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Vom Bronze-Schaber zur modernen Titanschere

In der Antike hielten sich Gutbetuchte ihre eigenen Coiffeure, später wurden in öffentlichen Badstuben Haare geschnitten. Nach 1925 kamen in den Coiffeursalons erste elektrische Haarschneidemaschinen zum Einsatz. Doch das Ur-Werkzeug Schere blieb, wie der Amriswiler Coiffeurmeister Reto Candio erzählt.
Beda Hanimann

Sie spriessen beide unaufhaltsam – Gras und Haar. Das einzige, was man dagegen tun kann, ist schneiden, immer wieder schneiden. Im Garten übernehmen diese Arbeit zunehmend Roboter, bei den Haaren aber stösst die Maschine an Grenzen. Es gibt wohl seit knapp hundert Jahren elektrische Haarschneidemaschinen. Doch die ersetzen die Hand des Menschen und die Schere nicht. «Die Schere ist immer noch das Hauptwerkzeug des Coiffeurs», sagt Reto Candio. Das heisst nicht, dass die Entwicklung stehen geblieben ist: Aus einfachen Bronze-Schabern sind Kobalt- oder Titanscheren für 3000 Franken das Stück geworden.

Der 64jährige Reto Candio weiss, wovon er spricht. Schon seine Mutter war als Coiffeuse tätig, er führte während 36 Jahren seinen eigenen Salon am Amriswiler Marktplatz und hat einen Lehrauftrag am Bildungszentrum für Bau und Mode in Kreuzlingen. Und erzählt gerne und begeisternd über das Handwerk des Coiffeurs.

Ein Hauch von Intimität

In der Antike beschäftigten die Bürger der gehobenen Gesellschaft ihre eigenen Coiffeure. Die alten Römer hielten sich oft Frisiersklaven. Im Mittelalter waren die Barbiere oder

Bader eigentliche Allrounder. In den Badstuben schnitten sie Haare und schoren Bärte, sie zogen aber auch Zähne und behandelten Schuss- oder Stichverletzungen. An den Königshöfen im 16. Jahrhundert wurden Coiffeure zu gefragten Haarspezialisten, vor allem auch wegen der Perücken, die hoch im Kurs standen. Nachdem die französische Revolution manch alten Zopf abgeschnitten hatte, wurde der Coiffeur allmählich auch zum Dienstleister der normalen Gesellschaft. Noch besuchte er seine Kunden zu Hause, eigentliche Salons kamen um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Doch ein Hauch von Intimität umwehte das Haareschneiden bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Die einzelnen Stühle waren durch Wände und Vorhänge vor Blicken geschützt. Candio erinnert sich noch an die Irritation seiner Kunden, nachdem er bei der Übernahme seines Salons diese Zwischenwände entfernt hatte.

Haareschneiden mit System

Aus Bronze-Schabern der Antike und paarig verwendeten Messern waren im Lauf der Zeit Scheren geworden. Die erste Haarschneidemaschine ist um 1880 erwähnt. Sie bestand aus einem Scherkopf mit Handbetrieb. Reto Candio hat noch mit solchen Geräten gelernt und kennt die Tücken: «Für einen sauberen Schnitt musste man die Griffe möglichst schnell bewegen, gleichzeitig aber galt natürlich, das Gerät ruhig und sauber zu führen.» 1925 wurde die erste elektrisch betriebene Haarschneidemaschine entwickelt.

Die Schere aber blieb. Sie wurde verfeinert zur Effilierschere, die statt gerader Klingen solche mit feinen Spitzen hat, was einen differenzierteren Haarschnitt ermöglicht. Der grösste Meilenstein in der jüngeren Geschichte des Haareschneidens aber war nicht ein neues Gerät, sondern der System-Haarschnitt, den Vidal Sassoon in den 1960er-Jahren erfand. Während früher nach Gefühl geschnitten wurde, werden nun Kopf und Haare quasi geometrisch erfasst. «Dadurch wird der Schnitt besser steuerbar», sagt Candio. Und das führe dazu, dass Haareschneiden besser vermittelbar sei. «Die Jungen haben heute ein höheres Level als früher.»

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