Vom Schülerchor in die Charts

Mit ihrem Début «The Spell» schaffte es die Baselbieter Sängerin Ira May überraschend auf Platz eins der Schweizer Hitparade. Die 26-Jährige sang als Kind im Chor mit Baschi. Wie dieser flog sie einst bei der Castingshow «Music Star» raus.

Reinhold Hönle
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Flog bei «Music Star» in hohem Bogen raus, zum Glück: Ira May. (Bild: pd)

Flog bei «Music Star» in hohem Bogen raus, zum Glück: Ira May. (Bild: pd)

Ira May, wie haben Sie erfahren, dass Sie die Nummer eins sind?

Ira May: Ich war zu Hause und wollte gerade zu Abend essen, als mein Manager schrieb, er müsse mit mir sprechen. Zuerst dachte ich: Oh Mann, ich will jetzt essen. Er rief dann aber an und sagte, er zähle von zehn an rückwärts und stoppe bei meiner Charts-Plazierung. Bei vier machte er kurz halt, zählte dann ganz schnell drei-zwei-eins. Die Botschaft kam zuerst gar nicht an, ich war sprachlos, und ich kann auch jetzt noch nicht ganz verstehen, was das für mich bedeutet.

Wurden Ihre Erwartungen an das Album übertroffen?

May: Extrem! Der Grundgedanke war, dass ich ein Album mache, das cool klingt. Mit meinem Team zielte ich überhaupt nicht auf die Charts ab. Wir dachten, wir machen mal tausend CDs. Wir waren dann verblüfft, als der Song «Let You Go» so viel Erfolg hatte und auf Platz eins landete.

Womit habt Ihr denn gerechnet?

May: Unsere Erwartung lag etwa bei Platz 30 oder 40. Dass wir aber gleich so stark einsteigen, hätte niemand gedacht.

Über welchen Zeitraum sind die Songs Ihres Débuts entstanden?

May: Wir haben für das Album fast zwei Jahre gebraucht, weil ich wegen meines Jobs immer nur an verlängerten Wochenenden nach Deutschland reisen konnte, um an meinem Album zu arbeiten. So hat sich das Ganze in die Länge gezogen. Dann gingen wir auch noch durch verschiedenste Phasen. Mal waren wir sehr motiviert, dann sehr demotiviert, dann verloren wir den Faden und fragten uns, was wir eigentlich wollen. Als wir mehr oder weniger fertig waren, wussten wir immer noch nicht genau, wie es weitergehen sollte. Dann haben wir die Single «Let You Go» veröffentlicht – mussten wir ja fast – und hatten extremen Erfolg damit. Wir drehten spontan das Video dazu in London. Das hat die Motivation wiederum sehr gefördert.

Die Leute sind besonders von Ihrer Stimme beeindruckt. Wie stark hat sich diese seit Ihrer Teilnahme an der Castingshow «Music Star» im Jahr 2002 entwickelt?

May: Bis zum 26. Lebensjahr verändert sich die Stimme durch das Wachstum und ist wandelbar. Natürlich hatte ich früher eine höhere und zartere Stimme. Ich wusste da aber auch noch nicht, was ich mal machen will. Aber ich hatte lange Gesangsunterricht, auch klassischen. Dabei habe ich viel Technisches gelernt. Erst am Schluss habe ich angefangen, eigene Songs zu schreiben. Da habe ich dann gemerkt, dass ich keine Opern- oder Jazzsängerin werden will. Ich habe das Gefühl, dass erst mit dem Schreiben eigener Songs auch meine Stimme zur Geltung gekommen ist.

War das Ausscheiden bei «Music Star» ein harter Schlag?

May: Dass ich nicht weiterkam, war am Anfang – also im Moment nach der Entscheidung – schon schlimm. Aber das war so, weil sehr viel Last von mir abfiel. Damals war das eine grosse Sache, ich war ja erst 15 Jahre alt. Aber ich habe danach nie den Mut verloren, das war überhaupt kein Thema. Ich habe munter weitergesungen und bin jetzt auch froh, dass das damals nicht weitergegangen ist.

Frühe musikalische Erfahrungen haben Sie jedoch in einem Chor gesammelt.

May: Ja, das war der Schülerchor von Gelterkinden. Ich habe zuerst 14 Jahre in Gelterkinden gewohnt, bevor ich nach Sissach zog. Im Chor hatten wir jedes Jahr ein anderes Motto. Einmal war es Schweizer Musik, dann Rock. Wir erarbeiteten unser Programm über das Jahr hinweg, und im Sommer vor den Sommerferien gab es Konzerte.

Sarah-Jane und Baschi haben auch mal in diesem Chor gesungen. Sind Sie ihnen begegnet?

May: Ja, klar. Baschi ist im selben Dorf wie ich aufgewachsen, er war – glaube ich zumindest – mit meinem Bruder in einer Klasse. Sarah-Jane war mit meinem Bruder früher im Kindergarten. Man kennt sich also.

Wurden Sie ungeduldig, als die beiden anderen den Durchbruch vor Ihnen schafften?

May: Überhaupt nicht. Ich gönne Baschi den Erfolg. Wenn er das so macht, wie es für ihn stimmt, ist das gut. Ich gönne es auch Sarah-Jane. Aber für mich waren die beiden kein Ansporn, ich habe mich nie mit ihnen in Verbindung gebracht. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun.

Wegen Ihrer Stimme werden Sie immer mal wieder mit Amy Winehouse verglichen. Stört Sie das?

May: Es ist weniger meine Stimme, die an Amy Winehouse erinnert. Vielmehr sind es gewisse Nuancen und die Art zu singen, die aber nicht nur ich so praktiziere. Klar gab es Songs, bei denen die Leute gefunden haben, dass wir aufpassen müssen, weil das schnell mal so wie bei Amy Winehouse wird. Aber am Ende muss ich doch sagen, dass ich die Songs selbst geschrieben und gesungen habe. Das sind meine Songs, und ich kann ja nicht anders sein als so, wie ich bin. Ich muss mich da nicht ändern. Wir hoffen jetzt natürlich, dass sich die Amy-Winehouse-Vergleiche irgendwie irgendwann verflüchtigen.

Ira May: The Spell (Phonag / Peripherique) Live am Freitag, 28. Februar, im Kugl in St. Gallen und am Samstag, 22. März, im Krempel in Buchs.

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