Von Räumen und Träumen

An vier Abenden referierte Stadtbaumeister Erol Doguoglu in einer öffentlichen Reihe an der Universität St. Gallen über Architektur im Film.

Brigitte Schmid-Gugler
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Die Villa Malaparte als Filmkulisse auf Capri. (Bild: pd)

Die Villa Malaparte als Filmkulisse auf Capri. (Bild: pd)

Er nennt es «Déformation professionnelle», seine Gewohnheit, bei jedem Film auch auf die Architektur zu schauen. Da paarten sich Studium und Leidenschaft, und gebündelt hat sich daraus ein bemerkenswert fundiertes Wissen über Filmgeschichte, die er in vier Kapiteln aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Am Beispiel von Fritz Langs Stummfilm-Epos «Metropolis» (1925 bis 1926) zeigt Erol Doguoglu zum Thema «städtebauliche Utopien», wie sich das aktuelle Filmschaffen – genau wie die bildende Kunst – anlehnt und kopiert von viel früher eingesetzten Filmbildern und Techniken. Am Film «Inception» von Christopher Nolan aus dem Jahr 2010, genau so einsehbar wie in «Blade Runner»: Fliegende Taxis, die zwischen Strassenzügen und Hochhäusern hindurchjagen, knüpfen direkt an «Metropolis» an.

Obskure Objekte

Erol Doguoglu arbeitet mit zahlreichen Filmausschnitten, die aufzeigen, was die Durchschnittskinogängerin kaum beachtet: Dass der berühmteste aller Strände, die brasilianische Copacabana, die bereits im ersten Vortragsabend als beliebte und oft bespielte Filmkulisse – mal romantisch, mal apokalyptisch inszeniert – hinhalten muss, geradezu zur «Ikone» taugt. Auch die Bauten des niederländischen Architekten Oskar Niemeyer geben beliebte Filmsets ab für Filmemacher. Die von ihm erbauten Gebäude für die 1987 zum Weltkulturerbe erklärte brasilianische Hauptstadt Brasília etwa waren eine perfekte Kulisse für Filme wie «L'homme de Rio» aus dem Jahr 1964 mit Jean-Paul Belmondo.

«Le mépris» (Die Verachtung) wiederum spielt in der legendären zweigeschossigen Villa Malaparte auf dem Felsen Punta Masullo auf Capri. 1963 drehte dort Jean-Luc Godard mit Brigitte Bardot und Michel Piccoli und – in einer Nebenrolle – Fritz Lang.

Stars an Stripes

Über ein vom niederländischen Architekten Rem Koolhaas erbautes Haus im Auftrag eines behinderten Bauherrn kommt Doguoglu zum dritten Teil seiner Reihe unter dem Titel «Architekturkritik im Film». Der Dokfilm zeigt massive Bauschäden an dem Haus, das von einer Bediensteten geputzt und bewirtschaftet wird, die sich mit der komplexen Architektur des Gebäudes abmüht. Die farbigen Gangs mit ihrem perspektivelosen Umfeld in der amerikanischen Fernsehserie «The Wire» tun es auf ihre Weise.

Der Stadtbaumeister führt mit der Serie ganz anschaulich soziokulturelle und städtebauliche Aspekte ins Feld. Schliesslich blickt er noch «zurück in die Zukunft» und zeigt anhand einiger äusserst amüsanter Filmsequenzen, wie sich mit den immer populärer werdenden Episoden eine ganze Dekade eines Clans, eines Gewerbes inhaltlich szenisch aufarbeiten lässt.