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Volkskulturfest Obwald: Vom Toggenburg ins Muotatal

Am diesjährigen Obwald begegnen sich die Musik aus dem Toggenburg und aus dem Muotatal. Ein wichtiges Bindeglied ist der Volksmusiker Simon Lüthi (36).
Pirmin Bossart
Simon Lüthi hat am diesjährigen Obwald eine «Carte Blanche» erhalten. (Bild: PD)

Simon Lüthi hat am diesjährigen Obwald eine «Carte Blanche» erhalten. (Bild: PD)

Martin Hess, künstlerischer Leiter von Obwald, freut sich dieses Jahr nicht nur auf das Gastland Portugal und die musikalischen Entdeckungen, die er im tiefen Süden des Landes gemacht hat. Besonders gespannt ist er auf die beiden Schweizer Gastregionen Toggenburg und Muotatal. «Es ist das erste Mal, dass wir zwei Regionen so gut miteinander verbinden können. Das ist nur möglich dank Simon Lüthi. Er ist ein exzellenter Musiker und ein feiner Kerl.»

Simon Lüthi hat am Obwald eine «Carte blanche» erhalten, um die beiden Regionen Toggenburg und Muotatal volksmusikalisch vorzustellen. Lüthi ist prädestiniert für diese Aufgabe. Er ist selber ein ausgezeichneter und vielseitiger Musiker. Er spielt Schwyzerörgeli, Akkordeon, Kontrabass und singt Naturjodel. Zudem ist er ein leidenschaftlicher Tänzer und Bödeler. Lüthi grinst. «Aber das mache ich nur, wenn die Musik einen Zwick hat. Sie muss mich mitreissen, berühren, dann stimmt’s.»

Mit der Familienkapelle unterwegs

Aufgewachsen in einer musikalischen Familie, hat Simon Lüthi schon als Kind am Örgeli herumgedrückt und Sachen ausprobiert. Sein Vater spielte in der Formation Echo vom Speer. 1990 gründete dieser das Ländlertrio Tanzboden, daraus entstand die Familienkapelle Lüthi mit Mutter und Vater und den Kindern Simon, Mathias und Claudia. Inzwischen hat Simon Lüthi mit dem Ländlerquartett Tanzboden wieder eine eigene Formation und ist auch sonst musikalisch viel unterwegs.

«Die Leidenschaft für die Volksmusik und das Brauchtum habe ich in meiner Familie aufgesogen. Die ganze Verwandtschaft macht Musik», sagt Lüthi. Er habe aber immer «alles und verschiedenes» gehört. Die musikalische Offenheit sei für ihn etwas Selbstverständliches. «Wenn etwas gut gespielt ist und es mich berührt, ist es egal, in welchem Stil diese Musik ist. Dann ist es einfach gute Musik.» Trotzdem hatte er nie eine Phase, in der er Rockmusik oder Pop machen wollte. «Meine Leidenschaft galt in erster Linie immer der Ländlermusik.»

Als Mitglied der Familienkapelle hat er schon früh die Innerschweiz näher kennen gelernt. «Als ich noch zur Schule ging, haben wir viel in Obwalden gespielt, an Älpler-Kilbis und an Trachten- und Jodleranlässen.» Heute sei man mobil, sagt Lüthi, da gebe es viel Austausch unter den Volksmusikern. «Muotataler gehen ins Toggenburg in den Ausgang und umgekehrt.» Auch die Musiker untereinander würden sich kennen. Mit vielen finde ein reger Austausch statt.

Musikalische und verwandtschaftliche Bande

Musikalisch sind das Toggenburg und das Muotatal nicht ganz weit weg voneinander. Es habe schon immer musikalische Verbindungen zwischen dem Toggenburg und dem Muotatal gegeben, sagt Lüthi. Er erinnert an den bekannten Ländlermusiker und Komponisten Willi Valotti, der mit dem Muotataler Franz Schmidig senior, genannt Lunni-Franz, geörgelt hatte. «Schmidig war eines der Vorbilder von Valotti.» Zudem ist in beiden Gebieten der Naturjuuz oder der Naturjodel heimisch, wie er im Toggenburg genannt wird.

Wenn die Toggenburger mehrstimmig juuzen, nennen sie das «johlen». Auch im benachbarten Appenzell ist der Naturjodel allgegenwärtig. In Appenzell Innerrhoden heissen die Naturjodel «Rugguusseli», in Appenzell Ausserrhoden «Zäuerli». Der Toggenburger Naturjodel sei in vielem dem Muotataler Natur­juuz ähnlich, weiss Lüthi. «Er ist eine Spur rauer und archaischer als das Zäuerli. «Melodisch gibt es nicht so grosse Unterschiede, diese liegen vor allem im Rhythmischen und in der Stimmgabe.»

Die Toggenburg-Muotatal-Bande gehen im Falle von Simon Lüthi noch tiefer. Seine Lebenspartnerin ist Karin Gwerder, eine Muotatalerin. Sie ist das Grosskind von eben diesem Franz Schmidig, der mit dem Toggenburger Willi Valotti spielte. Letztes Jahr jodelte Karin Gwerder am Obwald mit einer jungen Sängerin aus Georgien. Bei dieser Gelegenheit war auch Simon Lüthi vor Ort und lernte so Martin Hess kennen. «Obwald war mir schon immer ein Begriff. Aber ich hatte zuvor nie die Gelegenheit gehabt, diesen schönen Anlass zu besuchen.»

Mathias Lüthi, der Bruder von Simon, hat ebenfalls eine Muotataler Partnerin. Sie ist die Cousine von Karin Gwerder, heisst Cécile Schmidig und bläst Büchel. Und ja: Auch seine Schwester habe es in die Innerschweiz gezogen, sagt Lüthi. «Sie hat ins Nidwaldische geheiratet.»

Spontane Aktionen auf der Bühne

Für die Carte blanche hat Lüthi verschiedene Musiker angefragt, die er kennt und mit denen er ein gutes Verhältnis hat. «Es hat jüngere Musiker dabei, die bei mir in den Musikunterricht gingen. Auch Martin Hess hat einige Inputs gegeben, aber ich habe das alles selber zusammengestellt.» Der Musiker hofft, dass es am Obwald auch ausserhalb des fixen Programms zu musikalischen Begegnungen kommt. «Ich bin fast sicher, dass sich im Verlauf des Festivals spontane Aktionen auf und hinter der Bühne ergeben werden.»

Obwald: 28. Juni bis 1. Juli. Für den Sonntag hat es noch Tickets. Informationen und Programm: www.obwald.ch.

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