VOKALMUSIK: Ein Fenster zum Himmel

Von Hildegard bis Victoria reicht das neue Programm des Tablater ­Konzertchors St. Gallen. Es ist viermal zu hören in der Ostschweiz.

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Lucca-Codex, um 1220. (Bild: PD)

Lucca-Codex, um 1220. (Bild: PD)

Selten zu hörende Werke von Mittelalter bis Frühbarock bringt der Tablater Konzertchor St. Gallen in seinem neuen Programm «Feuerzungen, Engelschöre» zu Gehör, begleitet von den Alte-Musik-Spezialistinnen von La Traditora. Die Aufführungen finden in «Klangkirchen» in St. Gallen und Rorschach statt und im klösterlichen Umfeld in Fischingen und Magdenau. Sie öffnen ein «Fenster zum Himmel».

Hildegard von Bingen (1098–1179), Mystikerin, Heilkundige, Politikerin – und Komponistin: Eine der grossen Frauengestalten der europäischen Geschichte steht im Zentrum des Konzerts. Aufgeführt werden einige ihrer Hymnus-Vertonungen; eine trotz gregorianischer Askese farbige, teils fast ekstatische Musik. Die menschliche Seele sei gemäss Hildegard in ihrer Essenz symphonisch, also im Zusammenklang mit der göttlichen Harmonie, sagt Chordirigent Ambros Ott dazu. «Und so stellt die Musik den Kontaktpunkt dar zwischen himmlischen und menschlichen Gefilden.» Der Chor führt die einstimmigen Hymnen in wechselnder Besetzung auf – ein selten zu hörendes «Fenster zum Himmel».

Die Tablater erweitern das Hildegard-Universum um Exkursionen in die frühe Mehr- und Vielstimmigkeit. Aus der frühen englischen Renaissance erklingen 13- beziehungsweise 24-stimmige Werke. Rund ein Jahrhundert näher zu uns führen die dreistimmige Messe für Männerchor von William Byrd und die «Piae cantiones» eines anonymen Komponisten für Frauenchor. Den Abschluss macht Polyfonie des Frühbarock mit zwei doppelchörigen Marienmotetten von Tomas Luis de Victoria und dem «Dialogo de chori d’angeli» von Giovanni Croce für zehn Stimmen. Instrumental begleitet und umspielt wird der Chor vom Ensemble La Traditora. (red)

? So, 11.6., 17 Uhr, Kirche Linsebühl St. Gallen ? Sa, 17.6., 16 Uhr, Klosterkirche Fischingen ? So, 18.6., 17 Uhr, Kirche St. Kolumban Rorschach ? Sa, 1.7., 17.30 Uhr, Klosterkirche Magdenau