Vom Städtebau bis zur Türklinke

Kommenden Montag wird das Architekturbüro Staufer und Hasler mit Sitz in Frauenfeld und Zürich mit dem Prix Meret Oppenheim ausgezeichnet. Gelobt werden die «soliden Bauprojekte, die sich am Lokalen orientieren und die unmittelbare Umgebung mit einbeziehen».

René Hornung
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Blick in die Bibliothek der Kantonsschule Wil von Staufer und Hasler. (Bild: pd/Heinrich Helfenstein)

Blick in die Bibliothek der Kantonsschule Wil von Staufer und Hasler. (Bild: pd/Heinrich Helfenstein)

Schon der erste grosse Bau des Architekturbüros Staufer und Hasler sorgte 2004 bei der Eröffnung für Staunen: Die Kantonsschule Wil ist ein Holzbau – zusammengesteckt und verschraubt. Die wuchtigen Hohlkastenträger über der Dreifachturnhalle sind zwei Meter hoch.

Deutlich bescheidener in den Dimensionen, aber konstruktiv ebenso ausgeklügelt ist der neueste Bau des Büros, das «Fachstellenhaus» der landwirtschaftlichen Schule Arenenberg. Von aussen eher unscheinbar und so plaziert, als hätte es dort schon immer gestanden, ist auch dieser Holzbau eine konstruktive Neuerfindung. Entwickelt wurde sie zusammen mit dem Churer Ingenieur Jürg Conzett. Mannsdicke Stützen zeigen hier, welche Kräfte wirken.

Lohnender Blick aus der Nähe

Die Zusammenarbeit von Staufer und Hasler mit Jürg Conzett ist nicht neu. Zusammen haben sie 2005 das Medienhaus des rätoromanischen Radios und Fernsehens in Chur geplant und realisiert und dort für grosse freie Erdgeschossräume gesorgt. Bei den Murg-Auen in Frauenfeld, die diesen August eingeweiht werden, entwarfen Staufer und Hasler zuerst den Gesamtplan mit dem neuen Freizeitgebäude. Danach überliessen sie die Details der fünf Brücken Jürg Conzett und die Landschaftsgestaltung dem Rorschacher Fachmann Martin Klauser.

Der wohl bekannteste Bau von Staufer und Hasler ist das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. Wer dessen Turm nur aus der Distanz betrachtet, sieht bloss das in die Höhe strebende Raster. Doch der genauere Blick aus der Nähe zeigt: Die Fassade besteht aus zwei Schichten, die ein Spiel von Licht und Schatten erzeugen. In den repräsentativen Erdgeschossräumen setzten die Architekten neben Beton Stucco, Terrazzo und Holz ein und schufen so ein nobles Zusammenspiel.

In der Lehre tätig

Astrid Staufer (1963 geboren) und Thomas Hasler (1957) arbeiteten einst beide bei Meili Peter Architekten in Zürich und gründeten vor zwanzig Jahren ihr eigenes gemeinsames Büro. Inzwischen sind sie auf sechzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen, fünf davon arbeiten in Zürich.

Beide Bürogründer haben einen engen Bezug zur Ostschweiz. Thomas Hasler wuchs in Guntershausen bei Aadorf auf, und Astrid Staufer verbrachte einen Teil ihrer Kindheit am Bodensee. Beide engagieren sich in der Lehre: Astrid Staufer leitet einen Kurs an der Fachhochschule Winterthur, Thomas Hasler unterrichtet an der Universität Wien, und er hat sich für die Wiedereinführung einer Architektenausbildung an der Fachhochschule St. Gallen stark gemacht. «Wichtig ist, dass der Lehrgang ein klares Profil bekommt», betont er.

Astrid Staufer und Thomas Hasler forschen und publizieren regelmässig. «In den Bauten spürt man ihr grosses Wissen und den Bezug zur Architekturgeschichte. Sie ahmen nicht nach, sondern verstehen es, eigene Stimmungen zu schaffen, und gehen sehr präzise auf die Orte und Nutzungen ein», sagt «Hochparterre»-Redaktor Axel Simon, der die Bauten von Staufer und Hasler gut kennt. Wie das dann in der Realität aussieht, kann man unter anderem im Zürcher Kino Riffraff erleben. Dort haben die Architekten auch die Kinosessel entworfen.

Strenge und Lockerheit

Das Beispiel zeigt: «Staufer und Hasler entwickeln in einem Projekt immer Aspekte – vom Städtebau bis zur Türklinke», sagt Ueli Vogt, der Kurator des Zeughauses Teufen. Mitunter sei es dann das Detail, das zeige, wo die Lösung fürs grosse Ganze liege. Vogt arbeitete selber bei Hasler und Staufer und findet einzigartig, wie die Architekten selbst bei Grossprojekten «das Kassenbuch selber führen» und sich so eine starke Position gegenüber den Generalunternehmen sichern können.

Architekturjournalist und «Tec-21»-Redaktor Marko Sauer, ebenfalls ein ehemaliger Mitarbeiter des Büros, beschreibt die Arbeitsweise als Mischung zwischen Strenge und Lockerheit: «Wie bei einem Tanz», so vergleicht er, «braucht es auch in der Architektur Regeln und Freiheit». Legendär seien Thomas Haslers Aufforderungen, zuerst einen Raster zu zeichnen, um sich dann aber im Entwurf in alle Richtungen frei bewegen zu können.

Zahlreiche neue Projekte

Astrid Staufer und Thomas Hasler erhalten mit dem Prix Meret Oppenheim einen Preis, für den man sich nicht bewerben kann. Eigene Bewerbungen um Preise reichten sie nie ein, sagte Astrid Staufer dieser Tage der «Thurgauer Zeitung», sie seien keine «Preisjäger».

Die Preisverleihung ist aber nur ein Zwischenstop. Vom Büro, seinen Bauten und Projekten wird man schon sehr rasch wieder lesen. Denn das Kantonsspital Chur ist im Bau, in Wil gibt es ein Projekt für urbanes Wohnen an der Unteren Bahnhofstrasse, in Frauenfeld wird der Ergänzungsbau der Post durch einen Neubau ersetzt, in Zürich werden beim Fernsehstudio neue Hochhäuser entstehen, und auch in Buchs wird wahrscheinlich ein Hochhaus gebaut – das Architekturbüro heisst in all diesen Beispielen: Staufer und Hasler.

Astrid Staufer, Thomas Hasler Staufer und Hasler, Architekten in Frauenfeld und Zürich (Bild: pd)

Astrid Staufer, Thomas Hasler Staufer und Hasler, Architekten in Frauenfeld und Zürich (Bild: pd)