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VOLKSMUSIK: "Nein, wir haben keine Kühe daheim"

Erneut hat die St.Galler Tanzchefin Beate Vollack spezielle Musiker eingeladen: Kern des Quintetts, das die neueste Tanzproduktion "Schlafes Bruder" untermalt, sind zwei der Geschwister Küng, einer innovativen Appenzeller Volksmusikformation.
Martin Preisser
Roland und Clarigna Küng sind zwei von fünf Musikern, die ab heute Abend zu «Schlafes Bruder» spezielle Klänge beisteuern. (Bild: Ralph Ribi)

Roland und Clarigna Küng sind zwei von fünf Musikern, die ab heute Abend zu «Schlafes Bruder» spezielle Klänge beisteuern. (Bild: Ralph Ribi)

Nie hätte sie sich träumen lassen, eine Choreografie mit Appenzeller Live-Musik zu machen. Und doch sagt die St.Galler Tanzchefin Beate Vollack heute: "Die Musik der Geschwister Küng ist genau der Sound, der zu meiner Vorstellung von 'Schlafes Bruder' passt." Mit dreissig Nummern untermalt ein Appenzeller Volksmusikquintett die Tanzfassung des berühmten Romans von Robert Schneider.

Die meisten Stücke stammen aus der Feder von Hackbrettspieler Roland Küng. Er ist das vierte von acht Kindern, und als einziger Junge mit sieben Schwestern aufgewachsen. "Nein, wir haben keine Kühe daheim", sagt der 35-jährige Musiker und Sohn eines Lehrers schmunzelnd. Seit seiner Kindheit musiziert er zusammen mit seinen Schwestern. Mit von der Partie ist von den Geschwistern Küng bei der aktuellen Tanzproduktion auch die fünftälteste Clarigna. Die Appenzeller Geigerin trägt wie alle Küng-Mädchen einen romanischen Vornamen. Denn der Vater ist Bündner.

Musik ist für die Tanzchefin immer Teil des Ganzen

Beate Vollack hat sich die CDs der Geschwister Küng angehört und bei der innovativen Appenzeller Band "gleich die Bestellung aufgegeben", wie sie begeistert erzählt. "Diese Appenzeller Volksmusik ist nicht in der Tradition erstarrt, sie ist auch modern und flexibel, sie erzeugt Heimatgefühle und ist doch sehr zeitgemäss." Tanz ohne Musik gehe für sie nie, sagt die St.Galler Tanzchefin. Und Musik müsse immer live sein. "Musik ist in meinen Produktionen stets Teil des Ganzen, daher habe ich das Quintett auch zentral in der Mitte über der Bühne positioniert."

Ihre Tanzkompagnie sei auf offene Musiker angewiesen. Wie die Geschwister Küng eben, die ihre Bekanntheit gerade dadurch erreicht haben, dass sie offen, neugierig und experimentfreudig mit der Appenzeller Volksmusik umgehen und diese innovativ erneuern und weitertreiben, also sich nie nur auf dem Bestehenden ausruhen.

Clarigna und Roland Küng sprechen auch für ihre Mitmusiker (Philomena Aepli, Isabella Fink und Nazar Kocherga), wenn sie sagen. "Wir fühlen uns voll integriert ins Tanzgeschehen. Wir haben die selben Kostüme wie die Tänzer und fühlen uns wie in einer Familie. Die Tänzer brauchen uns und wir sie."

Die Küngs haben die traditionelle Appenzeller Volksmusik bei Josef Dobler, auch bekannt als der "Hornsepp", gelernt. Die Tradition genau zu kennen, sei eine unabdingbare Basis, um das, was man quasi mit der Muttermilch aufgenommen habe, innovativ weiterzuentwickeln, sagt Clarigna Küng, die auch klassische Geige studiert hat. "Ich muss die Wurzeln kennen und ihnen mit Respekt begegnen, nur dann kann ich darauf aufbauen."

Innovation heisst für die Küngs, die in vergangenen Jahren auch schon zu sechst und heute zu zweit oder zu dritt musizieren, sich die Freiheit zu nehmen, feste Formen zu verändern. Sie bauen neue Harmonien in überlieferte Volksmusiklänge ein und lassen neue Stilrichtungen zu, die natürlich auch aus dem professionellen Musikstudium eingeflossen sind. Das Alte anerkennen, aber musikalisch auch widerständig sein: Wichtige Lehrmeister für die Küngs war da natürlich der Urnäscher Noldi Alder, der als eigentlicher Erneuerer der Appenzeller Streichmusik gilt. Wichtige Impulse erhielten die Küngs auch vom Herisauer Komponisten Roman Rutishauser, mit dem viele der spannenden Küng-Kompositionen entstanden sind.

Einige Nummern, die auf CDs festgehalten sind, haben in Beate Vollacks Tanzstück "Schlafes Bruder" Eingang gefunden. Einiges wird in dieser Tanzfassung des Romans aber auch improvisiert und mit neuen Stücken unterlegt. Hört man Kompositionen wie "Schneesturm" oder "Wintergeflüster" aus der gleichnamigen CD oder die Bearbeitung von Josef Doblers "Am Fälensee" aus dem Album "Nüdallgraaduus", dann weiss man, was Beate Vollack mit dem "perfekten Sound" meint. Modern und doch mit viel Lokalkolorit untermalt die Musik der Küngs den Roman um das Genie Elias, dem letztlich der Aufbruch aus der Enge nicht gelingt.

Skirennen fahren ist dem Musikmachen ähnlich

Die Geschwister Küng sind alle auch hervorragende Skifahrer, Mirena fährt Weltcuprennen, die Musiker Roland und Clarigna sind früher im Nachwuchskader gefahren. "So weit entfernt ist das Skifahren gar nicht von der Musik", sagt Roland Küng. "Man braucht ebenfalls eine gute Feinmotorik, Ausdauer und Konzentration, und beim Slalom-Kurzschwingen ein gutes Rhythmusgefühl. "Auch bei einem Skirennen muss ich im richtigen Augenblick alles auf einen Punkt bringen, genau wie als Geigerin auf der Bühne", sagt Clarigna Küng. "Und ich muss die Nervosität in den Griff bekommen."

Premiere: Sa, 27. 1., 19.30 Uhr, Theater, St.Gallen;
geschwisterkueng.ch

Schlafes Bruder

Der Roman "Schlafes Bruder" des Vorarlbergers Robert Schneider erschien 1992 und wurde in 36 Sprachen übersetzt. Er schildert Leben und Sterben des Elias Alder, eines musikalisch Hochbegabten. Das Buch spielt in einem Vorarlberger Bergdorf des 19. Jahrhunderts und thematisiert neben einer tragischen Liebesgeschichte die Enge der Heimat und den Versuch des Aufbruchs. Der Held stirbt, kurz nachdem er mit einer Orgelimprovisation über Bachs Choral "Komm, o Tod, Du Schlafes Bruder" auffiel. Er vergiftete sich mit Tollkirschen, mit denen er sich um den Schlaf bringen wollte. (map)

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