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Visionäres Museum im Engadin zeigt visionäre Kunst

Das kleine Muzeum Susch macht international Schlagzeilen. Jetzt mit einer Ausserrhoder Künstlerin, die ihre Werke nicht als Kunst sah.
Julia Nehmiz
Ab 1157 Kloster, im 19.Jahrhundert Brauerei, heute Heimat für Kunst: das Muzeum Susch im Engadin. (Bild: Andrea Badrutt)

Ab 1157 Kloster, im 19.Jahrhundert Brauerei, heute Heimat für Kunst: das Muzeum Susch im Engadin. (Bild: Andrea Badrutt)

Idyllisch ist es hier. Auch im Regen. Unten im Tal rauscht der Inn, oben kriechen Wolken aus den Senken empor, Wanderer stapfen in Pelerinen vorbei. Doch Susch, der kleine Ort im Engadin zwischen Flüelapass und Vereinatunnel, bietet mehr.

Anfang Jahr eröffnete die polnische Millionärin Grazyna Kulczyk das Muzeum Susch, Museum in polnischer Schreibweise. In Susch, das unter dem Durchgangsverkehr leidet und in Sachen Kultur ein weisser Fleck auf der Karte war, ausgerechnet dort wird ein absurd klingendes Vorhaben zum Grosserfolg. Die internationale Presse berichtete euphorisch.

Doch die Ankündigung, dass eine Unternehmerin und Kunstsammlerin die ehemalige Klosteranlage kauft, um sie in ein Museum zu verwandeln, löste im Tal nicht nur Freude aus. Funktioniert das? Oder will die Mäzenin einfach ihre Sammlung zeigen?

Im ersten halben Jahr: 15'000 Besucher

Ja, es funktioniert. Der Zuspruch ist überwältigend, seit Eröffnung des Museums wurden 15'000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Darunter auch viele aus der Region, die Dorfbewohnerinnen und -bewohner sprechen von «unserem Museum». Kulczyk involviert regionale Handwerker, auch das trägt zum Zusammengehörigkeitsgefühl bei. Mittlerweile ist der Stammtisch Susch im Museumsbistro beheimatet. Und am 1. August feierte Kul­czyk mit dem Dorf an der Feuerstelle.

Nein, Grazyna Kulzcyk geht es nicht um eine Präsentation ihrer Sammlung, ihr geht es um die Kunst. Manche Werke wurden für Susch kreiert, andere in extra für sie entworfenen Räumen installiert. Beeindruckend ist, wie Kunst und Architektur in Susch ineinandergreifen, sich ergänzen.

Künstlerinnen, die noch keine gebührende Anerkennung fanden

Eine der Missionen von Kulczyk: Künstler, insbesondere Künstlerinnen zu zeigen, die im Mainstream-Kanon noch keine gebührende Anerkennung gefunden haben. Deswegen nun die Ausstellung über Emma Kunz (1892–1963), die mit Hans Ulrich Obrist und Melissa Blanchflower in den Serpentine Galleries, London, produziert wurde. Es ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin in der Schweiz seit 1973. Damals wurde ihr Werk posthum überhaupt erst als Kunst entdeckt.

Werk Nr. 168 von Emma Kunz. Die Nummerierung ihrer Werke erfolgte posthum. (Bild: Emma Kunz Zentrum)

Werk Nr. 168 von Emma Kunz. Die Nummerierung ihrer Werke erfolgte posthum. (Bild: Emma Kunz Zentrum)

Emma Kunz, im Aargau aufgewachsen, die letzten zwölf Jahre ihres Lebens im Ausserrhodischen Waldstatt lebend, sah sich nie als Künstlerin. Sie war Heilerin und Forscherin. Ihre Werke erschuf sie ab 1938 auf Millimeterpapier, mit dem Pendel lotete sie die Zeichenfläche aus, pendelte Punkte aus, die sie mit Bleistift, Farbstift und Ölkreide verband. Bis zu 24 Stunden am Stück arbeitete sie daran, wie in Trance.

Werk Nr.13: Mit dem Pendel markierte Emma Kunz Punkte auf Millimeterpapier, die sie mit Bleistift, Farbstift und Ölkreide verband. (Bild: Emma Kunz Zentrum)

Werk Nr.13: Mit dem Pendel markierte Emma Kunz Punkte auf Millimeterpapier, die sie mit Bleistift, Farbstift und Ölkreide verband. (Bild: Emma Kunz Zentrum)

In den visionären Bildern suchte sie Antworten. Auch alte Zeichnungen interpretierte sie neu. Rund 400 Werke sind erhalten, aufbewahrt im Emma-Kunz-Zentrum in Würenlos. Von Kunz ist das Zitat überliefert, ihre Zeichnungen seien für das 21. Jahrhundert bestimmt. In Susch wird gezeigt, wie faszinierend ihr Werk bis heute ist.

«Emma Kunz: Visionary Drawings», bis 10.11., Muzeum Susch; muzeumsusch.ch

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