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Von Atmosphäre und Farbe gesättigt: Turner im Kunstmuseum Luzern

Der Engländer William Turner bereiste auf der Suche nach eindrücklichen Motiven auch die Schweiz. Das Kunstmuseum Luzern widmet dem berühmten Maler die Ausstellung «Turner. Das Meer und die Alpen». Sie beleuchtet, wie er Landschaften zum Leben erweckte.
Céline Graf
Leinen los für die grosse Turner-Schau im Kunstmuseum Luzern. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 3. Juli 2019)

Leinen los für die grosse Turner-Schau im Kunstmuseum Luzern. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 3. Juli 2019)

Die Indizien sind eindeutig: Ein Künstler von Weltruhm ist hier zu Gast. Ein riesiges Banner hängt an der Fassade des Kunstmuseums Luzern. Polizisten haben die Einrichtung der rund 100 Werke bewacht. Und als Kontrast zu den Naturmotiven stechen in der Ausstellung «Turner. Das Meer und die Alpen» viele opulente Goldrahmen ins Auge.

Das Kunstmuseum Luzern leistet sich zum 200-Jahr-Jubiläum seiner Trägerin, der Kunstgesellschaft, eine Einzelausstellung zum britischen Starmaler der Romantik, William Turner.

Die Schau mit einer Versicherungssumme von über einer halben Milliarde Franken ist eine Kooperation mit dem Londoner Tate-Britain-Museum, das den staatlichen Nachlass des Künstlers verwaltet und erforscht. Gemeinsam kuratiert haben sie die Luzerner Museumsdirektorin Fanni Fetzer, Beat Wismer, ehemaliger Leiter des Kunstpalasts Düsseldorf und des Kunsthauses Aargau, sowie David Blayney Brown, Turner-Spezialist der Tate.

Es geht um Turners Meisterfach: die Landschaftsmalerei. Dafür bereiste er auch sechsmal die Schweiz, besonders wegen seiner Sehnsucht nach den Alpen.

Turner war zum Beispiel begeistert von der Zentralschweizer «Landschaft der Freiheit» um den Vierwaldstättersee, wahrscheinlich beeinflusst von den Napoleonischen Eroberungen. Die Schauplätze der eidgenössischen Unabhängigkeitssaga «Wilhelm Tell» wurden zur Zeit seiner Reisen durch Schillers und Goethes Adaptionen fürs Theater und Rossinis Oper «Guillaume Tell» zu beliebten Touristenorten.

«Realer und fiktiver Ort verschmelzen in der Wahrnehmung von internationalen Gästen miteinander», sagt Fanni Fetzer. Das erlebe sie persönlich auch, wenn sie von ihrem Heimatdorf Maienfeld im Graubünden erzähle, wo das bekannteste Schweizer Buch «Heidi» spielt.

Doch wenn bei Turner menschliche Szenen aus Geschichte, Literatur oder Bibel vorkommen, spielen sie eine untergeordnete Rolle. Wichtiger war ihm das Einfangen von Stimmungen des Lichts und der Naturelemente. Er sagte einmal:

«Atmosphäre ist mein Stil.»

Und von diesen Atmosphären bietet die Ausstellung, so weit das Auge reicht. Nach dem etwas kunterbunten Anfangsraum, der die Breite von Turners Schaffen aufzeigt, sind die Räume gegliedert nach Themen wie Berge und Land, Meer und Seefahrt oder Sonnenuntergang und Horizont.

Mit Beharrlichkeit und Experimentierfreude

Automatisch packen einem zunächst die grossformatigen und bekannteren Ölgemälde Turners. Etwa die Seebestattung des Künstlers David Wilkie, einem Freund von Turner («Peace – Burial at Sea», 1842): Das brennende Schiff als kohlenschwarzes Zentrum des Bildes entwickelt live einen noch stärkeren Sog.

«Peace – Burial at Sea», ca. 1842, © Tate, London, 2019. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 3. Juli 2019)

«Peace – Burial at Sea», ca. 1842, © Tate, London, 2019. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 3. Juli 2019)

Oder die Lawine in Graubünden («The Fall of an Avalanche in the Grisons», 1810): Ihr Getöse ist im Museum beinahe hörbar, bestehend aus gelben, weissen und braunen Wolken, Zacken und Schlieren. Dabei hatte Turner diese Lawine nicht selbst gesehen, sondern wohl auf seine Erfahrungen und Erzählungen zurückgegriffen.

«The Fall of an Avalanche in the Grisons», ca. 1810, © Tate, London, 2019. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 3. Juli 2019)

«The Fall of an Avalanche in the Grisons», ca. 1810, © Tate, London, 2019. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 3. Juli 2019)

Am spannendsten ist die Betrachtung der Aquarelle und Zeichnungen. Darunter auch Serien aus seinem Studienbuch «Liber Studiorium», in dem er verschiedene Landschaftstypen mit seiner beharrlichen, impulsiven und experimentierfreudigen Art untersuchte.

«Technisch handhabte er Aquarelle wie Ölbilder», sagt Eveline Suter, Leiterin Kommunikation und wissenschaftliche Mitarbeiterin. Er verschmierte, kratzte und schabte die Wasserfarben, die im Gegensatz zu Ölfarbe in die Unterlage einziehen, mit Werkzeugen und Händen. So ist ein Sonnenuntergang mal klar zu erkennen, mal ein paar Flecken und mal eine undefinierbare Fläche, die nur aus Licht gemalt zu sein scheint.

Hinweis: «Turner. Das Meer und die Alpen», Kunstmuseum Luzern bis 13. Oktober 2019. Vernissage (öffentlich, Teilnehmerzahl beschränkt, Reservation nicht möglich): Freitag, 5. Juli, 18.30 Uhr. Tickets und weitere Infos: www.turner2019.ch.

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