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Volksmusik ohne Heimatschutz

In ihrer neuesten Ausgabe macht die Kulturzeitschrift «Du» die Schweizer Volksmusik und ihre vielfältigen Öffnungstendenzen zum Thema.
Rolf App
Nadja Räss und Markus Flückiger an den Stanser Musiktagen am Dienstag, 10. April 2018. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Nadja Räss und Markus Flückiger an den Stanser Musiktagen am Dienstag, 10. April 2018. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Im Herbst 2018 startet an der Hochschule Luzern ein interessantes Experiment. Ab dann kann man dort das Hauptfach Jodel studieren und mit dieser Spezialisierung den Master of Arts in Music erwerben. Die Jodlerin Nadja Räss übernimmt die Gesamtleitung des Studienbereichs Volksmusik. Nicht überall wird diese besondere Förderung des Jodelns gern gesehen. Aus dem Eidgenössischen Jodlerverband, dessen Mitglied die unkonventionelle Nadja Räss selber ist, kommen kritische Stimmen. Richard Huwiler, Präsident des Zentralschweizer Jodlerverbands, erklärt, Jodeln sei kein «Kunstgesang, da es viele regionale Eigenheiten gibt. Darum kann man das auch nicht einfach so unterrichten.» Mit andern Worten: Appenzeller und Entlebucher sollen ­separat unterrichtet werden.

«Jodeln soll Hobby bleiben», fasst Corinne Holtz die Auseinandersetzung zusammen, an deren Beispiel sie in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift «Du» die inneren Gegensätze der Volksmusikszene ausleuchtet. Dabei betont sie auch: «Alphorn, Jodeln und Schwingen sind keineswegs urschweizerische Bergbräuche, sondern Erfindungen geschäftstüchtiger Städter und nationalkonservativer Patrioten.»

Volksmusik als Ausdruck von Landesidentität

Dieses konservative Element gibt es weiterhin, auch wenn sich die Volksmusikszene schon vor Jahrzehnten aufgefächert hat – wozu Nadja Räss einiges beigetragen hat. Die «neue» Schweizer Volksmusik hat jene Last abgeschüttelt, die ihr in den Dreissiger- und Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts aufgebürdet worden ist.

Angesichts der Bedrohung durch den Nationalsozialismus besann sich die Schweiz damals auf ihre eigenen Wurzeln. «Da bot sich die Ländlermusik als eine junge und modische und zugleich typisch schweizerische Musik als Trägerin dieser zu verbreitenden Landesidentität geradezu an», fasst der Musikhistoriker Dieter Ringli zusammen. So wurde auch das Jodeln zum Schweizer Kulturgut, obwohl es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als «Tirolerei» verachtet worden war.

Die vielen Gesichter des Aufbruchs

Auch wenn sie noch in einigen Köpfen herumspukt, ist diese Art des Heimatschutzes doch Vergangenheit. Das zeigen die Kurzporträts, mit denen «Du» die neue Volksmusik fasst. Da taucht etwa Christine Lauterburg auf, die über fernöstlichen Fundamenten jodelt. Oder der Hackbrettspieler Töbi Tobler, der viel vom Jazz gelernt hat. Oder der Handörgeler Werner Aeschba­cher, der Polka mit Bolero oder sizilianischen Tänzen mischt. Oder, in einem ausführlichen Text von Köbi Gantenbein, die Gruppe Ils Fränzlis da Tschlin, die Walzer mit Béla Bartók und John Coltrane verbindet.

«Du» Nr. 885: Neue Schweizer Volksmusik

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