Vom Strich zum Comic

Fumetto Heute startet in Luzern das 20. internationale Comic-Festival Fumetto. Direktor Lynn Kost über Manga-Kids, In-den- Raum-Zeichnen und Fingermalerei. Hans Keller

Drucken
Teilen
Die Welt in Bildern: Werke von Jim Shaw (US-Amerika), Tommi Musturi (Finnland), Noyau (Schweiz), Laurent Impeduglia (Belgien) und Atak (Deutschland), von oben links im Uhrzeigersinn. (Bilder: Fumetto)

Die Welt in Bildern: Werke von Jim Shaw (US-Amerika), Tommi Musturi (Finnland), Noyau (Schweiz), Laurent Impeduglia (Belgien) und Atak (Deutschland), von oben links im Uhrzeigersinn. (Bilder: Fumetto)

Herr Kost, wollen Sie den kommerziellen Comic-Markt nach wie vor nicht ans Fumetto holen?

Lynn Kost: Nein. Unser Konzept hat nun zwanzig Jahre gut funktioniert. Wir feiern die Künstler und die Kunst. Natürlich kann man bei uns auch Bücher kaufen, aber wir wollen vor allem, dass die Leute die Ausstellungen besuchen und mehr über das Gesehene und die Künstler erfahren möchten.

Geschieht das denn auch wirklich, wenn, sagen wir mal, Familien mit Kids kommen, die Manga verschlingen und von einem Comic-Festival etwas ganz anderes erwarten, als Sie es bieten?

Kost: Ich denke schon. Es gibt bei uns keine Hemmschwellen wie etwa in einem Museum, und unser Anlass besitzt auch Festcharakter. Die Leute, die kommen, sollen sich überraschen lassen von dem, was wir ihnen präsentieren. Im übrigen ist es nicht unser Ziel, eine Massenkultur zu repräsentieren.

Welche Inhalte vermittelt Fumetto heute?

Kost: Fumetto hat sich in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich weiter entwickelt. Von den Anfängen bis heute ging es unter anderem darum, junge Leute zum Zeichnen anzuregen. Wir wollen dem Medium Zeichnen in all seinen Formen eine Plattform bieten.

Also weg von einer engen Auffassung von Comic?

Kost: Fumetto ist kein reines Comic-Festival, obschon der Comic den Takt angibt. Comics und freie Zeichnungen koexistieren bei uns. Wir wollen die Qualitäten verschiedener zeichnerischer Auffassungen und die Zeichnung als narratives Medium präsentieren. Denn sobald ein Strich auf das Papier gelangt, wird etwas erzählt, was sich dann bis zum Comic weiterentwickeln kann. Es gibt aber auch Zeichner, bei denen sich das Narrative vom Blatt löst und in eine Performance mündet. Da wird dann sozusagen in den Raum hineingezeichnet. All das interessiert uns.

Können Sie uns Beispiele unkonventioneller Comic-Auffassungen geben, die dieses Jahr am Fumetto präsentiert werden?

Kost: Jim Shaw, ein Amerikaner von der Westküste, verbindet beispielsweise verschiedene Aspekte der Hoch- und Populärkultur miteinander. Er zeigt am Fumetto Werke, die sich erzählerisch sowohl mit einem wichtigen Superman-Zeichner als auch mit der visionären Welt des englischen Prä-Romantikers William Blake beschäftigen, der dichtete und zeichnete. Als Ausbruch aus dem Comic wird auch die Schau des Schweizers Noyau daherkommen, besteht sie doch aus expressiven, fingergemalten Einzelbildern mit Momenten aus dem Leben des Künstlers.

Wie gut steht Fumetto wirtschaftlich gesehen da?

Kost: Wir sind so gut abgesichert, dass wir das Festival in der bestehenden Ausrichtung auch nächstes Jahr durchführen können. Die Finanzierung ist gedrittelt: ein Drittel sind Eigeneinnahmen, ein Drittel kommt aus der öffentlichen Hand und von Stiftungen, ein Drittel wird durch Sponsoring abgedeckt.

Lynn Kost Festivaldirektor (Bild: Quelle)

Lynn Kost Festivaldirektor (Bild: Quelle)

Aktuelle Nachrichten