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Interview

«Warum denken alle, dass wir im gleichen Wohnwagen schlafen?» Viktor Giacobbo und Mike Müller vor ihrer Premiere im Circus Knie­

Das Satiriker-Duo Giacobbo/Müller krönt die 100-Jahr-Jubiläumstournee des Circus Knie. Heute findet die Premiere in Rapperswil statt.
Desirée Müller
Schlafen nicht im selben Wohnwagen: Victor Giacobbo und Mike Müller (Bild: Mareycke Frehner)

Schlafen nicht im selben Wohnwagen: Victor Giacobbo und Mike Müller (Bild: Mareycke Frehner)

Viktor Giacobbo grüsst die gesprächigen Papageien, welche scheinbar sehnsüchtig auf ihren Auftritt warten und winkt dem neugierigen Lama zu. Für Giacobbo ist es eine Rückkehr. Mike Müller zündet sich währenddessen eine Zigarette an.

Wie kamen Sie zu Ihrem Engagement beim Circus Knie?

Viktor Giacobbo: Bereits 2006 durfte ich den Circus Knie eine Saison lang begleiten. Wir haben uns gut verstanden und die Familie Knie und ich blieben über all die Jahre in Kontakt. Dann wurde ich angefragt, ob ich bei der Jubiläumstournee dabei sein möchte. Zusammen mit Mike Müller. Ich habe zugesagt, meinte aber, sie müssten Mike schon selbst fragen.

Mike Müller: Zu Recht. Als ich erfahren habe, dass Viktor dabei sein wird, winkte ich gleich ab.

Kommt das gut, Sie beide ein halbes Jahr lang auf so engem Raum?

Müller: Warum denken eigentlich alle, dass wir immer zusammenkleben oder sogar im gleichen Wohnwagen schlafen? Auch unsere Kollegen haben uns dieselbe Frage gestellt. Nur weil wir schon so lange gemeinsam auftreten oder warum?

Giacobbo: Wir gönnen uns gerne einmal gegenseitig ein bisschen Abstand. Daher wird das schon funktionieren.

Gibt es Dinge, die Sie am anderen nerven?

Giacobbo: Soll ich Ihnen meine Liste per E-Mail zukommen lassen?

Müller: Nach intensiven Drehtagen oder nach einer Tournee gibt es Zeiten, in denen wir nicht das Bedürfnis haben, uns anzurufen. Wir haben bisher aber nie länger als zwei Tage nicht miteinander gesprochen.

Wie werden Sie Ihren eigenen Wohnwagen einrichten?

Giacobbo: Mike wird seine Küche bestimmt besser ausstatten, als ich die meine – wie man ihm ansieht.

Müller: Und wer genau lungert um meinen Vorratsschrank herum? Die Küche ist tatsächlich schon eingerichtet, die Kaffeemaschine läuft. Fotos aufstellen und Plüschtiere platzieren sind jetzt nicht so mein Ding.

Was sagt Ihr Umfeld dazu, dass Sie so lange unterwegs sind?

Müller: Meine Eltern haben mich enterbt.

Giacobbo: (verdreht die Augen) Da wir nur an den Abendvorstellungen auftreten, können wir oft zu Hause übernachten. Das ist gut so, denn ich habe auch während der Zirkustournee ein paar andere Aufgaben zu erledigen.

Viktor Giacobbo kennt das Zirkusleben. Mike Müller, sind Sie der Aussenseiter?

Müller: Wie Sie sehen, begrüssen sogar die Papageien Viktor. Und die marokkanischen Mitarbeiter lieben ihn. Zu Beginn war ich in der Tat der «Neue». Aber mittlerweile habe ich mich sehr gut eingelebt.

Die Knies werden als die «Royals der Schweiz» betitelt. Sind sie etwas elitär?

Giacobbo: Die ganze Familie ist sehr herzlich und bodenständig. Natürlich pflegen sie eine ehrwürdige Familiendynastie, aber im freundschaftlichen Umgang merkt man nichts davon. Sie lassen uns ja auch in jeder Hinsicht freie Hand.

Müller: Wir dürfen sogar mit Minischweinen auftreten. Sie können nicht gerade viel. So ähnlich wie Viktor. Aber sie sind wenigstens süss.

Wo sehen Sie den grössten Unterschied zwischen der Manege und der Bühne?

Müller: Spielen ist spielen. Aber die Bedingungen hier sind natürlich anders. Man spielt in einem Rund, vor viel mehr Leuten, als ich gewohnt bin.

Giacobbo: Beim Zirkus erlebt man sämtliche Witterungsbedingungen mit – es gibt keine wohltemperierte Backstage-Welt wie beim Theater. Dazu kommen die Besucher nicht nur wegen uns in den Zirkus. Im Gegensatz zu einer Satireproduktion muss unser Programm eine sehr breite Zielgruppe ansprechen.

Mike Müller, bis vor kurzem waren Sie als «Der Bestatter» im TV zu sehen. Nun in der Zirkusmanege als Comedian. Ein krasser Wechsel?

Müller: Für mich eigentlich nicht. Jeder Schauspieler schlüpft von einer Rolle in die nächste.

Sind Sie traurig, dass die ­Erfolgsserie fertig ist?

Müller: Ich bin überhaupt nicht emotional, wenn es ums Business geht. Ist eine Sendung oder ein Liveprogramm zu Ende, ist das einfach so. Ich finde, den Schluss haben die Autoren sehr gut hingekriegt.

Giacobbo: Mir geht’s genau gleich. Darum wollten wir bei unserer Late-Night-Satire-Show auch keine grosse Abschiedssendung.

Mike Müller und Victor Giacobbo im Pressewagen des Circus Knie. (Bild: Mareycke Frehner)

Mike Müller und Victor Giacobbo im Pressewagen des Circus Knie. (Bild: Mareycke Frehner)

Gibt es schon Pläne für nach dem Zirkusleben?

Müller: Im Moment habe ich weder Lust noch Zeit, um über die Zukunft nachzudenken. Im Winter bin ich wieder fünf Monate mit «Heute Gemeindeversammlung» auf Tour, was danach kommt, weiss ich nicht.

Giacobbo: Ich plane eine satirische Dokumentation im Stil von «Der grosse Kanton». Das Thema ist aber noch nicht festgelegt. Mike und ich haben das Privileg, dass wir nicht nach Engagements suchen müssen. Weil wir häufig selber produzieren, sind wir beide folglich ziemlich entspannt.

Circus Knie in der Ostschweiz

3./4.April in Wil, 9./10.April in Buchs, 24. April bis 1. Mai in St.Gallen

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