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Visuelles Kunstwerk Vinylalbum

Von «Abbey Road» bis «Nevermind»: Die Ausstellung «Total Records – Vinyl & Fotografie» im Fotomuseum Winterthur beleuchtet anhand von 500 Schallplattencovern das vielseitige Zusammenspiel zwischen Fotografie und Musik.
Marcel Elsener
mel - Total Record, Fotomuseum, Winterthur

mel - Total Record, Fotomuseum, Winterthur

WINTERTHUR. Normalerweise würde man ja in Plattenkisten stöbern, sich mit zwei, drei Fingern beidhändig durch Hunderte Alben wühlen. Wie man das früher oft tat, stundenlang. Jetzt aber bestaunt man im Fotomuseum gierig Vinylalben hinter Plexiglas-Boxen, die man nicht berühren darf. Ganz grosses Augenfutter, und in den Ohren ein ständiger Nachklang: Alle sind sie da, «Sgt. Pepper» und «Abbey Road» von den Beatles, «Sticky Fingers» der Rolling Stones, das «Bananenalbum» von Velvet Underground. Und viele weitere berühmte Platten der Popgeschichte, von Jimi Hendrix, Roxy Music, Yello. Und natürlich, «Nevermind» von Nirvana, mit dem Ein-Dollar-Unterwasserbaby.

Kongenialer Austausch

Es sind Bilder, Ikonen, die sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt haben. Sie dienten jahrzehntelang der Vermarktung von Musik – und erzielten in manchen Fällen eine solche Wirkung, dass wir uns bis heute via das Cover an ein Album erinnern. Oder sogar nur das Bild kennen, ohne die Musik je gehört zu haben. Das Bild der vier Beatles auf dem Zebrastreifen vor dem Londoner Studio, dutzendfach kopiert und ironisiert (etwa von Red Hot Chili Peppers), ist weltweit noch bekannter als die letzten Hits der Fab Four, die das Album enthält.

Die 2015 für die «Rencontres de la Photographie» in Arles konzipierte Ausstellung will das vielschichtige Austauschverhältnis zwischen Vinylplatte und analoger Fotografie zeigen – beides «mediale Sinnbilder des 20. Jahrhunderts», wie die Kuratoren erklären und eine «Reise in persönliche, an die Bilder und Musik geknüpften Erinnerungswelten» versprechen. Ein hoffnungslos nostalgisches Unterfangen, auch wenn das Vinyl in Liebhaberkreisen eine Renaissance feiert. Die Zeit der millionenfachen Verpackung mit attraktiver Bildmarke ist passé. Im Zuge der Digitalisierung und Dematerialisierung der Musik ist das Bild immer kleiner (bei den CD) und inzwischen fast bedeutungslos geworden. Umso schöner die museale Erinnerung an einzigartige Kooperationen, etwa von Irving Penn mit Miles Davis, Robert Mapplethorpe mit Patti Smith oder Annie Leibovitz mit Cindy Lauper.

«Covers covern» und «Verboten»

Die Ausstellung erzählt mit 30 Abteilungen 30 Geschichten. Sie funktioniert wie ein Teaser oder Trailer, von Kapiteln wie «Covers covern» (Beispiel: The Clash bedienten sich für «London Calling» bei Elvis Presley) oder «Verboten» (vom nackten Paar Lennon/Ono waren in vielen Ländern nur die Köpfe zu sehen). Selbstverständlich alles im Standardmass eines LP-Covers von 31,5 mal 31,5 Zentimeter. Mit wenigen Ausnahmen, darunter Alben von David Bowie: Ihm gehört die Ecke mit Picture Discs, ein präzis gedachtes Zeugnis seiner Wandlungsfähigkeit und postum berührende Hommage.

Möslang neben Lady Gaga

Wer im Katalog der Originalausstellung blättert, wird überrascht: Die Schau ist um gut 150 Hüllen sowie Prints gekürzt und ent-frankophonisiert und dafür helvetisiert worden (wenn man das so sagen darf). Die entfallenen Teile mit französischen Interpreten oder Filmsoundtracks von Bollywood sind allerdings kein Verlust.

Umso lieber studiert man die Postpunk-Abteilung mit Young Gods, Baby Jail oder Der Böse Bub Eugen. Ostschweizer dürfen sich freuen, dass Kooperationen von Möslang mit Bischof oder Göldin mit Gatsas ins «Spannungsfeld Kunst» aufgenommen wurden – neben Joseph Beuys, Robert Rauschenberg (für die Talking Heads) und sogar Jeff Koons. Letzterer schuf für Lady Gaga eine Nacktskulptur: Das Gipfeltreffen des Kitschkunstpops von 2013 ist das jüngste Albumcover in der Ausstellung. Wer hat bei dieser Partnerschaft nun gewonnen?

Auf dem Rundgang sollte man den hintersten Raum nicht auslassen: Hier finden sich digitale Neuschöpfungen und Coverkult-Aktionen im Zeitalter von Twitter, Instagram oder Facebook, aber noch witziger sind die Kritzeleien von Fans, die für ihre nackte Vinylscheibe ein Cover basteln mussten (oder wollten).

Die Lieblinge fehlen sicher

Genrespezialisten tun gut daran, sich am Vorhandenen zu ergötzen. Und nicht eigene Favoriten zu suchen und darüber zu sinnieren, was fehlt. Denn es fehlt viel – nicht nur aus Platz- und Wertungsgründen, sondern auch aufgrund von Vorlieben der Ausstellungsmacher. Die sind eben subjektive Fans wie wir alle. Aber eben, es gibt in dieser Teaser-Schau genug wunderbares Anschauungsmaterial. Wenn das Museum für Gestaltung in Zürich dann mal noch die schönsten Plattencover mit Zeichnungen und Grafik nachlegt, ginge diese Geschichte munter weiter.

mel - Total Record, Fotomuseum, Winterthur

mel - Total Record, Fotomuseum, Winterthur

Plattencovers von Miles Davis, den Beatles, Prince und der Schweizer Band Liliput (im Uhrzeigersinn von links oben), die Geschichte schrieben. (Bilder: Fotomuseum Winterthur)

Plattencovers von Miles Davis, den Beatles, Prince und der Schweizer Band Liliput (im Uhrzeigersinn von links oben), die Geschichte schrieben. (Bilder: Fotomuseum Winterthur)

mel - Total Record, Fotomuseum, Winterthur

mel - Total Record, Fotomuseum, Winterthur

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