Von Bruderhass und Sehnsucht

Das Origen-Festival bringt in den kommenden Wochen vier Ballett-Uraufführungen von jungen, internationalen Choreographen auf die Bühne. Den Auftakt machte «Joseph» der Japanerin Yuka Oishi.

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Modern interpretierte Josephslegende: das Ballett «Joseph». (Bild: pd/Bowie Verschuuren)

Modern interpretierte Josephslegende: das Ballett «Joseph». (Bild: pd/Bowie Verschuuren)

RIOM. Die diesjährigen Uraufführungen des Origen-Festival drehen sich um das Thema «Exodus». Der Verlust von Heimat, Exil und Emigrantentum in allen seinen Facetten prägen den Festivalsommer. Der alttestamentarischen Josephslegende kommt eine besondere Rolle zu: sie bildete die literarische Basis sowohl für die Vokaloper «Benjamin» von Gion Antoni Derungs, als auch für das Ballett «Joseph» von Yuka Oishi.

Am Anfang von Oishis Interpretation der Josephslegende steht die Frage nach dem Hass. «Was muss in einer Familie passieren, damit Brüder sich gegenseitig umbringen?». Oishi beantwortet die Frage mit einer fein gesponnenen Choreographie. Joseph hat einen Zwillingsbruder, dessen Gehör geschädigt ist. Josephs Zwillingsbruder verschliesst sich immer mehr, sein Hass steigert sich.

Eingeflochten ist eine zweite Beziehungsgeschichte, die ebenfalls aus der Josephslegende stammt. Potiphar, Chefbeamter in Pharaos Diensten, vernachlässigt seine Frau; sie vereinsamt und sehnt sich nach der Zuneigung des Sklaven ihres Mannes. (red.)

Weitere Aufführungen: 30./31.7. und 2./5.8., 21 Uhr (So 16 Uhr), jeweils mit Einführung ins Werk; www.origen.ch