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Vier Verspielte bespielen die Shedhalle Frauenfeld

Das Kind im Kunstbetrachter sprechen sie an: Olga Titus, Valentin Magaro und das Duo Michael Frei/Mario von Rickenbach. «Let’s Play» sagen die vier Kunstschaffenden in der Shedhalle Frauenfeld und fordern zum Schauen und Mitspielen auf.
«Let’s Play»: Kinder stehen staunend vor einer Arbeit der Winterthurer Künstlerin Olga Titus. (Bild: Reto Martin)

«Let’s Play»: Kinder stehen staunend vor einer Arbeit der Winterthurer Künstlerin Olga Titus. (Bild: Reto Martin)

Ist Kunst denn nicht eine ernsthafte Sache? Setzt sie sich nicht eindringlich mit dem Menschen und der Welt auseinander, verlangt sie dem Künstler denn nicht Konsequenz und Durchhaltewillen ab, Entbehrung gar? Doch der Ernst schliesst den Spass nicht aus, das belegen die Künstler, die Kuratorin Rebekka Ray für die Ausstellung «Let’s Play» im Shed in Frauenfeld eingeladen hat. Lasst uns spielen – eine heitere Idee wider den Weltschmerz und ganz unterschiedlich umgesetzt. Denn Rebekka Ray ist überzeugt: Spiel und Ernst schliessen einander nicht aus.

Olga Titus, Adolf-Dietrich-Förderpreisträgerin 2009, dominiert die ehemalige Industriehalle, greift sich den Raum mit ihren Farben. An einer Wand hängen Paillettenbilder – und wenn die zierliche Künstlerin mit der Hand über die zahllosen Plättchen streicht, verändert sie Farbe und Richtung des Glanzes. An eine andere Wand projiziert Olga Titus eine Abfolge von knalligen bis skurrilen Bildern aus Strand- oder Winterwaldszenen. Sie sind farbenfroh oder abstrakt wie die Prismen, die wir als Kinder in jenen Kartonröhren zauberten. Just stellen sich zwei Kinder zwischen Projektor und Wand und haben die Farben vor sich und an ihrem Rücken. Und ein Tableau hängt von der Decke: riesig und farbenfroh. Olga Titus’ Welt ist eine traumhafte und verspielte Welt.

Musik – das Spiel mit ­Menschen

Die Shed-Rückwand gehört Valentin Magaro und seinen Zeichnungen, die er schlicht als Fries gehängt hat. Magaro hat den Dietrich-Preis der Thurgauischen Kunstgesellschaft zwei Jahre vor Olga Titus erhalten und war ursprünglich wissenschaftlicher Zeichner. Er spielt aber auch in der Band Sugarpuffs, und davon zeugen seine neuen Arbeiten.

Mit komplexen Überlagerungen von Musikern und Instrumenten erzeugt er eine luftige und spielerische Art von Räumlichkeit. Manche der Zeichnungen sind schlicht, andere komplex; Farbe wird dezent, aber bewusst eingesetzt. In der Abfolge bleibt die äusserst systematische Schaffensweise, die Bildentwicklung sichtbar, und die Werkreihe wird so zum Werkprozess. Der Künstler und Bassist übersetzt das musikalische Suchen und Annähern in eine freie und buchstäblich mehrschichtige Bildsprache.

Sie gibt sich mal detailgenau, dann völlig verspielt, mischt rote Farbsprengsel zwischen dunkle Töne. Die Bilderreihe ist nicht chronologisch, sondern rhythmisch angeordnet. Wer sie abschreitet, wird zum Detektiv und fragt sich: Was fällt weg, was kommt hinzu, wer interagiert mit wem? Klang wird zu Konstruktion – oder ist es umgekehrt?

Schauen und agieren ­kommen zusammen

Der Animationsfilmer Michael Frei war mit «Plug & Play» an der Werkschau Thurgau 2016 zu sehen. In einer Ecke der Shedhalle hat er sich mit dem Game-Desi­gner Mario von Rickenbach eingerichtet. An die Wand projizieren sie ihren Kurzfilm «Kids», der vor einem Jahr im Zürcher Museum of Digital Art zu sehen war und der bald als Game-App erhältlich sein wird. Probieren geht hier über studieren: Über ein Pad lässt sich der Film steuern, lassen sich neue Gruppen aus den identisch gezeichneten Strichmännchen bilden, die in ein Loch zu fallen drohen.

Rebekka Ray stellt mit der Ausstellung «Let’s Play» eben diese gängige Annahme in Frage: Muss Kunst denn immer mit Ernst einhergehen? Ein Künstler hat die Möglichkeit der spielerischen Freiheit, sagt die Kuratorin, und daraus entstünden neue Ideen und Verknüpfungen.

Shed im Eisenwerk Frauenfeld: Do/Fr 19–21, Sa 16–20 Uhr, • Do, 14.3., 18.30 Uhr: Führung mit Künstlergespräch • Do, 4.4., 19 Uhr: Finissage mit Konzert Sugarpuffs (20.15 Uhr)

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