Vom alten Florenz ins heutige Bern

Der Romanshorner Paul Ott schreibt, als Paul Lascaux, auch Krimis. «Nelkenmörder», sein achter Roman mit dem ungleichen Ermittlerduo Heinrich Müller und Nicole Himmel, spielt in der Kunstwelt. Ein kurzweiliges und spannendes Lesevergnügen.

Karin Pfister
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Paul Lascaux: Nelkenmörder. Gmeiner 2015, 212 S., Fr. 14.90; E-Book Fr. 8.90

Paul Lascaux: Nelkenmörder. Gmeiner 2015, 212 S., Fr. 14.90; E-Book Fr. 8.90

«Müller und Himmel» heisst das Detektivbüro, das Heinrich Müller zusammen mit der Anthropologin Nicole Himmel in Bern führt. Bereits zum achtenmal lässt der Autor Paul Lascaux die beiden zusammen ermitteln.

In «Nelkenmörder» beginnt die Geschichte an einer Kunstauktion. Heinrich Müller – nicht nur Ex-Polizist, sondern auch historisch sehr interessiert – ersteigert sich ein Künstlertagebuch mit Landschaftsskizzen. In ihm erzählt Paul Löwensprung seine Geschichte. Er ist als Geselle beim berühmten Sandro Botticelli in Florenz in die Lehre gegangen und hat die Entstehung wichtiger Werke selber miterlebt.

Die Spur führt nach Bern

In Florenz wird währenddessen der Kunsthändler Christian Blöchlinger ermordet. Eine erste Spur führt nach Bern, wo der Verstorbene eine neue Galerie eröffnen wollte. Markus Forrer von der Polizei in Bern wendet sich an «Müller und Himmel» – aus zwei Gründen: Personalmangel und «Ich habe niemanden, der gut Italienisch spricht».

Dass zwischen der Auktion und dem Mord ein Zusammenhang besteht, wird klar, als Heinrich Müller ein Bild des Toten sieht. Der Kunsthändler hatte sich im Vorfeld ebenfalls für das Reisetagebuch von Paul Löwensprung interessiert, war aber bei der eigentlichen Auktion nicht aufgetaucht.

In einen Hinterhof gelockt

Himmel und Müller fliegen sofort nach Florenz und werden dort von Danilo Monti, Kontaktmann der Polizei, herzlich empfangen, informiert und herumgeführt – glauben die beiden, bis sie schliesslich allein in einem abgelegenen Hinterhof landen und sich bedroht fühlen. Die Nachfrage in Bern ergibt, dass bei den Florenzer Behörden schlicht kein Danilo Monti existiert.

Die beiden Privatdetektive kehren zurück nach Bern, wo sie von Kunsthistoriker Claudio Moser bei ihren Recherchen unterstützt werden. Erweitert wird die Szenerie dann durch die Kunstkritikerin Annette Gubler, die mit dem Toten eine Verbindung hatte und zu eher dramatischen Aktionen neigt, und Restaurator Pascal Ramseyer, der unerwartet zum Mittelpunkt des Geschehens wird.

Auch Geschichte ist spannend

In «Nelkenmörder» nimmt Paul Lascaux den Leser mit auf eine Reise, die vom heutigen Bern immer wieder zurück ins frühere Florenz führt. Die historischen Einschübe, die sich aus dem Reisetagebuch von Löwensprung ergeben, lesen sich mindestens so spannend wie die Jagd nach dem Mörder im Bern des 21. Jahrhunderts. Der Autor weiss, wovon er erzählt – die Beschreibungen der Städte Florenz und Bern wie auch die historischen Informationen in «Nelkenmörder» sind detailgenau und lebensecht.

Fazit: Ein kurzweiliger Krimi, für alle, die es gerne spannend haben und keine allzu langen und zu detailreichen Beschreibungen zur Todesart lesen wollen. Und gerne schaut man auch dem ungleichen Ermittlerduo Himmel und Müller bei der Arbeit zu.