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Vollmundig

Nach dem Goalie noch ein Glückssucher: Jackpot. Pedro Lenz lässt ihn auf «Di schöni Fanny» treffen. Eine warmherzige Geschichte von Freundschaft und Ausdauer am Jurasüdfuss.
Dieter Langhart
Am Originalschauplatz: Pedro Lenz und Christian Brantschen in der Oltner Galicia-Bar. (Bild: Annette Boutellier/PD)

Am Originalschauplatz: Pedro Lenz und Christian Brantschen in der Oltner Galicia-Bar. (Bild: Annette Boutellier/PD)

Er ist uns gleich ans Herz gewachsen, der Jackpot, gut Mitte dreissig. Er wettet gern auf Fussball und Pferde und wartet auf den … Jackpot. Er redet gern, nimmt den Mund auch mal ganz voll, mag es aber nicht, wenn andere zu viel liire. Er sitzt lieber im «Galicia» oder im Café Ring als daheim am Tisch. Denn da müsste er schreiben, müsste endlich seinen Roman fertigschreiben. Kein Problem, die Figuren und den roten Faden hat er längst (es ist sein eigener Faden), nur noch alles tippen, sagt er allen, die ihn fragen. Und alle fragen ihn, nicht nur seine besten Freunde Louis und Grunder alias Grunz, doppelt so alt wie er und Kunstmaler, der eine erfolgreich, der andere mit einer kaputten Lunge. Und als Jackpot die junge Frau aus Louis' Atelier kommen sieht, wird alles anders. Sie hat «Ouge wi nes Chaubli».

Wer Pedro Lenz' neuen Roman «Di schöni Fanny» nicht laut liest, ist selber schuld. Nur so tun sich die Schattierungen von Berndeutsch auf, die er subtil einsetzt. Der in Olten lebende Langenthaler liebt das Unmittelbare und Nahe des gesprochenen Dialekts – selbst seinen Erfolgsroman «Dr Goali bin ig» hat Raphael Urweider in die Schriftsprache übertragen müssen.

Geld vom «Pharmafirmafratello»

Und ein Gutteil seines neuen Buches über die schöne Fanny besteht aus Dialogen, denn wenn Menschen nicht reden miteinander, stimmt etwas nicht. Jackpots Innensicht der Dinge findet zwischen den Gesprächen statt; Pedro Lenz erzählt die Geschichte aus Jackpots lakonischer, oft ironischer Perspektive, aber autobiographisch ist das nicht, auch wenn sie wohl dieselben Lokale frequentieren. Jackpot weiss genau, wie es um ihn bestellt ist, und redet sich doch dauernd ein, er komme bald gross heraus als Schriftsteller, stehe kurz vor dem Durchbruch. Mit seinen Wetten und den grosszügigen Zuschüssen seines «Pharmafirmafratellos» in Basel hält er sich knapp über Wasser. Egal. Da sind die Freunde und der Kaffee und der Rotwein danach und das Gesellige, Beständige, Vertraute.

Gleich auf der ersten Seite taucht diese junge Frau auf, einer Göttin gleich. Sie steht Louis Modell, und den drei Männern dreht sich der Kopf. Jackpot rotiert, seine Gedanken streunen. Er lädt die Kunststudentin ins Kunstmuseum ein und wandert mit ihr auf den Creux du Van. Dann fährt sie mit Grunder nach Belgien, Jackpot rotiert erneut. Endlich schläft sie mit ihm, über Nacht bleibt sie jedoch nicht. Immerhin kommt Jackpot in den ersehnten Flow und schreibt – nach ein paar Wetten im Netz – weiter an seinem Roman, denn sein Brüetsch hat ihm einen Verlag vermittelt.

Koni warnt vor Fannys Schatten

Dieser Flow durchzieht auch den Roman. Pedro Lenz' Rhythmus hält den Leser am Ball, wenngleich Jackpots Gliir manchmal an der Geduld zerrt. Lenz fabuliert gern, er erzählt in Bildern, die sich aus der Sprache nähren. Olten wird uns vertraut, in der Kleinstadt steckt die Welt. Die Figuren haben eine klare Kontur, wenngleich Koni («dä mit de länge Hoor»), der Alt-Hippie unter Jackpots Freunden, gar klischiert gezeichnet ist. Er warnt Jackpot vor Fanny: «D Fanny mit de grossen Ouge bringt Unglück!» Sie reite jeden ins Elend, der sich in sie verliebe. Egal, denkt Jackpot.

Louis hat seit zwanzig Jahren nicht mehr eine so schöne Frau gemalt, Jackpot will das Bild unbedingt. Sie alle lieben Fanny, doch die junge Frau entzieht sich ihnen, will unabhängig sein. Sie bleibt die blasseste Figur im Buch, Männer liegen dem Autor besser. Doch dann gelingt Pedro Lenz ein Coup, als klar wird, wer jene Frau vor zwanzig Jahren war. Und Jackpot schafft es! An der Buchvernissage sagt er: «Uf d Gschichte chunnt me nid. D Gschichte chöme zu eim.»

Lesungen mit Pedro Lenz und Christian Brantschen: Mo, 24.10. und 19./20.12., je 20 Uhr, Kellerbühne St. Gallen. Weitere Daten der Fanny-Tour auf pedrolenz.ch

Pedro Lenz: Di schöni Fanny. Roman. Cosmos 2016, 184 S., Fr. 29.–

Pedro Lenz: Di schöni Fanny. Roman. Cosmos 2016, 184 S., Fr. 29.–

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