoi-Truppe. Im «Schwanensee», einer Pflichtübung für jede Primaballerina, wurde Plissezkaja ein unnachahmlicher Schwarzer Schwan. Maja Plissezkaja beherrschte die Technik des klassischen Balletts perfekt und verstiess nie dagegen. Anders als ihre Vorgängerinnen füllte sie die bekannten Rollen aber mit anderen Inhalten. 1967 führte der Kubaner Alberto Alonso eigens für sie die «Carmen-Suite» im Bolschoi auf. Die Musik hatte ihr Mann Rodion Schtschedrin auf der Grundlage der klassischen Oper von George Bizet komponiert.

Kritik aus dem Politbüro

Kritiker im sowjetischen Politbüro regten sich über die modernistische Art und zur Schau gestellte Sexualität auf. Die Kulturministerin Jekaterina Furzewa versuchte, das Ballett zu verbieten. Am Ende setzte sich Plissezkaja aber durch und wurde die beste Carmen aller Zeiten – in Wort, Musik und Tanz. Es war eine Revolution auf der Ballettbühne.

Jetzt ist sie 89jährig in München gestorben, wo sie aus gesundheitlichen Gründen lebte.

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