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Von Stebehre und Bschöttitrocke

Von der Faszination alltäglicher Dinge erzählt das Museum Appenzell in der Ausstellung «Tragen und transportieren». Sie vereint Objekte und viele Fotografien aus dem letzten Jahrhundert.
Brigitte Schmid-Gugler
Raffinierte Kombination: «tragen und transportieren» kombiniert Sammlungsgut mit moderner Kunst (hinten). (Bild: Hanspeter Schiess (08.10.2016))

Raffinierte Kombination: «tragen und transportieren» kombiniert Sammlungsgut mit moderner Kunst (hinten). (Bild: Hanspeter Schiess (08.10.2016))

Auch wenn das starke Geschlecht nicht in allen Lebensbereichen das stärkste sein mag – im Tragen von Lasten darf man es als Schwergewicht unter den Belastbaren bezeichnen: Die Männer, darunter zwar auch einige gar schmächtige, sind in der reichbebilderten Ausstellung zwangsläufig gut vertreten. Denn Lasten Huckepack genommen, das haben zu Zeiten, als es gerade in unwegsamen Bergregionen noch kaum mechanische Transportmittel gab, hauptsächlich die Männer. Oder Lasttiere – Maulesel, Pferde, Ochsen und Hunde, von Männern beladen und geführt. Man selber hat lebhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit, als die mit Milchkannen beladenen Hundewagen vor der Dorfkäserei vorfuhren. Solche und ähnliche hölzerne Gefährte und Tragobjekte sind in der Ausstellung im Museum Appenzell genauso vertreten wie die klassischen Mölchchesseli – erst aus Metall, später aus Plastik.

Anekdoten und Nostalgie

Überhaupt ist die Ausstellung, bestückt aus der Museumssammlung, ein Spaziergang durch die entschleunigte Zeit. Das Ausstellungsplakat zeigt den Beerensammler und Taglöhner Johann Anton Koller mit seinen vier umgehängten Beerenkratten. Er hatte 15 Goofen und musste, wie so manche Familie in ländlichen Gebieten, schauen, wie er die hungrigen Mäuler stopfen konnte.

Die Frauen, also das sogenannt dienende – nennen wir es in diesem Fall das austragende Geschlecht, waren derweil zu Hause am Kinderbuckeln, Einkochen und Kleiderflicken, oder später ausser Haus am Dazuverdienen: Eine Schwarz-Weiss-Fotografie zeigt vier Serviertöchter, die schön hintereinander in einer Reihe gehend die Gäste mit Speisen bedienen. Leichtgewichtige Lasten, sozusagen. Drei von ihnen, seit vielen Jahren schon ohne Servierschooss im Leben unterwegs, sassen an der Vernissage in der ersten Reihe und erhielten viel Applaus.

Geklatscht und gelacht wurde auch, als Baazlis Franz, der mit seinen Musikanten die Vernissage untermalte, erzählte, wie man «doozmool» noch zu Fuss oder mit dem Fahrrad zu «Stobete und Losene» ging oder fuhr, die Instrumente auf dem Rücken oder waghalsig auf Gepäckträgern festgezurrt. Sie «trage» das Thema des Tragens schon seit drei Jahren herum, sagte die Volkskundlerin und verantwortliche Kuratorin Birgit Langenegger. Fundus und Archiv des Museums seien mit 50 000 Fotonegativen sowie mit einer stattlichen Anzahl von ländlich geprägten Trag- und Transportobjekten mehr als üppig angelegt.

Sorgfältige und vielfältige Auslegeordnung

Langenegger richtet ihren Fokus ausschliesslich auf den materiellen Begriff des Tragens und nicht auf dessen Bedeutung im «übertragenen» Sinn. Die Ausstellung beschränkt sich im Sinne der musealen Ausrichtung des Hauses für Volkskunde auf die Appenzeller Geschichte des Tragens von 1900 bis 1970. Vitrinen beherbergen Trouvaillen in Form von genähten und gestickten Täschchen, Geldbeuteln, Etuis – bis hin zu den antik anmutenden WC-Rollen-Haltern aus Holz.

Auf drei Etagen treten, nicht zu überladen gesetzt und unterteilt in Kategorien, die unterschiedlichsten Traghilfen in einen lebhaften Dialog mit den Besuchern. Alte Koffer, Rucksäcke, allerlei Behältnissen wie Schachteln und Grossmutter-Büchsen; Leiterwagen, Schlitten, Chreeze, Stebehre (Steinbähren) Körbe – eine Wundertrocke voller Nostalgie. Über Verwendung und geschichtliche Anlehnung der Ausstellungsgegenstände geben erläuternde Texte Auskunft.

Sehr passend und feinsinnig auch die Beiträge von zwei Kunstschaffenden aus dem vollautomatisierten Zeitalter. Während sich Claudia Valiers Malereien am magischen Realismus anlehnen, zeigt Christian Hörler einen Teil seiner Serie «Sack», eine Kombination von Druck und Ölfarbe.

Museum Appenzell. Bis 21. Mai; Begleitveranstaltungen starten am 3. November mit einem Vortrag von Roland Inauen. www.museum.ai.ch

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