Vor dem Sterben: Musik für die Liebe

Zum 40. Hochzeitstag hat Rudolf Fritsche ein Musikstück für sein selbsterbautes Stein-Instrument Gramorimba in Auftrag gegeben. Am Sonntag ist «Im Märchenschloss» von Gion Antoni Derungs (1935–2012) in St. Gallen erstmals zu hören.

Martin Preisser
Drucken
Teilen
Das Gramorimba kommt bei der Uraufführung zu solistischem Einsatz. (Bild: Ralph Ribi)

Das Gramorimba kommt bei der Uraufführung zu solistischem Einsatz. (Bild: Ralph Ribi)

Es ist ein besonderes Geschenk zum runden Hochzeitstag, das sich Rudolf Fritsche für seine Frau ausgedacht hat. «Sie ist eben auch eine besondere Frau», sagt der Erbauer von Stein-Instrumenten aus Wattwil. 40 Jahre Ehe: Rudolf Fritsche hat beim Bündner Komponisten Gion Antoni Derungs ein Auftragswerk bestellt, ein Konzert für Gramorimba und Orchester. Das Gramorimba hat Fritsche selbst gebaut. Konstruiert wie ein Marimbaphon kommt der Ton aus Stein-Klangstäben. Welcher Stein es ist, bleibt Betriebsgeheimnis. Das Instrument solle seine Exklusivität bewahren, sagt der Erfinder und verrät nur, dass der Stein aus der Familie der Serpentinite stamme.

Fritsche ist letztes Jahr mit Mario Schwarz, dem Dirigenten des Collegium Musicum, zum bereits schwerkranken Gion Antoni Derungs nach Chur gereist. Es ist berührend, dass der Komponist kurz vor seinem Tod (er starb im September 2012) kein Requiem oder eine Abschiedsmusik geschrieben hat, sondern sich nochmals mit ganzer Kraft einem Stück gewidmet hat, das zur Hommage an die Liebe geworden ist. Fröhlichkeit, Erotik, eine Liebeserklärung – solche Worte fallen im Gespräch mit dem Dirigenten, der sich immer wieder für das Werk von Derungs eingesetzt hat.

Mario Schwarz selbst hat das Gramorimba vor zehn Jahren an der Frankfurter Musikmesse entdeckt und war – wie der französische Komponist Pierre Boulez auch – völlig begeistert vom weichen, obertonreinen Klang des Instruments, das Rudolf Fritsche damals dort präsentiert hat.

Zur Ehe gehören zwei

Als Fritsche die Partitur von Gion Antoni Derungs das erste Mal sah, war er fast ein wenig enttäuscht. Er hatte eigentlich ein Werk für Gramorimba und Orchester bestellt und entdeckte plötzlich noch eine solistisch gestaltete Flötenstimme. Lapidare Antwort des Komponisten: «Das Stück ist ein Geschenk für 40 Jahre Ehe, und zur Ehe gehören immer zwei.»

Freude und Dankbarkeit

Das Werk, das den romantischen Titel «Im Märchenschloss» trägt, enthält Tänze und Zwiesprachen. Derungs hat einen Abendspaziergang mit Glocken auskomponiert und das Werk gar mit einem Ländler samt Sommerlied enden lassen. Eleganz, Dankbarkeit, Freude – auch solche Attribute kommen Mario Schwarz über die Lippen. Ein Stück über die Liebe als Abschied vom Leben – mit einer sehr persönlichen Musik hat sich Gion Antoni Derungs von der Welt verabschiedet.

Heute Fr, Löwenhof Rheineck, 19.30 Uhr; morgen Sa, Klosterhof Fischingen, 19 Uhr; So, 30.6., Pfalzkeller St. Gallen, 10.30 Uhr; neben der Uraufführung erklingen Werke von Respighi und Mozart. Solisten sind Adrian Schilling (Gramorimba) und Hossein Samieian (Flöte).