Vom Toggenburg in die Konzertsäle der Welt: Er feilt für die Flötenkönigin am Klang

Musiker von Weltrang bestellen bei ihm Instrumente: Der Mogelsberger Blockflötenbauer Christoph Trescher fokussiert sich auf Spezialanfertigungen für Berufsmusiker. Und erschafft für seine Instrumente einzigartige Klangcharakter. Dabei startete er als Ungelernter.

Bettina Kugler
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Für das «Voicing» braucht Christoph Trescher nicht nur gute Ohren. Er formt dabei den Klangcharakter der Flöte. Bild: Urs Bucher

Für das «Voicing» braucht Christoph Trescher nicht nur gute Ohren. Er formt dabei den Klangcharakter der Flöte. Bild: Urs Bucher

Die Kundschaft gibt sich nicht gerade die Klinke in die Hand. Zumal die Tür zu Christoph Treschers kleinem Reich nur findet, wer sie wirklich sucht. Zwar liegt die Werkstatt direkt an der Dorfstrasse von Mogelsberg – Halt auf Verlangen –, doch gut versteckt im Schatten eines üppigen Vorgärtchens. Am Haus prangt, leicht verblichen, das Schild «Blockflötenhandlung».

Zwei- bis dreimal im Jahr macht sich jemand eigens auf den Weg, um hier bei Christoph Trescher Instrumente anzuschauen und in aller Ruhe auszuprobieren. Der Rest sind Bestellungen. Postsendungen verbinden den Blockflötenbauer mit Musikern und anspruchsvollen Amateuren.

Christoph Trescher baut seine Flöten in allen Grössen und Holzarten. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Christoph Trescher baut seine Flöten in allen Grössen und Holzarten. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Noch vor ein paar Jahren kamen die Kinder aus dem Dorf und aus den umliegenden Ortschaften, um ihre Schulflöte in Treschers Geschäft auszuwählen: preiswerte Fabrikinstrumente aus Birnbaum-, Kirsch- oder Ahornholz. Unterdessen konzentriert sich der Blockflötenbauer auf Spezialanfertigungen, vor allem für Berufsmusiker, darunter beispielsweise die international gefeierte Kölner Blockflötistin Dorothee Oberlinger. Auf ihrer neuen CD «Night Music» spielt sie ein bei ihm in Auftrag gegebenes Instrument, 2012 gefertigt nach Modellen aus dem Frühbarock in tiefer Stimmung von 415 Hertz.

Die Hardware ist in der Alten-Musik-Szene Teil des klingenden Kunstwerks. Und so steht die «Sopranino in f von Christoph Trescher, Mogelsberg» im CD-Booklet an allererster Stelle, noch vor den musikalischen Mitstreitern der Blockflötistin.

Ja, Dorothee Oberlinger: Sie sei auf Umwegen zu ihm gekommen, erzählt Christoph Trescher. Bei ihm in Mogelsberg war sie nie, doch die Schweiz steht oft auf ihrem Konzertkalender. Als Oberlinger letzten Dezember im Meisterzyklus der Tonhalle St.Gallen auftrat, war die Sopranino in f mit von der Partie. Aufgeregt sass Christoph Trescher im Publikum. «Es war das erste Mal, dass ich eine meiner Flöten im Konzert hörte», sagt er – gespielt von der Queen unter den grossen Virtuosen.

Sein feines Werkzeug stellt er selber her

Natürlich hat das Instrument seinen Preis. Jahrzehntelange Expertise und Tüftelei machen sich klanglich bemerkbar, auch für weniger geübte Ohren als die des Flötenbauers. Er braucht sie, vor allem für das «Voicing» , bei dem die Flöte ihren Feinschliff bekommt und ihren Klang­charakter.

Seine Flöten muss Christoph Trescher auf den Klang hin selber ausprobieren (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Seine Flöten muss Christoph Trescher auf den Klang hin selber ausprobieren (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Die Werkzeuge dazu stellt Christoph Trescher selber her, aber noch wichtiger ist sein gutes Gehör. Ebenso entscheidend: die Neugier und Leidenschaft, mit der er sich in das Metier vertieft. Eine «kleine Welt», wie er sagt, die aber weitläufig wird, wenn man die Quellen studiert, wenn man alte Instrumente zu erforschen und nachzubauen beginnt.

Dass es so ruhig ist in seiner Werkstatt, mag Christoph Trescher. So kann er die Welt um sich herum vergessen beim Her­umpröbeln. Probiert hat er auch andere Berufe. Er machte eine kaufmännische Lehre, jobbte als Bademeister, begann als Ungelernter bei Huber in Horgen zu arbeiten und lernte da feilen, wie er lachend sagt. Ein Schlüssel zu seiner heutigen Meisterschaft im Flötenbau.

Flötenbauer Christoph Trescher vergisst beim Arbeiten die Welt um sich. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Flötenbauer Christoph Trescher vergisst beim Arbeiten die Welt um sich. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Sein Ordner mit Bauplänen historischer Flöten: ein Schatz für nachfolgende Generationen

Viel gelernt hat er am Modell: indem er Instrumente millimetergenau ausmessen und dokumentieren konnte – etwa die Sammlung der Bogenhauser Künstlerkapelle, einem Pionierensemble der Alten Musik. Eine ganze Woche lang war er dafür in Bayern. Die Baupläne hat er in einem grossformatigen Ordner abgelegt: ein Schatz, der eigentlich in den Banksafe gehört.

«Museen sind heute restriktiv; oft darf man dort aufbewahrte Instrumente nicht einmal als Fachmann anfassen.»

Für ihre Konzertauftritte wünschen sich Musiker Blockflöten, die «lufthungrig» sind, also lauter gespielt werden können. Christoph Trescher persönlich bevorzugt den obertonreichen, hellen Klang. In seiner Werkstatt ist er brillant genug.

Christoph Trescher spielt in seinem Laden in Mogelsberg auf dem Krummhorn - ein Exot unter seinen Flöten. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Christoph Trescher spielt in seinem Laden in Mogelsberg auf dem Krummhorn - ein Exot unter seinen Flöten. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Flöten, die nicht wie Flöten klingen

Die Blockflöte kämpft mit einem schlechten Ruf. Das liegt auch an den im Schulunterricht verwendeten Instrumenten, finden die drei Gründer und Inhaber der Meyerrecorders GmbH, die in Hemberg Bächli Blockflöten herstellen.
Ruben Schönenberger

Flötenbauer aus Leidenschaft

GÄHWIL. Seit er 15 Jahre alt ist, spielt Thomas Fehr Querflöte. Nach dem Musikstudium machte er seine Leidenschaft zum Beruf und wurde Flötenbauer. In seiner Werkstatt in Gähwil baut er jedes einzelne Element der Holzflöten selbst.
Vivien Steiger