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Von der Linie zum Salat

Der Kunstraum Kreuzlingen zeigt in einer Doppelausstellung Julia Bodamer und Aurelio Kopainig. Der in Berlin lebende Künstler bewegt sich souverän im Feld zwischen Wissenschaft und Kunst, Recherche und Zeichnung.
Kristin Schmidt
Aurelio Kopainig bewegt sich zeichnend zwischen Landwirtschaft, Gentechnik und Biotechnologie. (Bild: Andrea Stalder)

Aurelio Kopainig bewegt sich zeichnend zwischen Landwirtschaft, Gentechnik und Biotechnologie. (Bild: Andrea Stalder)

Alles im grünen Bereich? Grün ist Bio? Biologisch, biotechnisch, biotechnologisch? Alles ist möglich, die Wüste grünt und Bio ist nicht immer Bio. Der Wind unterscheidet nicht zwischen Biobauernhof und ertragsoptimierter Landwirtschaft. Er trägt die Pestizide weiter. Die Übergänge sind fliessend, sowohl auf Feld und Plantage als auch auf dem Papier.

Mit leichtem Strich und einer Prise Witz

Aurelio Kopainig bewegt sich zeichnend im dicht geknüpften Netz zwischen Landwirtschaft, Gentechnik und Biotechnologie. Der gebürtige Ostschweizer recherchiert dort weiter, wo es selbst interessierten Konsumentinnen und Konsumenten zu kompliziert wird. Er deckt Zusammenhänge auf im dichten Gefüge aus veröffentlichten Studien, aus Meinungen, Fachwissen und Argumenten. Er jongliert mit Begriffen und Informationen, fügt Bilder, Signets und Textstellen zu schlüssigen Strukturen zusammen. Seine Zeichnungen kommen nie didaktisch, sondern mit leichtem Strich und einer guten Prise Witz daher.

In der aktuellen Ausstellung im Kunstraum Kreuzlingen zeigt der Künstler grossformatige Zeichnungen, die sich vor allem mit dem kontrovers diskutierten Einsatz von Glyphosat beschäftigen. Kopainig arbeitet mit der Bildsprache und Anordnung wissenschaftlicher Präsentationen, schreibt und zeichnet jedoch mit Stift und sparsamen farbigen Akzenten aufs Papier. Formale Neuschöpfungen, ungewöhnliche Wortreihen und Zusammenstellungen durchbrechen die Erwartung an die Wissenschaftssprache. So entfalten die Darstellungen einen grossen Sog. Innerhalb der visualisierten Ordnung legt Kopainig Wege an, fängt den Blick mit Pfeilen auf, leitet ihn um und weiter. Die Denkprozesse folgen den Bildprozessen.

Die Kraft der Linie zeigt sich auch in kleinformatigen Zeichnungen. Der Künstler hat sie zu aussagekräftigen Reihen verbunden und formuliert darin sein Selbstverständnis: biotechnologische und künstlerische Themen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Ein Strich verändert sich. Linien steigen, fallen auseinander und fügen sich zu einem Salatblatt. Die Linie ist geduldig, Pflanzen sind es ebenso, doch wohin führen die biotechnologischen Umbrüche? Aurelio Kopainig wertet nicht. Er entschlüsselt von der Agroindustrie sorgsam gehütete Verflechtungen und lässt offen, wie damit umzugehen sei.

Im Untergeschoss zeigt Julia Bodamer eine passgenaue Videoinstallation. Die 1988 in Zürich geborene Künstlerin inszeniert einen Raum im Raum, einen dynamischen Raum im statischen. Weisse Wände scheinen auf, bewegen sich durchs Blickfeld, verschwinden wieder. Licht und Schatten im ständigen Wechselspiel. Es gibt keinen Halt, nur endlose Rotation. Immer wieder dreht sich die Wand vorbei an der Kamera. Oder ist es die Kamera, die kreist? Immer um dieselbe Wand oder sehen alle Wände gleich aus? Sind es Wände oder nur weisse Flächen? Bodamer definiert weder Ort noch Funktion, weder Dimension noch Dauer. Sie baut Kulissen für ein Stück ohne Schauspiel und verführt zum Schauen.

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