Vom Bus bis in die Tiefgarage

Sie hält ihr Versprechen, die Truppe um das freie Theater Konstellationen aus Berlin. In den nächsten Tagen ist sie zu Gast in der Lokremise mit dem dritten und vierten Aufzug des Langzeitprojekts «Mensch».
Brigitte Schmid-Gugler
Mit ihrem Langzeit-Theaterprojekt zurück in der Stadt: Das Theater Konstellationen samt Hund und Affenkostüm. (Bild: Michel Canonica)

Mit ihrem Langzeit-Theaterprojekt zurück in der Stadt: Das Theater Konstellationen samt Hund und Affenkostüm. (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Angefangen hat alles auf dem Marktplatz St. Gallen. Dort war das Publikum dazu eingeladen worden, in einem leerstehenden Markthäuschen Platz zu nehmen. Eingequetscht wie in eine Sardinenbüchse, in zwei Reihen auf Holzbänken sitzend, konnte man dem folgen, was sich draussen ereignete. «Willkommen in der Tyrannei meiner Intimität», hiess das Live-Hörspiel.

Während Passanten vorbei hasteten, andere neugierig stehenblieben, klimperte ein Mann, bekleidet mit einem schwarzen Umhang, ziemlich melancholisch auf seiner elektrischen Gitarre. Zwei weitere Männer, die Schauspieler, redeten ununterbrochen, gingen umher, suchten und fanden sich nicht. Selbstbezogene, einsame Seelen auf dem Egotrip, die gerne würden, aber nicht können – nämlich aus ihrer ermüdenden Selbstfindung herausfinden.

Jedem seine eigene Show

Weiter ging es dann in Phase zwei des Projekts mit dem Bühnenstück unter dem Titel «Mein Herz ist ein Dealer». Nach der Uraufführung in der Gessnerallee Zürich gastierte Theater Konstellationen im Frühling des vergangenen Jahres ebenfalls in der Lokremise. Es war ein wildes Spiel mit guter Livemusik von und mit Anna Trauffer (Kontrabass) und Andi Peter (Gitarre).

Das langzeitlich angelegte Forschungstheater bündelte erneut die Frage um das «Wie» einer Annäherung an das Gegenüber. Diesmal waren es ein Mann und eine Frau hoch oben auf einem Berg, wohin sich der Mann verzogen hatte, um endlich seine eigene Show zu haben. Wie in der aktuellen dritten und vierten Staffel spielte – unter vollem Körpereinsatz – auch damals die Performerin und Texterin Beatrice Fleischlin.

Kontinuierliches Schaffen

Die nun bevorstehende Uraufführung wird ein dreiteiliger Abend werden, wie der aus St. Gallen stammende und in Berlin lebende Regisseur Jonas Knecht erklärt. Während die eine Gruppe des Publikums zum Apéro geladen wird, begibt sich die zweite in einem abgedunkelten Bus mit eingespieltem Soundtrack auf eine Stadtrundfahrt. Der dritte Teil findet anschliessend in einer Tiefgarage statt. Und wie eine solche Dramaturgie vermuten lässt, kreist «Willkommen im Paradies meines guten Gefühls» um das unaufhaltbare Fremde, das Grenzen und Meere überquert, sich Eintritt verschafft in eine vermeintlich heile Welt. Man darf gespannt sein, wie Regie und Darstellende die Aufgabe meistern, die sie sich stellen: Ob angesichts existenzieller Not und Bedrängnis in ihrem szenischen Entwurf der «Mensch» endlich doch noch menschlich werde.

Regelmässige Unterstützung

Das Theater Konstellationen wird vom Lotteriefonds des Kantons St. Gallen von 2015 bis 2017 mit regelmässigen Beiträgen gefördert. Die freie «hochprofessionelle und experimentierfreudige» Theatertruppe mit engem Bezug zu St. Gallen habe mit ihrer Kombination aus Figurentheater und Schauspiel, Installation, Musik und Live-Hörspiel eine eigene und beachtenswerte Bühnensprache entwickelt, heisst es in der Begründung.

Uraufführung: Mi, 4.2., 20 Uhr, Lokremise, St. Gallen; weitere Vorstellungen: Sa/So/Di, 7./8./10.2.

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