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Im Haus für Kunst Uri laufen die Besucher durch eine Parallelwelt aus Karton

Das Haus für Kunst Uri zeigt derzeit vier Künstler, die über ihren aussergewöhnlichen Umgang mit Materialien faszinierende Transformationsprozesse in Gang setzen. Ein Besuch lohnt sich unbedingt – auch jüngere Besucher dürften wegen der riesigen Ausgrabungsstätte aus Karton von Patrick Graf begeistert sein.
Julia Stephan
Der Künstler Patrick Graf hat im Haus für Kunst Uri in Altdorf eine Ausgrabungsstätte aus Karton gebaut. . (Bild: FX Brun/PD)

Der Künstler Patrick Graf hat im Haus für Kunst Uri in Altdorf eine Ausgrabungsstätte aus Karton gebaut. . (Bild: FX Brun/PD)

Eine virtuose Materialschlacht haben sich die vier Künstler in der von Direktorin Barbara Zürcher kuratierten Schau im Haus für Kunst Uri da mit ihren Lieblingsmaterialien geliefert!

Die Künstlerin Marie-Claire Baldenweg nennt sich auf ihrem Internetauftritt eine «Trash Bag Lady». Das kommt nicht von ungefähr. Baldenweg ist geradezu besessen von Plastik – von Plastiktüten im Besonderen. In ihren Performances, Collagen und Malereien führt sie eindrücklich vor, wie am Plastik sowohl der Schmutz wie auch die Verheissungen des Konsumzeitalters hängen. Früher garnierte die gebür­tige Solothurnerin klassische Porträtmalerei und Stillleben mit Schnipseln von Plastiktüten. Ihre späteren, an der Pop Art orientierte Arbeiten aus den 1980ern feiern die Ikonografie des Konsums.

Marie-Claire Baldenweg: Abfallsäcke im Porträt

In Altdorf erliegt man ihrer Faszination für die Kraterlandschaften von Abfallsäcken. Für die fünf Ölbilder der Serie «Trash Bag Faces» (2012) hat Baldenweg Abfallsäcke porträtiert. Auf der Haut dieser zerknitterten Ungetümer der Wegwerfgesellschaft zeichnen sich Fratzen ab.

Neuerer Natur ist Baldenwegs Beschäftigung mit «Plastikgeld», wie etwa in der Serie «Key Cards for Survival I» (2011). Baldenweg führt die Nutzung von Stellvertretermaterialien beim Geldfluss ad absurdum. Nicht alles, was glänzt, ist Kunststoff. Die in drei Reihen gehängten 33 goldenen Kreditkarten mit eingravierten abstrakten englischen Begriffen wie «trust», «humour» oder «tolerance» sind mit Autolack über­zogene Holzfaserplatten. Die eingravierten Werte und Qualitäten, mit denen Finanzinstitute oft Kunden umwerben, können kaum käuflich erworben werden. Man kann sich höchstens mit ihnen dekorieren. Wie etwa auf den Acrylmalereien auf Wellpappe «Key Cards for Survival II», wo Menschen dem Betrachter Kreditkarten entgegen halten. Ihre Gesichter hat Baldenweg als Bleistiftvorstudie belassen oder gar mit weissem Balken zensiert.

Patrick Graf: Parallelwelten aus Karton

Wo bei Baldenweg die Wahl des Materials unvermeidlich auch eine politische Setzung ist, schafft Illustrator und Konzeptkünstler Patrick Graf fantasievolle Parallelwelten aus Karton. Graf hat im Obergeschoss lackierte Kartonbögen mit dem Japanmesser zugeschnitten und sie zu einer Ausgrabungsstätte verleimt und verschraubt – mit pathetischen Baumaschinen, wie man sie aus der 1990er-Jahre-Heimwerker-Sitcom «Hör mal, wer da hämmert» kennt. Dass sogar die am Boden verlaufenden Kabel aus Karton sind, realisiert man nur beim genauen Hinschauen.

Graf ist fasziniert von Fantasy, Steampunk, Comic und den unmöglichen Figuren eines M. C. Escher. Seine monumentale «Soldevische Ausgrabungsstätte» referiert auf das Sammel­kartenspiel «Magic: The Gathering». In diesem Kosmos existiert auch ein «Soldevi Digger», ein Gerät, mit dem man unter der Erde nach Marmorartefakten graben kann. Graf hat dieses kryptische Fantasiestimulanz auf einer Sammelkarte zu einem Universum ausgebaut. Auf einem Metallregal – natürlich aus Karton! – stehen die etwas ramponierten futuristische Grabungsfunde aus Marmor, die – man ahnt es – auch nur aus Karton sind. Frech wie zuweilen richtig böse wird Graf auf seinen Wimmelbildern, wo an einer Backsteinmauer, an der das Schild der Bio-Drogerie Egli angebracht ist, ein Mann im Schutzanzug giftige Farbe spritzt. Die Welt ist unübersichtlich geworden. Graf macht diese Parallelität von sich ausschliessenden Subkulturen zum Thema seiner Arbeit.

Heidi Bucher: Häutungen und Einbalsamierungen

Statt Parallelwelten zu schaffen, leistete die 1993 verstorbene Heidi Bucher Erinnerungsarbeit über die Aneignung von Räumen. Bucher formte nach ihrer Rückkehr aus den USA Mitte der 1970er-Jahre die Wand ihres Zürcher Ateliers mit in Latex getränkter und mit Perlmuttpigmenten behandelter Gaze ab. Das Ergebnis dieser Häutung hängt in Altdorf und zeugt vom Fragmentarischen von Erinnerungen, ihrer Transformation und von ihrer Befreiung. Buchers mit Perlmutt und Latex behandelten textilen Objekte wirken wie Fossilien. Formal gehen die Objekt in dieser rundum gelungenen Ausstellung spannende Dialoge mit den organischen Keramik-Objekten von Selina Baumann ein.

«Positionen». Marie-Claire Baldenweg, Selina Baumann, Heidi Bucher und Patrick Graf im Haus für Kunst Uri, Altdorf. Bis 19. August. www.hausfuerkunsturi.ch

Wir verlosen 10 x 2 Eintritte für die Ausstellung. Wählen Sie am Samstag, 16. Juni, die Telefonnummer 0901 83 30 23 (1.50 Fr. pro Anruf), oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe an der Verlosung teil.

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