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Vom Rheintal mit dem Alphorn die Welt erobert

Enrico Lenzin trat vor drei Jahren als Kulturpreisträger des Kantons St. Gallen bei «Die grössten Schweizer Talente» auf. Der Rheintaler überschritt damit eine Tabugrenze. Doch genau dies öffnete ihm das Tor in die Welt.
Michael Hasler
Grenzgänger zwischen Jazz und Archaik: Enrico Lenzin. (Bild: PD)

Grenzgänger zwischen Jazz und Archaik: Enrico Lenzin. (Bild: PD)

Krasnojarsk, Russland, vier Flugstunden von Moskau entfernt ist es 4 Uhr morgens Ortszeit. Doch in der Stimme von Enrico Lenzin tanzt jene Euphorie mit, welche Musiker spüren, die gerade eine Bühne erobert haben. Der 48-Jährige hat Anfang März mit seinem Alphorn in der perfekt inszenierten Eröffnungsfeier der Universiade 2019 die 20'000 Besucherinnen und Besucher begeistert. Auch Ministerpräsident Dmitri Medwedew war anwesend.

Dass die Auftaktshow minutiös geplant und geprobt werden musste, ist Lenzin einerlei. Nicht erst hier in Sibirien ist er der Idee, die ihn schon immer antrieb, einen gewichtigen Schritt näher gekommen: dem Erobern der Welt und möglichst vielen Menschen mit seiner ­Musik. Schon einmal ist ihm, der lange zusammen mit seinem Bruder Peter Lenzin Musikprojekte entwickelte, dies gelungen. Mit dem The Dusa Orchestra tourte er mehrmals durch Europa.

Der Schritt in die Welt hinaus glückte ihm rückblickend erst dank des SRF-TV-Formats «Die grössten Schweizer Talente». Das war vor ziemlich genau drei Jahren. Damals erhielt er einen Telefonanruf, der ihn für das Pre-Casting der TV-Show motivieren sollte. «Ich habe nicht gezögert. Ob sich das nun für einen Jazzmusiker wie mich schickt oder nicht, war mir eigentlich egal. Ich denke nicht in solchen Kategorien», erinnert sich Lenzin.

Bei all seinen Projekten sei es sein Ziel, möglichst viele Menschen mit seiner Musik zu erreichen. Auch seine Kinder hätten ihn gepusht. Lenzin überstand das Pre-­Casting und erhielt später in ­ der Hauptshow hervorragende ­Kritiken und das Ja sämtlicher Juroren.

Überrumpelt von Anfragen

Dass sein Auftritt in der Folge viral ging und 200 000 Mal angeklickt wurde, hatte sich Enrico Lenzin nicht vorstellen können.

«Oft werden solche Formate belächelt, aber es gibt kein Medium, das einen so schnell in eine andere Sphäre katapultiert.»

Innerhalb weniger Tagen gingen rund 100 Anfragen bei ihm ein, von KMU-Betrieben bis hin zu Weltunternehmen.

«Ich wurde völlig überrumpelt und mein Repertoire umfasste damals nur eine wirklich fertige Nummer», gesteht der Soundtüftler. Inzwischen umfasst sein Programm rund 90 Minuten. «Ich habe enorm viel Arbeit und Energie investiert. Aber jede Minute hat sich gelohnt.»

Dank der Starthilfe des Schweizer Fernsehens öffneten sich für Lenzin nun Künstlertüren, die für ihn zuvor verschossen waren. Immer wieder knüpfte er bei Auftritten wichtige Kontakte, obwohl er sich selber für einen schlechten Networker und Smalltalker hält.

Sein Programm, ein virtuoses Hybrid zwischen archaischen Alphornklängen, modernen Loops und mitreissender Perkussion, kitzelt den Nerv einer Zeit, die nach all diesen Ingredienzen zu suchen scheint. «Ich kann wirklich sagen, dass niemand etwas Vergleichbares wie ich mit dem Alphorn macht. Das wird mir überall auf der Welt gesagt», so Lenzin.

100 Auftritte pro Jahr

Enrico Lenzins Auftritte nahmen nach seinem TV-Auftritt zu. Pro Jahr spielte er bald einmal 100 Auftritte. 2017 wurde er an die 1.- August-Feier auf dem Rütli eingeladen. 2018 spielte er für die UNO in Genf, am WEF in Davos, an den Swiss Football Awards.

Die Einladung eines bayrischen Automobilherstellers an den Autosalon ins indische New Delhi erwies sich als Quantensprung. Ein dort aufgezeichnetes Video wurde 800'000 Mal angeklickt und brachte ihn zu einer der ­bekanntesten internationalen Künstleragenturen mit Sitzen in Los Angeles und London.

Zurück in Krasnojarsk ist mittlerweile einzig die Telefonleitung etwas müde geworden. Immer wieder stockt die Verbindung. Enrico Lenzin bleibt entspannt, obwohl er in wenigen Stunden und ohne Schlaf den Flieger nach New York und dann ans Eurojazzfestival nach Mexiko erreichen muss.

Für ihn ist das der Start in den vielleicht turbulentesten Monat seiner Karriere. Nach Mexico folgen Auftritte beim Jazz Festival in Guatemala und beim Jazz Festival in Lima. In Südamerika wird er vom Perkussionisten Andi Pupato (Stiller Haas, Gotthard, Seven) begleitet. Ein knappes Dutzend Konzerte wird das Gespann abliefern. «Ich freue mich riesig, gerade weil ich nicht weiss, was uns erwartet», sagt Lenzin.

Enrico Lenzin und Andi Pupato treten am Internationalen Museumstag am 19. Mai 2019 im Kunstmuseum St. Gallen auf, 13–17 Uhr

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