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Von Gais an die Weltspitze: Jürg Hochuli führt ein Sekretariat für Top-Musiker

Nein, sein Künstlerbüro sei kein Konzertmanagement, sondern ein Sekretariat, sagt Jürg Hochuli. Zurückhaltend und diskret organisiert Hochuli Konzerte und vertritt er renommierte Künstler wie den Ausnahme-Pianisten András Schiff.
Bettina Kugler
Jürg Hochuli veranstaltet seit Jahrzehnten erfolgreich Konzertreihen. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Jürg Hochuli veranstaltet seit Jahrzehnten erfolgreich Konzertreihen. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Mit Begriffen und Bezeichnungen nimmt es Jürg Hochuli genau, und manche mag er nicht. «Klavierbegleiter» beispielsweise. Eine Untertreibung! «Ich würde von einem Duopartner sprechen», sagt er.

Der Einwand ist angebracht: Im romantischen Klavierlied ist der Musiker am Flügel gleichberechtigt und ebenso wichtig wie der Sänger im Rampenlicht – wenn nicht sogar derjenige, der die Fäden in der Hand hat. Man denke nur an den Beginn Schuberts «Winterreise». In den ersten Takten legt das Klavier die Stimmung fest. Es misst die Minusgrade im Herzen des einsamen Wanderers.

Verschwiegenheit und Diskretion

Ebenso differenziert ist Hochuli, wenn es um seine eigene Arbeit geht. Nein, er versteht sich nicht als «Agent» renommierter Musiker wie András Schiff; sein Künstlerbüro mit Sitz im ausserrhodischen Gais ist kein «Konzertmanagement», sondern ein «Sekretariat».

Das Wort hat mit Verschwiegenheit zu tun, mit Diskretion: für Hochuli gehört sie zum Berufsverständnis. Die Künstler, deren Reisen und Geschäfte er organisiert und deren Korrespondenz er führt, zählen zur Weltklasse. Sie haben nicht nötig, dass er laut für sie trompetet.

Wobei er es könnte: Schliesslich hat Jürg Hochuli am Konservatorium Trompete studiert. Nach seinem Abschluss jedoch wechselte er die Seiten. Statt auf der Bühne sah er seine Stärken mehr im Hintergrund. Er zieht gern Fäden – auf seine behutsame, zurückhaltend verschwiegene Art. Umso mehr trifft es ihn, wenn aus dem Publikum Stimmen laut werden mit Bemerkungen, die er für unangebracht und falsch hält.

Den Künstler einfach in Ruhe lassen

Noch schlimmer: Wenn Veranstalter den betroffenen Künstler damit behelligen. Etwa mit der Munkelei nach einem Meisterkurs im Juni an der Schubertiade, der Pianist András Schiff rede im Auftrag der Wiener Traditionsfirma Bösendorfer den Schwarzenberger Steinway schlecht. «Da mag jemand dem Geschäftsleiter gegenüber so was Absurdes geäussert haben», sagt Hochuli. «Vielleicht im Scherz, vielleicht nach zwei Gläsern Wein. Damit würde ich einen Künstler einfach in Ruhe lassen.» Er schüttelt verständnislos den Kopf.

Die Sache schaukelte sich hoch. Ein holländischer Kritiker berichtete darüber im Feuilleton; die FAZ zog nach. Dabei, stellt Jürg Hochuli richtig, sei gerade András Schiff nicht nur musikalisch höchst empfindsam – sondern vor allem in Fragen des spezifischen, zum jeweiligen Stück passenden Klavierklangs.

Schiff besitze mehrere Instrumente, darunter auch Steinway-Flügel; er besuche Werkstätten, Museen und Hammerklaviermanufakturen, spiele je nach Programm auf verschiedenen Flügeln, von Bechstein, Bösendorfer und anderen. «Kürzlich erst hat er ein Programm mit Bach-Inventionen auf einem Clavichord eingespielt», sagt er.

Konzertreihen in Zürich und Münsterlingen

Jürg Hochuli selbst veranstaltet seit Jahrzehnten mit Erfolg Konzertreihen: in der Tonhalle Zürich, gerade übergangsweise in der Tonhalle Maag. Eine weitere mit Streichquartetten in der Kirche St.Peter, zudem die Sonntagskonzerte in der Kartause Ittingen und die Konzerte in der Klosterkirche Münsterlingen, wo er aufgewachsen ist. Vierzig Jahre gibt es sie schon. Im Internationalen Bodenseefestival haben die Münsterlinger Konzerte ihren festen Platz.

Diskret wie er ist, redet Jürg Hochuli nicht lange über das anstehende Jubiläum oder preist die Programme an. Kommentarlos legt er die Flyer auf den Tisch, für Ittingen und St.Peter, dazu einen Prospekt für Kulturreisen nach Hamburg, Salzburg und Vicenza.

Und ein Buch von András Schiff: «Musik kommt aus der Stille», so der Titel. Wären da nur nicht hin und wieder ärgerliche Nebengeräusche.

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