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Blues Balls: Völkerverständigung auf der Genussebene

Das Blues Balls findet nicht nur im KKL statt. Dies verdeutlicht ein Spaziergang durch das Programm, das ohne Tickets zugänglich ist. So bunt wie das anwesende frohgemute Volk zeigen sich auch die auftretenden Bands und Künstler.
Pirmin Bossart
Kunst entsteht live: Das Brüderpaar One Truth bei der Arbeit im Pavillon am Luzerner Seebecken. (Bild: Manuela Jans-Koch, 20. Juli 2018)

Kunst entsteht live: Das Brüderpaar One Truth bei der Arbeit im Pavillon am Luzerner Seebecken. (Bild: Manuela Jans-Koch, 20. Juli 2018)

Pünktlich zum Festivalbeginn am Freitagabend, als die ersten Akkorde im Musikpavillon erklingen, fallen die Tropfen. Sängerin und Gitarristin Lots Holloway trägt unverdrossen die grosse Sonnenbrille, die sie 20 Minuten später weglegt, «because the sun doesn’t come back anymore».

Die quirlige Londonerin lässt sich die Laune nicht verderben. Aufgekratzt haut sie ihre melodiösen Pop Songs von der Bühne, unterlegt von wuchtigem Bass, Schlagzeug und Samples, die den Gesamtsound wohl trendig-interessanter machen sollen. Die Musik hat ein paar kecke Kanten, auch wenn man sich das Cover «Somebody To Love» von Jefferson Airplane frecher und eigenwilliger hätte vorstellen können.

Hier wirken die Weissen wie Angestellte

Entlang der Markstrasse am Schweizerhofquai reihen sich die Stände mit Essen, Schmuck, Textilien, Lederwaren, Stein-Kunsthandwerk, Airbrush, Shirts, Hüten, Klim und Bim. Grossmehrheitlich wird diese Meile von Südamerikanern, Asiaten und Afrikanern gemanagt, mit ein paar Weissgesichtern durchmischt, die hier wie Angestellte wirken.

So viele unterschiedliche Menschen schlendern in allen möglichen Outfits von bieder bis extravagant dem Seebecken entlang oder drücken sich unter den Sonnenschirmen zusammen. Das Volk ist international durchsetzt und verleiht der Stadt ein Flair von Völkerkonsumationsverständigung. Wie sich Touristen und Einheimische bunt mischen und für einen Moment die globale Welt in Ordnung scheint, ist gar nicht Luzern typisch.

Sänger Theo Hutchcraft von der britischen Band Hurts. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
(Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
Die Band machte sich einen Namen mit Sogs wie «Wonderful life» und «Stay». (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
(Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
Alanis Morissette. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Count Gabba & Friends auf dem Schweizerhof Plaza. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Trailhead auf dem KKL Plaza. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Essensstände laden zum Verweilen ein. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Besucher am Blue Balls 2018. Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. Juli 2018)
Melody Gardot. Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. Juli 2018)
Jodie Abacus. Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 25. Juli 2018)
Tom Odell. Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 25. Juli 2018)
Sie geht am Blue Balls ab. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Sie tanzen am Blue Balls. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Am Konzert am Schweizerhof geht die Post ab. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Zahlreiche Essensstände rund um den See laden ein. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Das Publikum ist vom gebotenen begeistert- Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Darf noch ein Drink sein? Das Blue Balls zu später Stunde. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Zur Vorabendzeit sind die Stände vor dem Pavillon gut besucht. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Sie nimmt einen kühlen Schluck. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Jessie J. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)

Jessie J. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)

Wolfmother Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 23. Juli 2018)
Black Pistol Fire mit Sänger Kevin McKeown. Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 23. Juli 2018)
The British soul singer Beverley Knight at the Blue Balls Festival in Lucerne, Switzerland, Monday July 23, 2018. The music event runs from 20 to 28 July. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Gary Clark Jr. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Züri West. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 21. Juli 2018)
Unter dem KKL versammeln sich die Konzertbesucher. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Milow. Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 22. Juli 2018)
Künstler am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Marius Bear Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Sari Schorr Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Ein Paar tanzt am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Zwei Kinder tanzen am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Miss T & The Mad Tubes am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Kunst entsteht live: Das Brüderpaar One Truth bei der Arbeit im Pavillon am Luzerner Seebecken. Bild: Manuela Jans-Koch (20. Juli 2018)
Seven (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Rose Ann (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Kail Baxley (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Keir. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Festival-Direktor Urs Leierer (links) mit Fotografin Leonn Ward und Musiker Keir beim Auftakt zum Blue Balls Festival (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
Zuschauer versammeln sich unter dem KKL-Dach. (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
Keir (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
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Blue Balls Festival 2018

«Es ist solch ein Privileg, dass ihr dieses Festival haben könnt», ruft später Terra Lightfoot von der Musikpavillon-Bühne. Sie freut sich am Publikum, das in ihre Animationen einstimmt und trotz Regen mitmacht. Die Kanadierin trägt ein Kleid mit Blumenmustern und Fransen, rockt ihre schwarze Mähne, hat eine Präsenz. Das Trio hat mehr drauf als netten Mitklatsch-Pop. Das ist eine Rock-Show mit Songs, die oft erst nach ein paar Minuten Jam-Gedudel ihre Konturen gewinnen, bevor sie wieder in harte Riff- und Solopassagen zwischen Gitarristin und Bassist münden.

Am andern Ende des expressiven Spektrums säuselt Mille, ein junges Duo, das mit melancholischen Folk-Jazz Songs vor der KKL Seebar eine kleine Fangemeinde um sich schart. Die Sängerin ist barfuss, der Gitarrist trägt ein Jimi-Hendrix-Shirt, was dem Sound, nett gesagt, eine verwegene Gegennote gibt.

Auf der Plaza vor dem Luzerner Saal schrummt und singt Kail Baxley, umrundet vom Dauergeplauder des Publikums. Der Amerikaner, der für James Brown tanzte und sich als Amateur-Boxer betätigte, spielt gut Gitarre und gibt sich als sensibler Düsterpoet, der via Performance seine Befreiung findet. Als er sich nach 22 Uhr verabschiedet, sieht er sich von neu gewonnen Fans belagert, schüttelt Hände, macht Small Talk.

Anspruchsvolle Impro für Hannes Hug

Noch nicht zur Hochform läuft Talkmaster Hannes Hug auf mit seiner ersten Meet The Artist-Show im rekordmässig besetzten Auditorium. Sein Job ist schwierig, eine einzige Improvisation, vom Moment und der Laune der Gäste abhängig. Ab und zu fällt er ihnen zu früh ins Wort oder verrennt sich in Albernheiten. Aber selbst dann macht er eine gute Falle, weil er spontan ist und die üblichen Talk-Schemas sprengt.

Die ersten Gäste sind Seven und Rose, die sich, wie sie beteuern, von Anfang an auf gleicher musikalischer Wellenlänge gefunden haben. Seven verrät, dass er sich als Fünfzehnjähriger mit Gewichten an eine Stange hängte, weil er ein Basketballer werden wollte. Die Gespräche mit Kail Baxley und dem Blue Balls-Face Keir fallen etwas lapidar aus. Zur Abwechslung wirft Hug ein paar CDs ins Publikum. Die Box von Seven verspricht er demjenigen oder derjenigen, der oder die am besten das Biest in sich rauslassen könne. Was folgte, hätten wir nicht unbedingt erleben müssen.

Vor dem Hotel Schweizerhof trösten wir uns mit einem Pink Gin Drink und seinen drei Himbeeren im Plastikbecher. Was schert uns der Regen? Das Publikum ist an einem Festival, an dem es wenigstens authentisch regnet. Wer nicht mit aufgespanntem Schirm auf dem Vorplatz herumtänzelt, wo sonst die Limousinen auffahren, schiebt sich ins Gedränge unter dem Vordach des Hotels und hat dort seinen Spass.

Leider ist die Band langweilig. Miss T. & The Mad Tubes haben sich auf Rock’n’Roll und Rockabilly spezialisiert. Die Band spielt gar farblos, Null Pepp ist in ihrem Rock’n’Roll, das ist Hometrainer-Musik für Fifties-Nostalgiker. Und dann noch mit Saxofon.

Um 22 Uhr beginnen die Street Artisten ihre Arbeit. Vor dem KKL sprüht Phist ein weisses Wesen auf die Leinwand, das wie ein Huhn aussieht. Im Musikpavillon wirken die beiden Brüder von One Truth, die sonst hohe Hausfassaden bemalen. Abwechslungsweise sprühen sie sich in den Kern des entstehenden Kunstwerks vor. Ein guter Rest Publikum ist geblieben und nimmt Anteil. Der erste Abend ist am Ausregnen. Das Blues Balls hat den Einstieg gemeistert.

Das Blue Balls Festival läuft noch bis kommenden Samstag. Infos/VV: www.blueballs.ch

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