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Fachklasse Grafik: Karton-Raumschiff und eckiger Trump

In 18 Räumen werden Arbeiten gezeigt, die in der vierjährigen Ausbildung entstanden sind. Spezielles Highlight ist der Raum mit den individuellen Projektarbeiten. Hier beschäftigten sich die Diplomanden mit einem je selber gewählten Thema.
Andrea Portmann
Möglichst schwierige Aufgaben: "Rat-Race" von Travis Lüthi/Mirco Pietri. (Bilder: Pius Amrein, 29. Juni 2018)

Möglichst schwierige Aufgaben: "Rat-Race" von Travis Lüthi/Mirco Pietri. (Bilder: Pius Amrein, 29. Juni 2018)

Im Innenhof der Rössligasse 12 in Luzern haben die Studierenden mit viel Experimentierfreude innerhalb von zweieinhalb Wochen ein ausserirdisches Setting aufgebaut – komplett aus Karton. Dazu gehört das Fragment eines gelandeten Raumschiffes, das den ansteckenden Virus Kreativität verbreitet und als Bar genutzt wird. Man staunt, wie viele verschiedene Strukturen man Karton entlocken kann und was für Details sich daraus zaubern lassen: Lüftung, Drehelemente, Helme und sogar Kartoneis im Cornet.

Im obersten Stock sind die Diplomarbeiten zu sehen; die Themenvorgabe ist jeweils schweizweit dieselbe. Dieses Jahr bestand sie darin, Logo, Grafik und Drucksachen für eine fiktive Musikschule zu gestalten. Hier ist besonders spannend, dass man anhand von Booklets Einblick erhält in den kompletten Gestaltungsprozess aller Arbeiten – der Prozess ist gleichwertiger Bestandteil neben den fertigen Drucksachen und den Plakaten.

Sie stellten sich gegenseitig schwierige Aufgaben

In dem von Marianne Halter mit den Studierenden stimmig eingerichteten Raum findet man eine Fülle an freien Projektarbeiten: Plakate, Bücher, Malerei, Masken, Videoarbeiten, Installationen, ein Kinderbuch und Fotos.

So begaben sich Travis Lüthi und Mirco Petrini in ihrer Projektarbeit «Rat-Race» in eine gestalterische Konkurrenz. Die beiden, die sich sehr gut kennen, stellten sich im täglichen Wechsel gestalterische Aufgaben, von denen sie dachten, der andere könne sie nur schwer bewältigen: etwa die Toilette der Schule als Atelier zu benutzen, um ein Selbstporträt in der Grösse von 2-mal 3 Metern zu machen, jedoch nicht am Stück, sondern aufgeteilt in 100 A4-Blätter. Nach einem Tag präsentierten sie ihre Ergebnisse an einem Scoreboard, und die Mitstudierenden verteilten Punkte. Entstanden ist eine Installation mit 15 bunten Büchern, die 15 «Kämpfe» beinhalten.

Ein Querschnitt durch verschiedene Arbeiten.

Ein Querschnitt durch verschiedene Arbeiten.

In Rateeifer versetzt einen die Zeitung «Mienenspiel» von Milena Soubiran. Sie hat bekannte Persönlichkeiten und Figuren in Form und Farbe auf ein Minimum an Erkennungsmerkmalen reduziert. Ein schräger blonder Balken, ein massiges braunes Mittelteil, darunter blaue, weis­se und rote Vierecke: Donald Trump. Daneben blau, schwarz, weiss und gelbe Balken: Donald Duck! Der Aha-Effekt stellt sich nach wenigen Sekunden ein.

Zwei Wochen auf Frachter, zwei Tage in Schutzanlage

Weitere Arbeiten, wie zum Beispiel die von Stefanie Probst, Jordi Bucher oder Milena Müller, sind Ergebnisse von Erfahrungen in Ausnahmezuständen. Probst verbrachte zwei Wochen ohne Kontakt zur Aussenwelt auf einem Frachtschiff und erforschte in Bild und Text den gesamten Kosmos der Seemänner. Jordi Bucher zog sich für 48 Stunden in eine Zivilschutzanlage zurück, um das Zeitgefühl zu verlieren und verschiedene, selbst auferlegte Gestaltungsarbeiten auszuführen. Milena Müller beschäftigte sich in Form sinnlich-fragiler Selbstporträts und intimen Gesprächen mit fünf jungen Frauen mit den Themen Sexualität und Weiblichkeit.

In diesem Raum der freien Projektarbeiten kann man eintauchen und sich verlieren. Die gestalterischen Auseinandersetzungen beeindrucken, weil spürbar wird, wie sich die Studierenden in drei Monaten intensiv mit einem selbst gewählten Thema beschäftigen, sich mutig und authentisch auf den eigenen gestalterischen Prozess einlassen.

Jahresausstellung Fachklasse Grafik, noch bis Dienstag, 3. Juli, Rössligasse 12. www.fachklassegrafik.ch.

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