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Probenbesuch in der Theaterwerkstatt

Markus Werner liess im Roman «Am Hang» zwei männliche Weltsichten aufeinanderprallen. Die Theaterwerkstatt ­Frauenfeld inszeniert die Geschichte als Freiluftkammerstück in Islikon. Ein Besuch während der Proben.
Dieter Langhart
Die Theaterwerkstatt Frauenfeld inszeniert «Am Hang» im Greuterhof Islikon. (Bild: Dieter Langhart)

Die Theaterwerkstatt Frauenfeld inszeniert «Am Hang» im Greuterhof Islikon. (Bild: Dieter Langhart)

Silvana Peterelli und Adele Raes haben gut lachen. Als Valerie und Eva (oder Eva und Valerie?) wissen sie mehr als Thomas Clarin und Thomas Loos/Felix Bendel, Mitte 30 und Ende 40, die sich in einem Tessiner Restaurant zufällig begegnen und sich über Zeitgeist und Frauen, Liebe und Treue auslassen. Sie wissen noch nicht, dass eine Frau sie verbindet.

Giuseppe Spina spielt den ledigen Scheidungsanwalt und Seitenspringer Clarin, Joe Fenner den Altphilologen und Moralisten Thomas Loos. Und ausgerechnet bei dieser Probe blitzen Spinas weisse Socken unter dem blauen Anzug hervor. Er lacht, noch ist das Freiluftstück am Entstehen, Wachsen: das dritte Sommertheater im Greuterhof Islikon nach «Dr. Jekyll und Mr. Hyde» und «Der schwarze Kuss».

Alles recht kurzfristig, denn zuerst wollte der Greuterhof ein Jahr Pause einlegen wegen einer Renovation. Regisseur Noce Noseda schrieb Markus Werners 2004 erschienenen Roman «Am Hang» um, der schon in Bern, Zürich, Köln auf die Bühne gelangt war. Und Tag für Tag wandle sich das Stück während der Proben und im Dialog mit den vier Darstellern, sagt Noseda.

Wer sind die beiden Frauen wirklich?

Und wie Markus Imboden, der den Stoff vor fünf Jahren ins Kino brachte, muss er «weg vom Dialog» kommen, der den Roman dominiert. Also mehr Szenisches, mehr Bewegung, mehr Action, sagt der Regisseur. «Und die beiden Schauspielerinnen sollen die Zuschauer bewusst im Unklaren über die Frauen lassen.»

Ähnlich wie bei «Dr. Jekyll und Mr. Hyde» unterteilt Noseda den Innenhof in drei Bereiche, die verschiedene Handlungsorte andeuten: Clarins Ferienwohnung, die Restaurants, ein Park. Passend dazu schreibt Morten Qvenild räumlich passende Musik und Klänge. Der in St. Gallen arbeitende Komponist, Arrangeur und Musikpädagoge in Romanshorn schreibt vor allem Musik für Film und Theater. «Die Musik soll die Handlung unterstützen und verstärken, soll etwa das Innenleben der Figuren zeigen», sagt er.

«Die Musik soll Platz haben, aber nicht Platz einnehmen.»

Auch er und Noseda führen intensive Gespräche während der Proben und lassen so Szenen und Musik mehr und mehr zusammenwachsen.

Neue Struktur für einen bekannten Stoff finden

Adele Raes stammt aus Flandern und ist vergangenes Jahr in der Theaterwerkstatt-Inszenierung von Donald Margulies’ Stück «Zeitstillstand» aufgefallen. Ihr Akzent passt perfekt zur Figur der Belgierin Eva, und Noseda (der damals ihren Mann spielte) hebt hervor: «Sie denkt physisch auf der Bühne.» Silvana Peterelli hingegen sagt über die Figur der Valerie, mit der Thomas Clarin eine sexuelle Beziehung hatte, sie sei «nur eine Projektion der beiden Männer und nicht greifbar».

Markus Werner, 1944 in Eschlikon geboren und vor zwei Jahren in Schaffhausen gestorben, war ein Schwergewicht der Schweizer Literatur, auch wenn er in zwanzig Jahren nur sieben Romane geschrieben hat, von «Zündels Abgang» 1984 bis zu «Am Hang», der sich fast eine halbe Million Mal verkaufte. Werner mochte verschlungene Konstellationen um Liebe und Tod, ebenso kriminalistische Arrangements. Und weil fast jeder «Am Hang» gelesen hat und den Inhalt kennt, muss die Theaterwerkstatt, wie Filmemacher Imboden, eine andere, eine eigene Struktur finden.

Premiere: Fr., 17.8., 20.30 Uhr, im Greuterhof Islikon; Vorstellungen bis 1.9. Informationen und Karten: am-hang.ch

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