Von Hesse inspiriert

Glasperlenspiel Carolin Niemczyk (23) und Daniel Grunenberg (24) ) sind auf der deutschen Bodenseeseite aufgewachsen. Nun ist das zweite Album des Popduos aus Stockach da. Olaf Neumann

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Nicht nur ein Duo, wenn es um die Musik geht: Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg. (Bild: pd)

Nicht nur ein Duo, wenn es um die Musik geht: Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg. (Bild: pd)

Ihr neues Album heisst «Grenzenlos». Was verstehen Sie darunter?

Daniel Grunenberg: Wir haben uns keine Grenzen gesetzt. Einige Sachen haben wir mit Hip-Hop-Musikern und andere mit Elektroproduzenten geschrieben. Das war spannend und lehrreich.

In welcher Hinsicht?

Carolin Niemczyk: Wenn wir uns bei einem Text nicht einig waren, haben wir andere Leute um Rat gefragt. Ich glaube, wir gehen manchmal etwas zu «verkopft» an die Sache ran, indem wir meinen, man müsse einen Text noch verschachtelter und metaphorischer formulieren. Die Hip-Hop-Musiker sagten dann immer: «Ey, sag es einfach frei heraus!»

Steht Glasperlenspiel für ein bestimmtes Lebensgefühl?

Grunenberg: Unsere Musik soll tanzbar sein. Damit wollen wir sagen, dass die Dinge am Ende gar nicht so schlimm sind, wie anfangs vorgestellt. Wir nennen das positive Melancholie.

Ihre Texte handeln von Freundschaft und Beziehungen. Was interessiert Sie daran?

Niemczyk: Diese Dinge machen mein Leben zu grossen Teilen aus. Ich bin ein geselliger Mensch.

Sie beide sind nicht nur ein Duo, sondern auch ein Paar. Wie bewältigen Sie diesen Spagat?

Niemczyk: Es ist nicht immer einfach, aber wir haben einen guten Weg gefunden. Wir hocken nicht permanent aufeinander.

Grunenberg: Ich finde es schön, dass ich das alles mit meiner Freundin zusammen erleben kann. Andere Musiker sehen ihre Partner kaum, weil sie nie zu Hause sind.

Sie schreiben oft Liebeslieder. Wird man zu einem Beziehungsexperten?

Niemczyk: Wir wollen weder Ratgeber sein noch mit erhobenem Zeigefinger auftreten. Die Lieder widerspiegeln unsere Sicht der Dinge. Diese ist manchmal ein bisschen naiv, aber unsere Lieder sollen auf keinen Fall «verkopft» klingen. Denn wenn man sich gefunden hat, ist das ein Gefühl von Unsterblichkeit. Ich denke, es geht jedem so, der verliebt ist.

Wollten Sie noch nie nach Berlin ziehen, in die Musik-Hauptstadt?

Niemczyk: Mittlerweile haben wir dort ein kleines Studio, weil wir bei diesem Album mit anderen Künstlern und Produzenten zusammengearbeitet haben. Die leben fast alle in Berlin und nicht in der Pampa am Bodensee.

Grunenberg: Nach ein paar Wochen in der Grossstadt will ich wieder an den See. Wir geniessen das Glück beider Welten. Um richtige Berliner zu werden, sind wir zu heimatverbunden.

Was reizt Sie am Landleben?

Niemczyk: Wir kommen beide von Stockach. Es ist einfach eine schöne Gegend und ein schöner Rückzugsort. Ich freue mich immer wahnsinnig auf den Sommer.

Ihr Glasperlenspiel ist eine Plexiglaskugel, in der ein Glockenspiel steckt. Wie sind Sie auf das ungewöhnliche Instrument gekommen?

Grunenberg: Genau genommen ist es eine Art elektronisches Glockenspiel. Als wir dafür einen Namen suchten, sind wir auf den Roman «Glasperlenspiel» von Hermann Hesse gestossen. Das inspirierte mich als Informatiker und Programmierer, weil mit dem Glasperlenspiel alles möglich ist. Da habe ich gedacht, wie cool es wäre, ein Instrument zu haben, auf dem man keine Fehler spielen kann. Also habe ich mein Glasperlenspiel dahingehend umgebaut, dass man einfach drauflosspielen kann. Wenn es auf eine bestimmte Tonart gestimmt ist, klingt es immer richtig. Diese Philosophie passte so gut zu uns, dass wir uns selbst «Glasperlenspiel» genannt haben.

Sind auch Ihre Texte von Hermann Hesse inspiriert?

Grunenberg: Hesse beschreibt eine Gesellschaft, in der es nichts Echtes und Wahrhaftiges mehr gibt. Man versucht, das Alte immer wieder als neu zu verkaufen. Aber jeder kennt doch diese wahren Momente, die etwas mit echten Gefühlen zu tun haben. Davon handelt der Song «Echt» auf unserem ersten Album.

Glasperlenspiel: Grenzenlos (Universal)