Von Boston nach Münster

Der einstige US-Punkmusiker Joe McMahon hat sein bisheriges Leben in den USA zurückgelassen. Darum drehen sich nun seine Songs – morgen live.

Marc Peschke
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Vom Punk zum folkigen Rock gewechselt: Musiker Joe McMahon präsentiert in der Grabenhalle sein neues Album. (Bild: PD)

Vom Punk zum folkigen Rock gewechselt: Musiker Joe McMahon präsentiert in der Grabenhalle sein neues Album. (Bild: PD)

«Another Life» heisst das neue, bei «Gunner Records» erschienene Album von Joe McMahon – und das nicht ohne Grund: «Seit meinem letzten Album hat sich für mich eigentlich alles geändert», sagt der amerikanische Gitarrist und Sänger. «Alles, was ich besass, habe ich verkauft und bin mit einem Sack voller Klamotten und zwei Gitarren nach Deutschland gezogen. Über 300 Konzerte in 17 Ländern habe ich in den letzten zwei Jahren gegeben und dabei jede Menge neue Freunde gefunden. Jetzt lebe ich das Leben, das ich mir in dieser Art schon immer wünschte. Bin älter geworden, ohne mich alt zu fühlen. Ein guter Ort für mich!»

Verzweifelt, aber auch optimistisch

Und dermassen euphorisch klingt auch das neue Werk des ehemaligen Bostoners, der gerade in die westfälische Velofahrerstadt Münster gezogen ist. Grenzen der Genres werden hier einfach mal eingerissen: Mal erinnert diese Musik an die Manic Street Preachers, dann wieder an McMahons alte Punkband Smoke Or Fire, dann an hoch energischen Folk-Punk. Verzweifelt klingt diese Musik, aber auch optimistisch wie bei «Great Big Eyes». Der Neuanfang, er ist toll, aber auch nicht ganz leicht, so denkt man beim Hören.

Mit illustren Gastmusikern wie Chris Wollard von Hot Water Music oder Kaleb Stewart von As Friends Rust hat Joe McMahon sein Album eingespielt; doch ist es auch ein typisches Solowerk eines Ex-Punkers, der sich gerne mal zum Folk- und Countrysänger verwandelt, ohne seine Wurzeln ganz zu vergessen – auf Tour kommt er allerdings mit Band.

Das Pathos des eigenen Lebens

Vor allem erzählt «Another Life» vom eigenen Leben, von der Trennung nach einer langjährigen Beziehung, von dem Entschluss, die USA zu verlassen, von dem Moment, als McMahon die meisten seiner Habseligkeiten hinter seinem Haus verbrannte. Das klingt pathetisch? So ist auch die Musik: Zeilen wie «If I could bring you back / What more could we say / About how it all went black / 'Bout what we are today / And what me might have been» offenbaren den Musiker als Grübler. Doch Trauer und Schmerz sind nur eine Seite, die dieses Album ziemlich gut beschreibt. Freunde von Frank Turner oder auch Chuck Ragan sollten das Konzert keinesfalls verpassen. Den Abend eröffnet Denis, Sänger der Stoner-Band Bronco aus Schaffhausen.

Fr, 7.10., 21.30 Uhr, Grabenhalle, St. Gallen